04. Mai 2021 / 13:03 Uhr

Kleinstgruppen, Tests, viel Orga: So läuft Training in Leipzig und Umgebung in Zeiten der Bundesnotbremse

Kleinstgruppen, Tests, viel Orga: So läuft Training in Leipzig und Umgebung in Zeiten der Bundesnotbremse

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Beim FC Eilenburg ist man froh, dass die Kinder auf den Platz zurückkehren konnten.
Beim FC Eilenburg ist man froh, dass die Kinder auf den Platz zurückkehren konnten. © Susan Stephan
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Die Regelungen des Infektionsschutzgesetzes, auch als Bundesnotbremse bezeichnet, stellen Sportvereine in Leipzig und der Umgebung vor ordentlich Probleme. Trainiert werden darf nur in Kleinstgruppen und bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres. Übungsleiterinnen und Übungsleiter benötigen tagesaktuelle Tests. Und natürlich braucht es ein Hygienekonzept. Wir haben uns umgehört, wie die Clubs mit all dem umgehen.

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Leipzig. Kaum hatten sich die Sportvereine in Sachsen an die neuen Corona-Regeln gewöhnt, kamen mit der Bundes-Notbremse bereits die nächsten Vorschriften. Alle paar Wochen müssen sich die Sportklubs anpassen und vor allem im Jugendbereich flexibel bleiben.

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Als Nachwuchsleistungszentrum eingestuft

Denn durch die einheitlichen Bundesregelungen dürfen nun lediglich fünf Kinder pro Trainingsgruppe Sport treiben, Jugendliche ab 15 Jahren sind von gemeinsamen Einheiten ausgeschlossen. Zusätzlicher Aufwand für die Vereine, die viele Gruppen nun aufteilen mussten und zusätzliche Übungsleiterinnen und Übungsleiter benötigen. Das Problem: Alle Verantwortlichen müssen einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorweisen können. Ein enormer Aufwand für die Vereine.

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In der Connewitzer Straße herrscht Betrieb auf Sparflamme. Vorschriftsgemäß trainieren Bambinis bis U14 des 1. FC Lok Leipzig in Kleingruppen, wenn ihre Betreuer negativ getestet wurden. Dabei solle das große Gelände der Probstheidar so gut es geht ausgenutzt werden, erklärt Jürgen Schwarz. Der Geschäftsführer für den Nachwuchs möchte gemeinsam mit seinen Trainern jedem Lok-Jugendkicker Training ermöglichen.

Für die U15 bis U19 gestaltet sich das einfacher, diese werden als Nachwuchsleistungszentrum eingestuft und dürfen daher als Mannschaft auf den Platz. Für die Durchführung der Teamtrainings hat sich der Viertligist intern Hygieneregeln auferlegt, so verzichten die C-,B- und A-Jugendlichen beispielsweise komplett auf die Kabine. „Für uns ist es schön, aber mir tun die Breitensportvereine leid“, hat Schwarz auch die Amateurvereine der Messestadt im Blick.

Die neuen Regeln bedeuten auch für den Nachwuchs des Leipziger Eissport-Clubs (LEC) organisatorische, logistische und finanzielle Herausforderungen in ungekanntem Ausmaß. "Wir betreiben übelsten Aufwand ", sagt LEC-Nachwuchschef Andreas Felsch. Immerhin 150 Kinder und Jugendliche gehören zum LEC. Pro Altersklasse wird zweimal pro Woche trainierert. Die Kinder trainieren in vier Gruppen mit maximal fünf Leuten plus jeweils einem Trainer. Eishockeyspieler der U14 absolvieren Solotraining, die Kadersportler fahren mit dem Bus in die Eishalle nach Chemnitz. "Unsere Trainer werden täglich auf Corona gestestet, dafür gibt der Verein pro Tag 40 Euro aus. Das tut schon weh, aber wir ziehen das durch. Wir sind nicht gewillt, mit dem Training aufzuhören", sagt Felsch.

„Fühlt sich im Stich gelassen“

Bei den Fußballern des Leipziger SC wird gemäß den Auflagen bis zur U14 trainiert. Doch das birgt auch ein Problem für den Schleußiger Verein: Letzte Woche kickten 40 Bambinis in acht Gruppen in der Pistorisstraße, die vielen Fünfergruppen brauchen Trainerinnen und Trainer, aber ehrenamtliche Betreuer schießen nicht wie Maulwurfhügel aus dem Boden. „Wir haben viele Eltern mit rangeholt“, sagt Kleinfeldkoordinator Lars Henkel.

Tests hat der LSC besorgt und in der Kabine ausgelegt – auf eigene Faust. „Ein bisschen fühlt man sich im Stich gelassen vom Verband“, bedauerte Henkel am vergangenen Wochenende. „Es gab keine Mail oder dergleichen, du bist auf dich alleine gestellt. Es werden Tests verlangt, doch woher werden die genommen? Das kostet alles Geld.“ Dennoch ist der Jugendtrainer zuversichtlich, dass es im Sommer und darüber hinaus wieder zu einem geregelteren Trainings- und Spielbetrieb kommen wird.

Inzwischen hat die Stadt Leipzig auf die Sorgen der Vereine reagiert. Das Amt für Sport stellt den Klubs in Zusammenarbeit mit dem Stadtsportbund wöchentlich über 1.000 Tests zur Verfügung. Rund 25.000 Euro sind dafür eingeplant. Die guten Nachrichten für Vereine wie den LSC oder den LEC: Auch rückwirkend sollen die Kosten für bereits gekaufte Tests übernommen werden. Ein wichtiges Zeichen für den Breitensport in der Messestadt.

Ein Coach für mehrere Gruppen

Doch die Organisation und Koordination der Trainingseinheiten bleibt kompliziert. Bei der SG Rotation 1950 setzen die Verantwortlichen auf Farben. „Die Kids kommen zum Training, werden dann vom Übungsleiter in Fünfer-Gruppen eingeteilt. Die Gruppen sollten dabei nach Möglichkeit immer gleich zusammengesetzt sein", so Vereinschef Stephan Schmidt. „Jede Gruppe bekommt dann Leibchen: rot. grün, blau, gelb. Danach geht es an die zuvor aufgebauten Trainingsstationen."

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Nicht jede Gruppe hat einen eigenen Übungsleiter. Ein Coach kann auch mehrere Gruppen betreuen. „Im Gesetz ist das nicht explizit vorgeschrieben." Einige Trainer lassen sich nun bei ihren Arbeitsstellen an den Tagen testen, an denen sie mit den Kindern arbeiten. „Andere nutzen die kostenlose Teststation im Baumarkt gleich gegenüber dem Vereinsgelände“, führt Schmidt aus. Falls alle Stricke reißen, hat der Verein mehrere Kisten Tests gekauft.

Nur C- und D-Junioren trainieren noch

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in den angrenzenden Landkreisen ab. Die Vereine können durch die neuen Regelungen nicht mehr ihr gesamtes Training anbieten. „Das ist schwierig und sicherlich ein Grund dafür, warum viele sagen: ,Wir machen nichts‘“, sagt Jan Jungandreas, der beim NHV Concordia Delitzsch neben den Oberliga-Männern auch mehrere Nachwuchs-Mannschaften betreut.

Nur die C- und D-Junioren des NHV trainieren noch, alles andere wäre organisatorisch zu aufwändig. „Wenn wir dann wirklich offiziell mit dem Training starten, würden wir als Verein unseren Trainern eventuell auch Tests stellen. Was mich aber richtig nervt, ist, dass wir weiterhin nichts planen können. Es wäre schön, wenn wir wenigstens einen Starttermin hätten – auch für den Erwachsenenbereich“, so Jungandreas.

Eilenburgs Trybusch: „Belastet uns kaum“

Besser läuft es beim FC Eilenburg, die mit ihrem Personal weiterhin alle Kinder betreuen können. Nachwuchsleiter Mike Trybusch erklärt: „Es läuft gut und belastet uns kaum. Die Trainer akzeptieren das.“ Sie können sich ohnehin zweimal in der Woche kostenlos im Testzentrum der Stadt testen lassen. Das reiche für die Zwecke des FCE aus. Wer es zeitlich nicht einrichten kann, für den hält der Verein Tests vor.

Die schlechte Nachricht: Es gab auch schon einen positiven Test. Das Gesundheitsamt überprüfte den Fall, befand die Kontaktnachverfolgung des FCE für gut und – mindestens ebenso wichtig – stellte keine weitere Ansteckung innerhalb der betroffenen Mannschaft fest. Das Wichtigste sei freilich: „Die Kinder sind wieder da und haben Spaß bei der Sache“, so Mike Trybusch.

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Von Tilman Kortenhaus, Uwe Köster, Anton Kämpf, Johannes David, Antje Henselin-Rudolph