26. November 2021 / 15:29 Uhr

Kleine Tochter und große Aufgaben für Profiboxer Michael Wallisch

Kleine Tochter und große Aufgaben für Profiboxer Michael Wallisch

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Training im Garten: Michael Wallisch boxt gegen den Sandsack.
Training im Garten: Michael Wallisch boxt gegen den Sandsack. © Fotos: Matthias Press/ Nancy Harland
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Da kommt etwas auf Michael Wallisch zu: Ehefrau Angelina brachte Ende Oktober Tochter Amelie zur Welt. Das Ehepaar hat bereits Sohn Milan (5). Und zwischen Dezember und Februar stehen zwei bis drei Profi-Boxkämpfe auf dem Programm. 

Die Familie ist größer geworden, die Zahl der Angebote auch. Auf Michael Wallisch kommen einige Aufgaben zu. Der in Groß Ilsede lebende 36-jährige Schwergewichts-Profiboxer, der sich unter anderem schon den Europameistertitel geholt hatte, will Mitte Dezember wieder in den Ring steigen.

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In Kiew wird er gegen den zehn Jahre jüngeren Vladyslav Sirenko boxen. Der hatte 2013 bei den Jugend-Europameisterschaften im Superschwergewicht Silber gewonnen, ist als Profi noch ungeschlagen und hat von 18 Kämpfen 15 durch Knockout für sich entschieden.

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Weihnachten fliegt Wallisch nach Miami als „Back-up-Kämpfer“ für das Duell des Kubaners Luis Ortiz gegen den Amerikaner Charles Martin – beide übrigens Linkshänder. „Wenn einer von beiden ausfällt, springe ich ein“, sagt Wallisch. Im Februar bricht er dann nach Südafrika auf, wo er Ende des Monats gegen Kevin Lerena boxen wird. Der Weltmeister im Cruisergewicht steigt zu den Schwergewichten auf.

Das sind echte Brocken, die da auf den Groß Ilseder zukommen, aber der ist gelassen. „Ich lebe wie ein Sportler leben muss, trainiere täglich und habe zuletzt beim Kampf gegen Murat Gassiev in Moskau gezeigt, was ich drauf habe.“ Den Kampf verlor er zwar, aber der Abbruch durch den Ringrichter nach dem Pausengong der vierten Runde hatte ein „Geschmäckle“. „Ich hatte den Eindruck, dass Gassiev schon konditionelle Probleme hatte. Aber man liegt auswärts halt immer erstmal 0:2 zurück“, sagt Wallisch.

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Das sahen auch andere so. Denn nach diesem Kampf flatterten bei seinem Box-Promoter Erol Ceylan mehrere Angebote herein. Die genannten drei hat Wallisch angenommen. Zum Geburtstag anfang des Monats rief ihn sein früherer Trainer Ulli Wegner an. „Junge, Du kannst boxen. Du musst es nur wollen“, sagte er zu Wallisch. „Ich antwortete: ’Okay Trainer, ich will’“, sagt der Schwergewichts-Kämpfer mit einem Schmunzeln. Dafür trainiert er privat, in Salzgitter und in Hamburg bei Trainer Andre Walther.

„Ich hatte früher alles mit Talent zu lösen versucht. Aber als ich dann über Grenzen gegangen bin und dadurch eine Weiterentwicklung gesehen habe, hat mich das motiviert. So ist Wille und Fleiß dazu gekommen, und inzwischen brauche ich es, mich täglich im Training zu quälen. Dann bin ich zufrieden“, sagt der Ilseder.

Zuhause wickelt den Hundert-Kilo-Schrank derweil die kleine Amelie um den Finger. Die Tochter des Ehepaars Wallisch kam im Oktober per Kaiserschnitt zur Welt. „Sie war bei der Geburt 54 Zentimeter groß und wog 4600 Gramm. Unglaublich, was meine Frau Angelina da geleistet hat.“ Stolz ist auch der fünfjährige Sohn Milan.

Stolz und vorsichtig hält Milan (5) seine kleine Schwester Amelie im Arm.
Milan und Amelie © Nancy Harland

Amelie entwickelt sich gut, genauso wie der 14-Jährige, den Michael Wallisch in einer „intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung“ unter den Fittichen hat. Das Jugendamt kam mit ihm nicht klar, aber Wallisch hat ihn – in Erinnerung an die eigene ähnliche Entwicklung – aus der Abwärtsspirale herausgeholt. „Das werde ich auch weiterhin machen, auch wenn ich nicht mehr boxe“, sagt Wallisch. „Das ist mein Weg.“

Von Matthias Press

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