08. Oktober 2020 / 17:09 Uhr

Vor dem Klassiker SGD gegen FCM: Hoßmangs schwierige Rückkehr nach Dresden

Vor dem Klassiker SGD gegen FCM: Hoßmangs schwierige Rückkehr nach Dresden

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Thomas Hoßmang, der aktuelle Trainer des FCM, steht am Spielfeldrand der MDCC-Arena. 
Thomas Hoßmang, der aktuelle Trainer des FCM, steht am Spielfeldrand der MDCC-Arena.  © Swen Pförtner/dpa
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Der Trainer des 1. FC Magdeburg steht vorm Ostderby bei Dynamo Dresden arg unter Druck. Einen freundlichen Empfang darf er auch nicht erwarten.

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Dresden/Magdeburg. Er bestritt mit Dynamo Dresden in der Saison 1994/95 seine einzigen 18 Bundesliga-Spiele, blieb selbst nach dem Absturz in die Regionalliga in Dresden und wurde dann sogar Kapitän bei den Schwarz-Gelben – kein Wunder, dass Thomas Hoßmang am Sonnabend beim Ostklassiker Dynamo gegen Magdeburg (14 Uhr/Magentasport und MDR live) besonders im Fokus steht.

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Das Spiel bei seinem Ex-Verein ist für den Trainer des 1. FC Magdeburg aber nicht nur deswegen ein besonderes, denn der 53-Jährige braucht dringend ein Erfolgserlebnis. Die Mannschaft, die er als Nachfolger des gescheiterten Claus-Dieter Wollitz vorige Saison vorm Abstieg rettete, ist mit nur einem Pünktchen Schlusslicht der 3. Liga und steht gleich wieder mächtig unter Druck.

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Zwei 0:2-Heimniederlagen gegen Viktoria Köln und den Erzrivalen aus Halle sowie das 1:1 bei 1860 München waren nicht das, was sich der gebürtige Hoyerswerdaer vor Saisonbeginn vorgestellt hatte. „Wichtig ist, dass wir gut aus den Startlöchern kommen“, hatte der FCM-Coach vor Beginn der Pflichtspiele betont. Musste man das Ausscheiden im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten aus Darmstadt (2:3 n.V.) einkalkulieren, schmerzen die Heimpleiten in der 3. Liga doch sehr. Besonderes einen so ehrgeizigen Menschen wie Hoßmang, der seit seiner Zeit als Profi für seinen unerschütterlichen Siegeswillen bekannt ist.

Hoßmang wohnt noch in der Lausitz

Der bodenständige Lausitzer, der noch immer in Bergen nördlich von Hoyerswerda wohnt und nach Magdeburg pendelt, war wegen seiner Führungsqualitäten nicht nur bei Dynamo Kapitän, sondern später auch bei Energie Cottbus und danach beim Dresdner SC. Eduard Geyer holte ihn 1996 nach Cottbus, wo beide gemeinsam 1997 sensationell ins Finale des DFB-Pokals (0:2 gegen den VfB Stuttgart) einzogen und in die 2. Bundesliga aufstiegen. Als ihn Geyer als Abwehrchef ausmusterte, führte er ab 1999 den DSC als Leitwolf und schaffte mit den 98ern – anders als Dynamo – im Jahr 2000 die Qualifikation zur neuen, zweigeteilten Regionalliga.

Nach dem Ende seiner Profikarriere fing Hoßmang 2003 als Nachwuchstrainer in Cottbus an, Geyer hatte ihn trotz vorheriger Differenzen als U19-Trainer zurückgeholt. „Das war ein Zeichen von Größe!“ wie Hoßmang heute anerkennend sagt. Als er im Herbst 2007 als Co-Trainer seinen damaligen Chef Petrik Sander als Energie-Coach beerben sollte, lehnte er als Loyalitätsgründen ab und trat Engagements in Neugersdorf, Bautzen und Plauen an. 2012 wurde er Co-Trainer unter Sander in Jena, heute ist der Quedlinburger U19-Trainer in Magdeburg. Sander kam dorthin, als Hoßmang am 10. Juni 2020 bei den abstiegsbedrohten FCM-Profis einspringen musste.

Magdeburg wird zur zweiten Heimat

Als Manager Mario Kallnik Hoßmang fragte, konnte der einfach nicht ablehnen, obwohl er 2017 einen Schlaganfall erlitten hatte. In seinem siebenten Jahr in Magdeburg, wo er auch schon das Nachwuchsleistungszentrum leitete, fühlt sich der Freund von Ex-Coach Jens Härtel (jetzt Hansa Rostock) sehr wohl: „Das ist mein zweites Zuhause geworden.“ Sein jüngerer Sohn Benjamin arbeitet inzwischen als Scout für die Blau-Weißen, die den Vater im Sommer mit einem Vertrag bis 2022 ausstatteten und mit ihm auf bessere Zeiten hoffen.

Im Sommer bauten Kallnik und Hoßmang das verunsicherte Team stark um: 16 Abgängen (darunter Ex-Dynamo Patrick Möschl) stehen 16 Neuzugänge gegenüber. Bekanntester Akteur ist der Rechtsverteidiger Alexander Bittroff, der 32 Jahre alte Ex-Cottbuser und Ex-Chemnitzer heuerte erst in dieser Woche an, nachdem er drei Jahre beim KFC Uerdingen gespielt hatte. Nicht alle Transferträume der Fans – insbesondere der von der Rückkehr von Philipp Türpitz (jetzt Sandhausen) – erfüllten sich, doch Hoßmang glaubt: „Wir haben gute Jungs dazugeholt, mit denen wir jetzt akribisch arbeiten, fleißig sein und Spiele gewinnen wollen.“

Dynamo-Fans einst sauer auf damaligen DSC-Kapitän

Ein Dreier im „Elb-Clasico“ käme „Hossi“, wie er in Dresden nur genannt wird, jetzt mehr denn je recht. Rücksicht auf seinen Ex-Verein kann er nicht nehmen, obwohl er sagt: „Ich hatte eine schöne Zeit in Dresden und habe noch viele Freunde dort.“ Einer arbeitet auch direkt im aktuellen Dynamo-Team: Tobias Lange, der Reha-Trainer. Beide kennen sich aus gemeinsamen Tagen in Bautzen, pflegen regelmäßig Kontakt. „Ein feiner Junge, sehr, sehr fleißig“, lobt Hoßmang Lange, der den Magdeburger Coach seinerseits genauso schätzt und am Sonnabend freudig begrüßen wird.

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Dass die Dynamo-Fans den ehemaligen SGD-Kapitän aber ebenso herzlich empfangen, ist derweil nicht zu erwarten. Zu groß ist in ihren Augen die Rivalität mit dem Europapokalsieger von 1974, außerdem konnten vor 21 Jahren viele Fans Hoßmangs Wechsel zum Dresdner SC nicht verstehen. In den heißen Stadtderbys musste er sich im Trikot der Rot-Schwarzen oft übel beschimpfen lassen. Mit derlei Situationen kann Hoßmang, seit einem Jahr übrigens Opa, aber gelassen umgehen. Eine Niederlage seiner aktuellen Mannschaft träfe ihn weit härter.