26. November 2021 / 18:35 Uhr

Kleiner Lichtblick: Fußballnachwuchs im Leipziger Land trainiert fleißig weiter

Kleiner Lichtblick: Fußballnachwuchs im Leipziger Land trainiert fleißig weiter

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Kinder und Jugendliche sind vom aktuellen Sport-Lockdown ausgenommen. Hier im Bild: Die E-Junioren des Bornaer SV und des FC Grimma.
Kinder und Jugendliche sind vom aktuellen Sport-Lockdown ausgenommen. Hier im Bild: Die E-Junioren des Bornaer SV und des FC Grimma. © Thomas Kube
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Zwar ist der Spielbetrieb in den Altersklassen C- bis G-Junioren verboten, doch wenigstens dürfen die Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 15 Jahren trainieren. Wir haben uns bei Nachwuchsverantwortlichen regionaler Vereine umgehört, wie sie die neueste Entwicklung betrachten.

Leipzig. Während der aktuellen Breitensport-Zwangspause dürfen wenigstens Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 15 Jahren ihrem Hobby weiterhin nachgehen. Zu mindestens was den Trainingsbetrieb betrifft. Einem weiterhin theoretisch möglichen Spielbetrieb in den Altersklassen C- bis G-Junioren wurde allerdings auch vom Fußballverband Muldental/Leipziger Land mittlerweile ein Riegel vorgeschoben. Nach ohnehin bereits zahlreichen Ausfällen und einer anschließend kurzfristigen Aussetzung ist nunmehr definitiv bis zum 31. Dezember Schluss mit Wettkämpfen.

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Bei den Sportfreunden Neukieritzsch trainieren die Jüngeren unverändert, wie Timo Heller berichtet. Der Jugendleiter des SFN – welcher selbst einer der verantwortlichen Coachs bei den A-Junioren ist – konnte zunächst sogar mit den Älteren weitermachen, aufgrund der Spielgemeinschaft mit Serbitz/Thräna auf thüringischem Boden. Er ist guter Dinge, dass die Motivation bei Spielern und Trainern sowie natürlich ebenso bei den Eltern in der momentan abermals schwierigen Phase erneut keinen Schaden nimmt.

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Sein Lob richtet sich an die Zusammenarbeit der Vereine mit den Kommunen („Die Organisationsstruktur in Sachen Sportstätten funktioniert einwandfrei.“), seine Kritik richtet sich an die Kommunikationspolitik der Regierung („Es ist absolut unangemessen, den Breitensport mit einer Party-Gesellschaft auf die selbe Stufe zu stellen.“), beim Gedanken an die wiederum abgesagten Weihnachtsfeiern und Hallenturniere bekommt er Bauchschmerzen („Erneut fallen die sozialen Kontakte weg und die Vereinskasse hätte ein paar zusätzliche Euro gut vertragen können.“). Hellers mahnt nach fast zwei Jahren Pandemie ein Umdenken der Oberen an: „Wir brauchen Konzepte, Konzepte, Konzepte. Alles andere ist doch nur Murks. Wir können dem Virus nicht nur mit ständigen Verboten begegnen, auch bei früheren Grippewellen war die Situation angespannt und wir haben sie mit Disziplin überstanden.“

"In die Glaskugel kann halt keiner schauen"

„Wir trainieren mit den unter 16-jährigen selbstverständlich weiter, haben unser Hygienekonzept nochmals angepasst, die Eltern sind in der Zeit der Übungseinheiten nicht vor Ort.“ Ronny Ilbig vom SV Tresenwald Machern bleibt zuversichtlich, dass sich am derzeitigen Status Quo nichts ändern wird: „Online-Training war damals eine ganz ordentliche Sache, doch das müssen wir nicht noch einmal haben.“ Mit dem vorzeitigen Ende des Spielbetriebs im Jahr 2021 kann sich der Nachwuchschef der Tresenwalder dagegen anfreunden: „Klar, wir hätten uns gerne weiterhin mit anderen Mannschaften gemessen. Doch es ist wohl besser so, erst einmal nicht von A nach B zu fahren. Solidarität und Vernunft sind jetzt gefragt, manchmal ist weniger eben mehr.“ Die eigenen traditionellen Hallenturniere haben die Macherner leider auch schon wieder absagen müssen, ein diesbezüglicher Dauerzustand kommt allerdings nicht einmal in ihren allerschlimmsten Träumen vor.

Beim BC Hartha hat man die Aussage von der Stadtverwaltung, die Sportstätten für die unter 16-jährigen unverändert in gewohntem Umfang nutzen zu können. „Und das nehmen wir auf jeden Fall wahr.“, wie Jugendchef Norman Lein berichtet. Dass der Verband auf den Spielbetrieb zunächst verzichtet, hält er für die beste Lösung: „Es wäre mit Sicherheit ohnehin schwierig geworden, gerade in den unteren Altersklassen. Die Eltern hätten einverstanden sein müssen, dann die zeitaufwendige Abstimmung mit dem jeweiligen Gegner, mit der Saisonunterbrechung hat man uns die Einzelfallprüfung dankenswerterweise abgenommen. Es macht doch keinen Sinn, bei den nur noch wenigen Spielen bis zur Winterpause etwas übers Knie zu brechen. Vielleicht geht es im März normal weiter, aber in die Glaskugel kann halt keiner schauen.“

"Es darf nichts den Bach runter gehen"

Andreas Heider vom FSV Alemannia Geithain versucht unisono, dem gegenwärtigen Geschehen das Positive abzuringen. „Zum Glück dürfen die Kids diesmal wenigstens trainieren, das ist ganz wichtig für die sozialen Kontakte. Diejenigen, bei denen die Eltern dahinter stehen, sind nach wie vor bei den Übungseinheiten dabei. Welche bei uns in etwas entzerrter Form stattfinden, schließlich ist es ein äußerst sensibles Thema.“ Den Spielbetrieb erst einmal fortzuführen, hätte sich Alemannias Nachwuchsleiter unter gewissen Umständen durchaus vorstellen können:„Wenn die Hygiene-Bestimmungen eingehalten worden wären, warum nicht. Immerhin werden die Kinder in der Schule dreimal pro Woche getestet, was soll denn bitteschön noch gemacht werden.“ Es klingt ein unüberhörbarer Schuss Verärgerung und ein besorgter Blick in die Zukunft aus seiner Stimme, als er hinzufügt: „Es war bereits beim letzten Mal schwer, alle bei der Stange zu halten und nun wird erneut alles auf die Probe gestellt.“


„Wir trainieren weiter, im Freien und ebenso in der Halle.“ Heike Boguth vom FSV Brandis meldet in diesem Punkt Vollzug, in Sachen vorübergehender Einstellung des Spielbetrieb kann sie die Entscheidung des Verbandes nachvollziehen: „Natürlich will jeder gerne Wettkämpfe bestreiten, aber im Moment hätte es uns wahrscheinlich überfordert. Die volle Unterstützung der Eltern wäre notwendig gewesen und Heimspiele hätten wir sowieso nicht austragen können.“ Die Jugendleiterin des FSV verweist in diesem Zusammenhang auf die umfangreichen Dokumentationspflichten, die für einen eher kleinen Verein wie den ihren allein schon aus personellen Gründen überhaupt nicht zu stemmen gewesen wären. Hinzu kämen die enormen finanziellen Ausgaben, zum Beispiel hätte ein herkömmliches Desinfektionsgerät 500 Euro gekostet.

Mit den kommenden Wochen und Monaten verbindet sie einige Wünsche und eine eindringliche Mahnung: „Es darf nichts den Bach runter gehen, ansonsten wäre das der Todesstoß für die Vereine. Die Kinder mögen uns treu bleiben, möglichst sogar mit Zulauf bei den Kleineren wie beim letzten Mal. Ihnen muss die Angst vor Corona genommen werden. Da ist der Sport genau das Richtige, die Gesundheit ist doch so wichtig.“