09. April 2021 / 13:37 Uhr

Klassenzimmer Red Bull Arena? RB und Fanprojekt Leipzig wollen Projekt "Lernort Stadion" starten

Klassenzimmer Red Bull Arena? RB und Fanprojekt Leipzig wollen Projekt "Lernort Stadion" starten

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Schulunterricht in der Red Bull Arena? Vielleicht bald Realität.
Schulunterricht in der Red Bull Arena? Vielleicht bald Realität. © Christian Nitsche/Archiv
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Mit dem Fußball lassen sich viele gesellschaftliche Themen verbinden. Um Jugendliche für diese Herausforderungen zu sensibilisieren, hat das Fanprojekt Leipzig ein Konzept für das Projekt „Lernort Stadion“ ausgearbeitet und führt es in Kooperation mit RB Leipzig durch.

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Leipzig. Wie wäre es mal mit einem Tapetenwechsel im Unterricht? Das Fanprojekt Leipzig hat in Zusammenarbeit mit dem Verband „Lernort Stadion“ und RB Leipzig ein Projekt für Schülerinnen und Schüler aus der Stadt entwickelt, bei dem sie den Unterricht ins Stadion verlegen wollen. „Die DFL-Stiftung ist damit auf uns zugekommen, ob wir uns vorstellen können, uns an dem Projekt zu beteiligen“, erinnert sich Ingo Hertzsch, Leiter Corporate Social Responsibility beim Bundesligisten. „Das alles natürlich in Kooperation mit dem Fanprojekt Leipzig. Sie sind Träger des Arbeitsbereichs Lernkurve Leipzig. Wir sind sozusagen starker Kooperationspartner, weil wir das Stadion zur Verfügung stellen“, so Hertzsch.

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Auseinandersetzung mit Demokratie

Die Idee passe gut zum Leitbild der Roten Bullen, „weil wir eben auch Kindern und Jugendlichen auf ihrem Weg helfen wollen. Und gerade im Bereich der Bildung sind wir bislang noch nicht so aktiv gewesen. Deshalb freut es uns umso mehr, dass wir zusammen mit dem Fanprojekt die Möglichkeit jetzt nutzen können.“ Das Projekt soll zunächst mal mit Schülern aus den 8. und 9. Klassen starten. Antje Kettner von der Lernkurve erklärt: „Damit haben auch die anderen Lernorte in Deutschland gute Erfahrungen gemacht. Je nachdem, wie sich das Projekt entwickelt und welche Ressourcen wir haben, kann das Angebot auch auf weitere Zielgruppen ausgedehnt werden. Wir denken hierbei nicht nur an Schulen, sondern auch an die Jugendabteilungen von Sportvereinen oder andere Jugendgruppen.“ Das Angebot stehe prinzipiell allen allgemeinbildenden Schulen offen.

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Beim „Lernort Stadion“ ist die Lernkurve für die inhaltlichen Themen zuständig. Fußball und Sport im Allgemeinen bieten dabei zahlreiche Anknüpfungspunkte, um sich mit gesellschaftlichen Herausforderungen wie Diskriminierung, Intoleranz und Ausgrenzung, aber auch mit positiven Aspekten wie Teamplay, Wertschätzung und Mitbestimmung auseinanderzusetzen, erklärt Kettner. „Jugendliche nehmen politische Themen mitunter als sehr fern von der eigenen Realität wahr. In unseren Workshops wollen wir soziale und demokratische Basiskompetenzen vermitteln und darauf aufbauend Jugendliche für gesellschaftliche Herausforderungen sensibilisieren, zum Ausprobieren eines demokratischen Miteinanders ermutigen und in ihrem Verantwortungsbewusstsein und ihrer gesellschaftlichen Teilhabe stärken.“



"Mit Hygienekonzept und allem Drum und Dran"

Dafür stellt RB Leipzig ihr „Wohnzimmer“ zur Verfügung. „Wir wollen den Jugendlichen in der Red Bull Arena ein schönes Klassenzimmer anbieten, um an einem anderen Ort ein bisschen abschalten zu können und gut in den Workshops mitzuarbeiten“, sagt Hertzsch. Das dürfte in einer Pandemie nicht ganz so einfach sein. Ursprünglich war der Start des Projekts zum Beginn des aktuellen Schuljahres geplant, wie Hertzsch berichtet. Die Beteiligten mussten aufgrund der Kontaktbeschränkungen und der sonstigen Schutzmaßnahmen bezüglich des Corona-Virus dieses Vorhaben zunächst verschieben.

Das Fußballstadion spiele eine besondere Rolle für den Erfolg des Projektes, so Kettner. „Aus diesem Grund möchten wir die Workshops gern als Präsenzveranstaltung in der Red Bull Arena durchführen – mit Hygienekonzept und allem Drum und Dran. Natürlich bedenken wir in unserer Planung auch Online-Workshops als Alternative. Allerdings würde dadurch viel verloren gehen. Es geht schließlich nicht nur um Wissensvermittlung, sondern um Ausprobieren und Erleben an einem besonderen Ort.“ Bleibt zu hoffen, dass es zum Beginn des kommenden Schuljahres im September losgehen kann.

„Würden auch mal einen Profi einbinden“

Die Workshops würden an zwei aufeinander Tagen jeweils von neun bis 14 Uhr in der Red Bull Arena stattfinden, erklärt Kettner. „Wir haben uns im Vorfeld mit dem sächsischen Lehrplan beschäftigt und geschaut, welche der Themen und Inhalte sich gut mit unseren Workshop-Ideen ergänzen. Vor allem in den Fächern Gemeinschaftskunde, Ethik und Geschichte gab es da Überschneidungen.“

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Konkret soll es fünf verschiedene Workshops geben: „Komm mal klar“ mit dem Themenschwerpunkt Selbstverortung von Jugendlichen in einer demokratischen Gesellschaft; „Stark im Team“, in dem es über Reflexion von Gruppenprozessen und die Vermittlung sozialer und demokratischer Kompetenzen gehen soll; „Irgendwas mit Medien“, wo der verantwortungsvolle Umgang mit sozialen Medien besprochen wird. Zudem soll es auch um Fußball gehen. So sind in zwei „Zeitlupen“-Workshops Rückblicke zur Jugend und zum Sport in Leipzig während der NS-Zeit und während der DDR-Zeit vorgesehen. Teil eines jeden Workshops werde eine thematische Stadionführung sein.

Perspektivisch will RB die Workshops mit Personal unterstützen: „Wir werden versuchen, den Themen entsprechend, Protagonisten für die Workshops zu engagieren. Das heißt, dass vielleicht mal ein Jugendspieler dabei sein wird. Oder jemand aus unserer Medienabteilung, der vielleicht über Medien und das aktuelle Problem mit Fake News aufklärt. Sollte sich die Möglichkeit ergeben, würden wir auch mal einen Profi einbinden“, so Hertzsch.