14. Februar 2020 / 08:37 Uhr

Michael Rummenigge: "Klinsmann nicht mehr vermittelbar" - "Hertha-Bosse blauäugig"

Michael Rummenigge: "Klinsmann nicht mehr vermittelbar" - "Hertha-Bosse blauäugig"

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Für SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge hat sich Jürgen Klinsmann mit seinem Abgang bei Hertha BSC für künftige Aufgaben disqualifiziert.
Für SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge hat sich Jürgen Klinsmann mit seinem Abgang bei Hertha BSC für künftige Aufgaben disqualifiziert. © imago images/Laci Perenyi
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Michael Rummenigge schreibt in seiner SPORTBUZZER-Kolumne über den Abgang von Trainer Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC und die Pläne der Berliner. Dabei nennt er einen möglichen Klinsmann-Nachfolger - und wundert sich über Aussagen von Stefan Effenberg.

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Ich musste in dieser Woche häufig an den Sommer 1997 denken, an ein Bundesliga-Spiel am 10. Mai. Der FC Bayern empfing den SC Freiburg. Es war ein schmuckloses 0:0 mit nur einem echten Höhepunkt: Als Jürgen Klinsmann, der damals übrigens als einziger Spieler eine Stammplatzgarantie forderte, zehn Minuten vor dem Ende ausgewechselt wurde, trat er ein großes Loch in eine Werbetonne und schimpfte in Richtung seines Trainers Giovanni Trapattoni. Ein Abgang mit Knall. Wie er ihn jetzt auch bei Hertha BSC hinlegte.

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Mich hatte es schon überrascht, als er im vergangenen November in den Aufsichtsrat der Berliner berufen wurde. Als er dann rund drei Wochen später Ante Covic als Trainer ablöste, habe ich mich sofort gefragt: Wie lange das wohl gutgeht? Mir war klar: Wenn er irgendwann geht, hinterlässt er wieder Chaos. Dass er dann aber so schnell demissioniert, hat auch mich überrascht. Dass er seinen Entschluss bei Facebook öffentlich machte, fand ich bedenklich. Dass er den gleichen Kanal einen Tag später erneut für ein Live-Video und weitere Erklärungen nutzte, setzte dem Ganzen die Krone auf. Das ist kein guter Stil und alles nicht mehr zu begreifen.

Klinsmann wollte die Macht bei der Hertha komplett an sich reißen. Die Verantwortlichen haben wohl irgendwann befürchtet, dass er ihnen den gesamten Laden durcheinander bringt. Sie wissen nun: Wenn du Klinsmann holst, will er Alleinherrschaft. Durch seinen abrupten Abgang und die gesamte Geschichte ist Klinsmann in Deutschland - und eigentlich auch anderswo - für keinen Job im Fußball mehr vermittelbar. Er hat in Berlin Spuren hinterlassen - aber nur im negativen Sinne. Was bleibt ist "Big City Chaos".

Vom Hoffnungsträger zum Unruhestifter: Die Chaos-Chronologie von Klinsmann bei Hertha BSC

Das Engagement von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer hat nach nur zehn Wochen ein abruptes Ende gefunden - dann kam der chaotische Abschied samt Zwist mit der Vereinsführung. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Chronologie von Klinsmanns Zeit bei Hertha - und des Trubels danach! Zur Galerie
Das Engagement von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer hat nach nur zehn Wochen ein abruptes Ende gefunden - dann kam der chaotische Abschied samt Zwist mit der Vereinsführung. Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie von Klinsmanns Zeit bei Hertha - und des Trubels danach! ©

Dennoch finde ich, dass die Hertha-Verantwortlichen insgesamt gut mit der Situation umgegangen sind. Durch so ein Erlebnis kann ein Klub enger zusammenrücken. Dass Klinsmann auch dem Aufsichtsrat nicht mehr angehört, ist von Investor Lars Windhorst ein konsequenter und richtiger Schritt. Ich hoffe, dass die Berliner sich erholen und wieder nach oben kommen. Wenn ich aber ihren Plan höre, dass sie in diesem Jahr die Klasse halten, im nächsten Jahr nach Europa und danach noch höher hinaus wollen, muss ich allerdings sagen: Das ist schon sehr blauäugig - trotz der Millionen von Windhorst. So einfach funktioniert der Fußball nicht.

Hertha verhandelt offenbar mit Roger Schmidt

Mit welchem Trainer diese ehrgeizigen Ziele erreicht werden sollen, ist noch offen. Vorerst sind nun Alexander Nouri und Markus Feldhoff am Ruder. Langfristig gesehen, könnte Roger Schmidt eine Lösung sein. Wie man hört, wurde dort ja schon verhandelt. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es bei der Hertha in den kommenden Wochen und Monaten weitergeht.

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Völlig überraschend ist Jürgen Klinsmann als Trainer von Hertha BSC zurückgetreten. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt, wie die internationale Presse auf die Nachricht reagiert! Zur Galerie
Völlig überraschend ist Jürgen Klinsmann als Trainer von Hertha BSC zurückgetreten. Der SPORTBUZZER zeigt, wie die internationale Presse auf die Nachricht reagiert! ©

Zum Schluss möchte ich noch etwas zur Arbeit von Klinsmann in Berlin sagen - das ist ja bei all dem Trubel fast ein wenig untergegangen. Als er den Trainerjob übernahm, war die Hertha auf Platz 15, jetzt liegen sie auf Rang 14. Okay, sie haben nun sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, aber hat Klinsmann deshalb wirklich gute Arbeit geleistet, wie zum Beispiel Stefan Effenberg behauptet? Ich finde nicht und frage mich, was in Effenbergs Kopf vorgeht. Aber er arbeitet ja auch beim sensationellen Klub KFC Uerdingen.