06. März 2021 / 11:11 Uhr

Der Klassiker, der keiner ist: Darum ist Bayern gegen den BVB nicht mit dem Clásico vergleichbar

Der Klassiker, der keiner ist: Darum ist Bayern gegen den BVB nicht mit dem Clásico vergleichbar

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ein Topspiel - aber kein Klassiker: Die Partie zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund wird vor allem seit der Duelle zwischen Jürgen Klopp und Jupp Heynckes als German Clásico bezeichnet.
Ein Topspiel - aber kein Klassiker: Die Partie zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund wird vor allem seit der Duelle zwischen Jürgen Klopp und Jupp Heynckes als "German Clásico" bezeichnet. © Friedemann Vogel/Getty Images, IMAGO/Annegret Hilse, Montage
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Die Entwicklung eines Mythos’: Wie die Partie zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund zum „German Clásico“ wurde und warum dieser Begriff eigentlich nicht zutrifft. Der SPORTBUZZER hat sich auf Spurensuche begeben.

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Es gibt viele Variationen bei der Benennung dieses Spiels. Mal heißt es „German Clásico“, dann „der Klassiker“. In den sozialen Medien wurde das Duell in den vergangenen Jahren auch als „El Krassico“ verballhornt. Wenn seit 2010 der FC Bayern München auf Borussia Dortmund trifft, werden Superlative bemüht, immer angelegt an das große Clásico in Spanien zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona. Tagelang ist das Duell Gesprächsthema. In diesem Jahr trifft jedoch Tabellenführer Bayern nur auf den Tabellenfünften (Samstag, 18.30 Uhr, Sky). Der „German Clásico“ schrumpft zusammen auf das Normalmaß eines Spitzenspiels.

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Dietmar Hamann, ehemaliger Profi des FC Bayern und heutiger Experte beim Pay-TV-Sender Sky, ist froh darüber. „Ich kann mit der Überhöhung zum Klassiker wenig anfangen. Es wurde zwanghaft versucht, einen Superlativ zu finden“, sagte er dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das ist viel zu häufig der Fall: Alles muss immer höher, schneller, weiter sein. Der Begriff Klassiker trifft für mich nicht zu.“ Ähnlich äußert sich Sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss, der am Samstag im Einsatz ist: „Es ist der Versuch, etwas zu adaptieren, das nicht in der Kultur liegt.“

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Den Ursprung hat die Überhöhung in der BVB-Zeit unter Jürgen Klopp. Deutscher Meister 2011, Double-Sieger 2012, Champions-League-Finalist 2013 – plötzlich war da in der Bundesliga eine Mannschaft, die dem FC Bayern die Stirn bieten konnte, ihm Niederlagen zufügte. Seitdem ging es in den direkten Duellen stets um die Meisterschaft – die der Rekordmeister nun zum neunten Mal in Serie gewinnen kann. „Beide Teams haben das letzte Jahrzehnt geprägt, der BVB war immer dicht dran“, sagt Thomas Helmer, der früher für beide Teams spielte und heute den Doppelpass auf Sport1 moderiert, dem SPORTBUZZER. „Von daher ist es zumindest in diesem Punkt vergleichbar mit dem Clásico in Spanien, wenngleich der Clásico eine ganz andere Tradition hat.“



Vermarktung Schuld am Clásico-Begriff

Ein Vergleich mit dem La-Liga-Duell ist entsprechend schwierig. Real gegen Barça ist mehr als Sport, es geht um gesellschaftliche und politische Fragen in Spanien. Ähnlich ist es beim Superclásico in Argentinien zwischen dem Arbeiterverein Boca Juniors und dem Oberschichtklub River Plate. Das Bundesliga-Duell zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund, das 1965 erstmals ausgetragen wurde, birgt diese über den Sport hinausgehende Brisanz nicht. „Zu meiner Zeit als Spieler hatte diese Partie nie die große Bedeutung wie heute. Es gab viele gute Mannschaften in der Bundesliga und der FC Bayern war nicht so dominant“, sagt Hamann.

Warum dann die Begrifflichkeit? „Durch die internationale Vermarktung wurde dieses Spiel zum German Clásico gepusht, aber wir wären in Deutschland ja nicht intelligent, wenn wir nicht auf den Zug aufgesprungen wären“, sagt der frühere BVB-Torwart Roman Weidenfeller dem SPORTBUZZER. Die Bundesliga wollte den internationalen Markt erobern – was gelang. Die Spiele werden inzwischen weltweit übertragen. National verbucht Sky seit Jahren steigende Einschaltquoten. Das Hinspiel in dieser Saison verfolgten über 2,5 Millionen Menschen live.

Zorc: "Ein besonderes Spiel"

Auch an diesem Samstag werden Millionen vor dem Fernseher sitzen, das ist sicher. Wichtig ist dieses Spiel allemal. Der BVB braucht die Punkte für das Erreichen der Champions League, der FC Bayern darf sich im Fernduell mit RB Leipzig keine Niederlage im Kampf um die Meisterschaft erlauben. „Es ist ein besonderes Spiel – das ist es immer, wenn der BVB gegen den FC Bayern spielt“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Und damit hat er allemal recht.

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