01. September 2017 / 22:37 Uhr

Knapper Sieg gegen Tschechien: Deutschland startet mit Mühe in WM-Saison

Knapper Sieg gegen Tschechien: Deutschland startet mit Mühe in WM-Saison

Eric Zimmer
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sieg kurz vor Schluss: Deutschland rettet gegen Tschechien seine perfekte WM-Quali-Bilanz.
Sieg kurz vor Schluss: Deutschland rettet gegen Tschechien seine perfekte WM-Quali-Bilanz. © imago
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Zitter-Auftakt in die Weltmeisterschafts-Saison: Beim WM-Qualifikationsspiel gegen Tschechien gibt Deutschland fast eine 1:0-Führung aus der Hand. Der Confed-Cup-Sieger bleibt blass, Mats Hummels köpft die DFB-Elf kurz vor Schluss zum Sieg.

Sauber! Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat ihre weiße Weste behalten, gewann ihr siebtes Spiel in der Qualifikation zur WM 2018 in Russland. 21 Punkte nach dem 2:1 in Tschechien. Mehr geht nicht. Vor dem Spiel hatte Bundestrainer Joachim Löw eine (Luxus-)Sorge geäußert: „Wir müssen gucken, dass wir uns finden.“ Warum? Weil sich Confed-Cup-Helden und Altgediente in einer Partie mischten. Zumindest einmal klappte das – ansonsten lag Löw richtig, als er vermutet hatte, dass sein Team „nicht eingespielt“ sei. Löws Analyse: „Mit der Art und Weise wie wir gespielt haben, können wir nicht zufrieden sein. Wir hatten Glück.“

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Mit Mats Hummels, Toni Kroos, Mesut Özil und Thomas Müller (als Kapitän) standen vier Weltmeister wieder in der Startelf – und die war, wie angekündigt, offensiv ausgerichtet. Im Sturm: Leipzigs Timo Werner, der damit weiter an der Verwirklichung seines Traumes arbeiten durfte: Er will zur WM 2018 in Russland. Werner drin – Mario Gomez auf der Bank. Und von dort aus sah der Wolfsburger, wie Löws neue Mischung einen Frühstart bescherte: Weltmeister Özil auf Confed-Cup-Sieger Werner – 1:0 Deutschland in der vierten Spielminute.

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Fans stören Schweigeminute vor Spielbeginn

Werner erweiterte seine WM-Bewerbung. Und direkt danach waren aus dem Block der deutschen Fans Schmährufe auf den RB-Star zu hören. Nach Anpfiff hatten die Fans, wie zuletzt auch in den Bundesligastadien, gegen den DFB gewettert. „Scheiß DFB“ hallte es durch die Arena in Prag. „Sieg Heil“-Rufe waren zu hören. Ob die Mannschaft deswegen nach Abpfiff nicht mehr – wie eigentlich üblich – zu den eigenen Fans ging? Hummels deutlich: „Das sind keine Fans, das sind Krawallmacher. Deswegen sind wir nicht hingegangen.“ Und Julian Brandt sagte: „Wenn Gesänge mit nationalsozialistischem Hintergrund kommen, gibt es keinen Grund, das noch zu unterstützen und in Kurve zu gehen.“

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Zurück auf den Platz. Auch neu als Frucht des Confed Cups: Löw probierte eine Doppelspitze, hinter Werner durfte Lars Stindl ran. Aber auffällig wurde er zunächst hinten, musste der Abwehr um seinen Gladbach-Kollegen Matthias Ginter (erstmals seit 31 Jahren standen zwei Borussen in der DFB-Startelf) helfen. Jan Kopic hatte den Ausgleich auf dem Fuß, Stindl blockte (12. Spielminute). Vier Minuten später musste Torwart Marc-André ter Stegen retten, fischte einen Schuss von Tomas Soucek raus. Es war der Beginn der Phase, ab der Löws Vermutung eintrat und sich seine Mischung nicht fand. Was Löws Mannschaft zuvor oft erfolgreich umsetzen konnte, egal ob mit Alteingesessenen oder mit jungen Wilden, klappte am Freitag in Prag nicht wirklich. Folgerichtig glich Herthas Vladimir Darida (78.) aus.

„Wir haben zu viele Fehler gemacht. Wir mussten viel nach hinten laufen und haben uns das Leben selbst schwer gemacht. In der ersten Halbzeit hätten wir ein Tor mehr machen müssen“, analysierte Kapitän Müller.

Deutschland in der Einzelkritik: Die Noten gegen Tschechien

Die deutsche Mannschaft in der Einzelkritik: Heiko Ostendorp hat das DFB-Team gegen Tschechien benotet. Klickt Euch durch! Zur Galerie
Die deutsche Mannschaft in der Einzelkritik: Heiko Ostendorp hat das DFB-Team gegen Tschechien benotet. Klickt Euch durch! ©

Ein alter Hase sorgt für die Entscheidung

Bis Sommer hat der Bundestrainer Zeit, sein Puzzle zu vollenden. „Wir haben den Confed-Cup und die U21-EM gewonnen – aber wir sind nicht die einzigen mit guten Spielern“, sagte Löw. Am Freitag musste ein alter Hase die Entscheidung herbeiführen: Hummels mit einem Last-minute-Siegtreffer in der 88. Minute.

Deutschland gewinnt in Tschechien – und beweist, dass es ein Spezialist in der WM-Qualifikation ist: Von 91 Partien in diesem Wettbewerb gewannen die DFB-Teams 71. Dazu gab es 18 Unentschieden und nur zwei (Heim-)Niederlagen. Heißt auch: Weltrekord – weil seit 46 Spielen auswärts in der WM-Quali unbesiegt!

Schon am Montag (20.45 Uhr, RTL) können die Deutschen gegen Norwegen die vorzeitige Qualifikation für die WM 2018 eintüten. In anderer Formation? „Ich denke schon, dass es in Stuttgart Änderungen geben wird“, sagte Löw.