29. April 2021 / 10:59 Uhr

Wie Klaus-Dieter Henkel eher zufällig eine Frauensparte gründet - und in den DFB-Pokal führt

Wie Klaus-Dieter Henkel eher zufällig eine Frauensparte gründet - und in den DFB-Pokal führt

Maximilian Krone
Märkische Allgemeine Zeitung
Klaus Dieter Henkel hat beim Heideseer SV Fortuna schon viel bewegt - und will weitermachen.
Klaus Dieter Henkel hat beim Heideseer SV Fortuna schon viel bewegt - und will weitermachen. © Verein
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Seit 57 Jahren engagiert sich Klaus-Dieter Henkel für den Verein, der heute Heideseer SV Fortuna heißt. Eine Erfolgsgeschichte des Frauenfußballs im Süden Brandenburgs - an der vier Generationen der Familie Henkel beteiligt sind. Einer der Höhepunkte: eine 2:0-Führung gegen den FC Bayern.

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Im Mai 1964 trat Klaus-Dieter Henkel der BSG Traktor Friedersdorf bei. Über ein halbes Jahrhundert später ist der heute 65-Jährige noch immer Mitglied im Verein, der seit 2010 Heideseer SV Fortuna heißt. "Mein Vater hat hier schon im Verein gespielt", erzählt der Rentner, der sich seit 1995 besonders mit dem Aufbau des Mädchenfußballs beschäftigt hat, zuvor aber schon mit gerade einmal 16 Jahren die erste Mannschaft des Vereins trainierte: "Es gab, wie heute, einen Trainermangel, daher bin ich eingesprungen", verrät Henkel, der später als Spielertrainer die Mannschaft führte.

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Doch 1995 verschoben sich plötzlich seine Prioritäten. "Das war echt kurios", sagt er. Seine neunjährige Tochter Stefanie tauchte plötzlich mit zwei Freundinnen zusammen vor ihm auf und wollte im Verein Fußball spielen. "Ich habe gesagt, dass sie 14 Tage Zeit haben, um Mädchen für ein Probetraining zusammenzubekommen. Zwei Wochen später standen plötzlich 15 Mädchen im Alter von neun und zehn Jahren vor mir", erinnert er sich mit einem Lachen. Der Startschuss war also gefallen. Für ein Projekt, dessen Ausmaße Henkel sich damals nicht hätte erdenken können.

Impressionen und Geschichten aus dem Leben von Klaus-Dieter Henkel

Klaus-Dieter Henkel machte sich mit seiner Arbeit für den Frauenfußball in Heidesee sehr verdient.  Zur Galerie
Klaus-Dieter Henkel machte sich mit seiner Arbeit für den Frauenfußball in Heidesee sehr verdient.  ©

Frauen schaffen es in den DFB-Pokal

Nach anfänglichen Turnieren stiegen die Kickerinnen damals in der C-Jugend in die Landesliga auf und wurden anschließend mehrfach sowohl Landesmeisterinnen als auch Hallenmeisterinnen. Auch im Seniorenbereich schien der Erfolg keinen Halt zu machen. In der Saison 2004/05 zogen die Friedersdorferinnen in das Pokalfinale gegen die dritte Mannschaft des 1. FFC Turbine Potsdam ein, unterlagen jedoch. Als Vize-Pokalsieger schaffte die Henkel-Elf dennoch die Teilnahme am DFB-Pokal, in dem sie in der folgenden Saison gegen den TSV Jahn Calden (0:6) antraten. "So etwas vergisst man so schnell nicht", erzählt Henkel stolz.

Vor 1850 Zuschauern gegen den FC Bayern

Zur Vorbereitung auf die Pokal-Partie gastierte die Frauenmannschaft des FC Bayern in Friedersdorf. Dabei führten die Hausherrinnen nach zehn Minuten sogar mit 2:0. "Da waren die Bayern richtig sauer", erinnert sich Henkel. "Das war auf jeden Fall der Höhepunkt vor 1850 Zuschauern, auch wenn wir am Ende mit 5:7 verloren."

Aufstieg zwei Mal knapp verpasst

Am Ende der Spielzeit stand dann auch noch der Landesmeistertitel in der Vitrine des Vereins, und damit auch die Chance auf den Aufstieg in die Regionalliga. Doch gegen den FSV 02 Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) konnten sie die 1:4-Hinspielniederlage nicht mehr wettmachen, der 2:1-Heimerfolg reichte nicht aus. Auch ein Jahr später schaffte Henkel mit seiner Mannschaft wieder die Qualifikation für die Aufstiegsrunde, siegte zunächst sogar mit 2:1 gegen den 1. FFC Fortuna Dresden, verlor das entscheidende Spiel gegen Rot-Weiß Erfurt jedoch mit 1:3 nach Verlängerung.

Der Mitgliedsausweis von Klaus-Dieter Henkel.
Der Mitgliedsausweis von Klaus-Dieter Henkel. © Privat

Heute sieht es da ein wenig ruhiger aus. Neun der 15 Mädchen haben insgesamt 15 Jahre lang Fußball in Friedersdorf gespielt, aus beruflichen Gründen wurde der Frauenfußball im Verein wieder weniger. "Derzeit gibt es noch eine Frauenmannschaft, die im Kreis spielt, und eine B-Jugend, die in der Landesliga aktiv ist", sagt Henkel. Noch immer ist er für den Frauenfußball im Verein verantwortlich. Grund dafür ist das jüngste Mitglied der Familie - die siebenjährige Enkelin Paula: "Sonst hätte ich schon lange aufgehört."

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Über die Zeit sammelten sich ein paar Zeitungsartikel bei Klaus-Dieter Henkel an. Zur Galerie
Über die Zeit sammelten sich ein paar Zeitungsartikel bei Klaus-Dieter Henkel an. © Privatarchiv

Die ganze Familie ist im Verein aktiv

Die Familie Henkel ist also noch weiterhin tief im Verein verankert. Auch Paulas große Schwester Hannah (13) spielt im Verein, sie läuft für die B-Juniorinnen auf. In der Kreisoberliga-Mannschaft der Herren spielen Florian und Christopher, die Neffen von Klaus-Dieter. "Christopher trainiert zusammen mit seiner Freundin die F-Jugend. Das machen die beiden echt gut, hat er doch ein bisschen was von mir mitbekommen", sagt Henkel, der im vergangenen Jahr für seine ehrenamtliche Arbeit mit der Sepp-Herberger-Urkunde belohnt wurde, mit einem Augenzwinkern. Auch Bruder Andreas war Spieler im Verein, "aber der hat bei Zeiten aufgehört", erzählt er.

"Ohne den Sport würde ich eingehen"

Ans Aufhören denkt der fußballverrückte Rentner, der noch zwei Mannschaften einer Fußball-AG in der Grundschule Friedersdorf leitet, derzeit nicht. Besonders nicht während der Corona-Pandemie: "Ohne den Sport würde ich eingehen. Mir fehlt der Fußball genauso wie den Kindern."

Bei Henkel überwiegt die "riesengroße Vorfreude" auf die neue Spielzeit, die er als Trainer der E1, Jugendleiter und Verantwortlicher für den Frauen- und Mädchenfußball angehen wird. "Ich bin verrückt nach Mädchenfußball. Solange es mir Spaß macht und sie mich nicht als alten Sack bezeichnen, mache ich weiter."

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Und vielleicht wird auch schon in 20 Jahren die nächste Generation der Familie Henkel seine Kreise im Heideseer SV Fortuna ziehen, natürlich unter Obhut von dann Ur-Opa Klaus-Dieter.