26. Februar 2020 / 12:38 Uhr

Geleaktes Klinsmann-Protokoll: Das sind die zentralen Thesen der Hertha-Kritik

Geleaktes Klinsmann-Protokoll: Das sind die zentralen Thesen der Hertha-Kritik

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Jürgen Klinsmann kritisiert Hertha-Präsident Werner Gegenbauer und Geschäftsführer Michael Preetz im von der Sport Bild veröffentlichten Protokoll heftig.
Jürgen Klinsmann kritisiert Hertha-Präsident Werner Gegenbauer und Geschäftsführer Michael Preetz im von der "Sport Bild" veröffentlichten Protokoll heftig. © imago images/Bernd König/Matthias Koch
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Das in der "Sport Bild" erschienene Protokoll, in dem Jürgen Klinsmann erhebliche Vorwürfe gegen die  Verantwortlichen von Hertha BSC richtet, sorgt für mächtig Wirbel. Von Kritik an der Kader-Zusammenstellung bis zur Abrechnung mit Sport-Geschäftsführer Michael Preetz - das sind die zentralen Thesen.

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Die Sport Bild hat in ihrer Mittwoch-Ausgabe ein 22 Seiten umfassendes Protokoll veröffentlicht, das für Jürgen Klinsmann in dessen Zeit als Berater von Lars Windhorst und Trainer bei Hertha BSC skizziert worden sein soll. Eine Stellungnahme der Berliner Verantwortlichen dazu gibt es bislang von Präsident Werner Gegenbauer, der in einem Brief an die Hertha-Mitglieder richtet und die Vorwürfe zurückweist. Der SPORTBUZZER hat die zentralen Thesen des Tag-für-Tag-Protokolls von Klinsmann zusammengefasst.

Vom Hoffnungsträger zum Unruhestifter: Die Chaos-Chronologie von Klinsmann bei Hertha BSC

Das Engagement von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer hat nach nur zehn Wochen ein abruptes Ende gefunden - dann kam der chaotische Abschied samt Zwist mit der Vereinsführung. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Chronologie von Klinsmanns Zeit bei Hertha - und des Trubels danach! Zur Galerie
Das Engagement von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer hat nach nur zehn Wochen ein abruptes Ende gefunden - dann kam der chaotische Abschied samt Zwist mit der Vereinsführung. Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie von Klinsmanns Zeit bei Hertha - und des Trubels danach! ©

"Klinsmann wird im Grunde ignoriert"

Fehlende Akzeptanz: Als klar war, dass Klinsmann von Investor Lars Windhorst als "Berater bzw. Bevollmächtiger" beauftragt wird, habe "der Club unter Schock" gestanden, "es gibt keinerlei Willkommenskultur. Keine Bekanntgabe des Vereins auf der Webseite oder für die Medien, dass Jürgen Klinsmann Aufsichtsratsmitglied bei Hertha BSC wird und auch keine Vollzugsmeldung, dass Lars Windhorst jetzt weitere 100 Millionen Euro zur Verfügung stellt." Diese Haltung habe sich künftig fortgesetzt.

Als Beispiel ist das erste Spiel nach der Klinsmann-Ankunft genannt. "Beim Bundesligaspiel gegen Leipzig (2:4) wird Lars Windhorst allenfalls wie ein gewöhnlicher Sponsor behandelt. Jürgen Klinsmann wird im Grunde vollkommen ignoriert. Wünsche der ARD und Sky für ein Interview werden vom Verein aus fadenscheinigen Gründen („keine Zeit“, „keine Kapazitäten“) abgelehnt. Auch der Vorschlag, Dreier-Interviews (Windhorst, Klinsmann, Gegenbauer) zu machen, wird abgelehnt."

Weiterhin soll es "keinerlei Kommunikation mit Jürgen Klinsmann und dem Klub" gegeben haben, "ob Marketingaktionen, soziale Events" geplant seien. "Keinerlei Anfragen, keine Wünsche über soziale Aktivitäten in der Vorweihnachtszeit".

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Mangelhafte Vereinsstruktur: "Man spürte, dass der Verein komplett am Boden ist. Hektisch und nervös", heißt es über die Anfangszeit der Klinsmann-Ankunft. "Der Klub hat keine Leistungskultur, nur Besitzstandsdenken und es fehlt jegliches Charisma in der Geschäftsführung" Und weiter: "Es gibt kein Trainerbüro, in dem der Cheftrainer mal alleine mal alleine mit Spielern oder anderen sprechen kann." Die gesamte Geschäftsleitung "nimmt auch auf der direkten Fahrt zu den Spielen ins Stadion Platz im Mannschaftsbus. Kein Bundesliga-Niveau."

"Jahrelange Versäumnisse von Michael Preetz"

Einfluss der Vereinsführung: Mehrfach ist scharfe Kritik an die Vereinsführung gerichtet. Vor allem die Vorwürfe gegen die Bosse, allen voran Sport-Geschäftsführer Michael Preetz, wiegen schwer. "Jahrelange katastrophale Versäumnisse von Michael Preetz" werden genannt. Konkret ist auch die Klinsmann-Zeit einbezogen: "Die Planung der Vorbereitung auf die Rückrunde, für die Michael Preetz verantwortlich ist, ist eine Katastrophe." Bei der Reise in der Winterpause sei "die sportliche Seite (...) völlig unberücksichtigt". Weiterhin habe es keine Gespräche mit Spielern, "die älter sind als 33 Jahren (Kalou, Ibisevic, Jarstein) über die Zeit nach dem letzten Vertrag usw." gegeben. Auch Marketing-Boss Paul Keuter wird angegangen. Das Mitglied der Geschäftsleitung habe "Spielern über Großplakate in der Kabine und Küche eingetrichtert, für was sie zu stehen haben bei Hertha BSC." Die Rede ist von "Selbstüberschätzungen" und sogar "Lügenkultur". Abschließende Forderung: "Die Geschäftsleitung muss sofort komplett ausgetauscht werden."

Absage von Ralf Rangnick: Klinsmann wollte den ehemaligen Leipzig-Trainer nach Berlin holen. "Rangnick teilt unmissverständlich mit, dass er das Projekt in Berlin spannend findet, in einer Konstellation mit Michael Preetz als sein Vorgesetzter jedoch niemals kommen würde."

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Völlig überraschend ist Jürgen Klinsmann als Trainer von Hertha BSC zurückgetreten. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt, wie die internationale Presse auf die Nachricht reagiert! Zur Galerie
Völlig überraschend ist Jürgen Klinsmann als Trainer von Hertha BSC zurückgetreten. Der SPORTBUZZER zeigt, wie die internationale Presse auf die Nachricht reagiert! ©

Missverständnis bei Vertrag: Die vom Verein erschwerte Arbeit von Klinsmann als Trainer ist ein zentraler Vorwurf, der aus dem Protokoll hervorgeht. Klinsmann habe beim Gespräch im Haus von Präsident Werner Gegenbauer am 26. November "ganz klar die sportliche(n) Vollmachten (sprich "carte blanche) für alle Themen rund um die Mannschaftsführung" zugesprochen bekommen. In genau dieser Kompetenz-Debatte hatte Preetz dem Ex-Bundestrainer auf der Pressekonferenz nach dessen Aus widersprochen. Klinsmann habe eine Fortsetzung für zwei weitere Jahre über den Sommer hinaus in Erwägung gezogen. Doch die Vereinsführung sei auf die Absprachen bezüglich der Kompetenzen nicht eingegangen. Erste Rücktrittsgedanken soll Klinsmann schon Ende Dezember gehabt haben, am 2. Januar hieß es seinerseits: "Wenn wir hier nicht weiterkommen, kann ich auch von hier aus nach Los Angeles fliegen anstatt nach Berlin."

"Kader völlig falsch zusammengesetzt"

Geringe Kader-Qualität: Von "katastrophalen körperlichen wie mentalen" Zuständen der Spieler ist die Rede. Außerdem: "Der Kader ist von der Altersstruktur her völlig falsch zusammengesetzt." Sogar einige Spieler wie Salomon Kalou ("zu alt"), Matthew Leckie ("satt und immer verletzt") sowie Torwart Rune Jarstein ("fraglich") werden angegangen.

Kritik an Abteilungen Medizin und Medien: "Medizinische Abteilung ohne jeglich Dynamik, zerstritten und inkompetent (...) Keinerlei Innovationen", heißt es. Auch das Medienteam, das "nur reagiert, keine Ideen hat und den Trainerstab niemals verteidigt", wird hart angegangen. Es suche - gemeinsam mit der Geschäftsleitung - "Rund-um-die-Uhr-Nähe zur Mannschaft" und reise immer im Mannschaftsbus.