24. Januar 2020 / 20:30 Uhr

Klinsmanns Rückkehr nach Wolfsburg: "Habe auch gute Erinnerungen..."

Klinsmanns Rückkehr nach Wolfsburg: "Habe auch gute Erinnerungen..."

Alexander Flohr
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zum ersten Mal seit der 1:5-Packung im April 2009 sitzt Jürgen Klinsmann am Samstag in der VW-Arena auf der Bank
Zum ersten Mal seit der 1:5-Packung im April 2009 sitzt Jürgen Klinsmann am Samstag in der VW-Arena auf der Bank © imago images/Matthias Koch
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Zum ersten Mal seit der 1:5-Niederlage im April 2009 beim VfL Wolfburg sitzt Jürgen Klinsmann in der VW-Arena auf der Bank. Mit Hertha BSC will er diesmal gute Erinnerungen schaffen. 

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Wenn Jürgen Klinsmann am Samstag (15.30 Uhr) auf der Gäste-Trainerbank in der VW-Arena Platz nimmt und auf den Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg trifft, dann werden beim Hertha-Trainer Erinnerungen hochkommen. Der Ex-Nationalspieler ist zum zweiten Mal als Gäste-Coach in Wolfsburg, beim ersten Mal gab es im April 2009 den legendären 5:1-Sieg des VfL gegen die Bayern mit Grafites Hackentor. Klinsmann mit Humor: „Ich war zwischendurch schon ein paar Mal in Wolfsburg seit dem 5:1, also habe ich auch gute Erinnerungen an Wolfsburg...“

Erinnerungen, die allerdings kaum verdrängen können, dass mit dem 1:5 vor elf Jahren eine schwere Zeit begann. Wolfsburg galoppierte nach dem Sieg gegen Klinsis Bayern Richtung Meisterschaft, der heute 55-Jährige versuchte derweil zu retten, was nicht mehr zu retten war. Er nahm nach der Pleite in der VW-Arena Michael Rensing aus dem Tor, kassierte mit Hans Jörg Butt zwischen den Pfosten die nächste Packung (0:4 in der Champions League in Barcelona) und erntete bei den Bayern-Bossen fast nur noch Kopfschütteln. Nach einem 0:1 gegen Schalke hatte Manager Uli Hoeneß dann genug. „Das beste Konzept nützt dir nichts, wenn nicht irgendwann die Ergebnisse kommen.“ Klinsmann musste gehen, zog sich wieder in die USA zurück.

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Knapp zwei Jahre später übernahm er den Posten als Nationaltrainer in den Staaten – und hatte dort wechselnden Erfolg. Immerhin: Klinsmann war – wie auch schon zuvor als Bundes- und Bayern-Trainer – großes Medienthema und präsentierte sich als ein Mann, der gern Dinge verändert. Bei den Amerikanern wollte er die komplette Spielweise ändern, sich an den europäischen Top-Nationen orientieren, um diese „dann irgendwann zu schlagen“. Dafür hatte er beispielsweise Söhne von US-Soldaten, die in europäischen Ländern die fußballerische Ausbildung durchlaufen hatten, berufen. Sie sollten die Qualität innerhalb des Kaders erhöhen. Unter anderem dabei waren dann Timothy Chandler, Jermaine Jones – sowie Fabian Johnson und Daniel Williams, die für Hoffenheim spielten, und die Klinsmann im Febuar 2012 beim 2:1-Sieg in Wolfsburg unter die Lupe nahm. Es war Klinsis erster Besuch beim VfL nach dem 1:5-Debakel drei Jahre zuvor.

Nach der Trennung vom US-Verband 2016 schien es so, als habe sich der einstige Bundestrainer und Sommermärchen-Protagonist bewusst für sein Privatleben entschieden, der lieber sein Leben im fernen Kalifornien führt und ab und an als TV-Experte in Deutschland zur Verfügung steht. So auch im März 2019, als er beim Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien als Experte vor Ort war – sein zweiter Wolfsburg-Besuch seit seinem Bayern-Aus.

Mit der RTL-Aufgabe schien er aber dann wohl doch nicht ausgelastet zu sein. Vor Monaten hatte der VfB Stuttgart bereits starkes Interesse gezeigt – und wollte Klinsmann als Vorstandschef etablieren. Mit seiner Vergangenheit bei den Schwaben hätte das vermutlich ideal ins Anforderungsprofil gepasst. Doch Klinsmann lehnte ab.

Stattdessen wurde er im November vergangenen Jahres in den Aufsichtsrat der Hertha berufen, sollte an der Seite von Investor Lars Windhorst ein Mega-Projekt in die Wege leiten: Hertha soll ein echter Metropolen-Klub mit internationaler Ausstrahlung werden. Doch statt dieses Projekt beratend zu begleiten, wurde Klinsmann nur 190 Tage nach seiner Berufung gleich in die Tagesarbeit geschickt, übernahm das Traineramt von seinem glücklosen Vorgänger Ante Covic und steht damit wieder in dem Rampenlicht, das 2009 in Wolfsburg für ihn langsam dunkler wurde.
Zwei Niederlagen, zwei Remis, zwei Siege – das ist die aktuelle Hertha-Bilanz in der Liga. Bevor die Träume vom „Big City Club“ Wirklichkeit werden können, muss der Tabellen-14. erst einmal den Abstieg verhindern. Jedes Spiel ist entscheidend, nun auch Klinsis „Rückkehr-Spiel“ in Wolfsburg.

Beim VfL hätte derweil niemand etwas dagegen, wenn Klinsmann am Samstag wieder ein paar unangenehme Wolfsburg-Erinnerungen sammelt. „Nachdem wir zuletzt nicht Spiel für Spiel vier oder fünf Dinger reingehauen haben, ist das auch diesmal nicht unbedingt zu erwarten“, so VfL-Trainer Oliver Glasner, „aber manche Dinge passieren ja genau dann, wenn man sie nicht erwartet... “

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