15. Februar 2021 / 08:21 Uhr

Knast in Ägypten, Anfeindungen in Jena: Leipziger Trainer-Idol Frank Engel wird 70

Knast in Ägypten, Anfeindungen in Jena: Leipziger Trainer-Idol Frank Engel wird 70

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Frank Engel arbeitete viele Jahre für den DFB.
Frank Engel arbeitete viele Jahre für den DFB. © Getty Images
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Der Leipziger Frank Engel feiert am 15. Februar seinen 70. Geburtstag. Er war vielen Fußballfans durch seine Trainertätigkeit in der DDR, in Ägypten und Südkorea, in Leutzsch, Erfurt, Jena oder An der alten Försterei bekannt geworden. Er assistierte Jörg Berger in der Bundesliga und stand unter anderem mit Alemannia Aachen im großen DFB-Pokal-Finale in Berlin. Ein wahrhaft bewegtes Leben.

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Leipzig. So stellt man sich einen Schwiegermuttertyp vor: strahlend, jungenhaft, gut aussehend. Bei Frank Engel, der an diesem Montag 70 Jahre alt wird, haben sich diese Attribute erhalten. Doch der Leipziger, seit über 50 Jahren Fußballtrainer, kann auch anders. In der Ansprache an seine Kicker, aber auch mit deutlicher Meinungsäußerung zu Missständen.

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Als Engel mit Werner was verzapfte

Zunächst: Die Feier fällt aus. Wo sich Fußballprominenz aus Nah und Fern getummelt hätte, muss jetzt ein Gläschen Sekt an der Feuerschale reichen. „Vielleicht können wir das im Sommer nachholen, wenn meine Frau Geburtstag hat“, hofft der Jubilar. Auf alle Fälle wird das Telefon glühen am Ehrentag. Denn Generationen von Kickern durchliefen die Engelsche Schule: Zunächst die Mini-Kicker bei der BSG Chemie, dann die besten DDR-Nachwuchsfußballer. Zuerst die Andreßen, Illge oder Zötzsche, dann die Marschall, Thom, Doll, Lindner und Kirsten.

DURCHKLICKEN: Bilder aus der Karriere von Frank Engel

Juli 1993: Frank Engel (Deutschland, li.) und Giovanni Trapattoni (Italien) anlässlich der WM-Neuauflage von 1974 zwischen BRD und DDR in Steinach. Zur Galerie
Juli 1993: Frank Engel (Deutschland, li.) und Giovanni Trapattoni (Italien) anlässlich der WM-Neuauflage von 1974 zwischen BRD und DDR in Steinach. ©

Ein Intermezzo in die Beletage des DDR-Fußballs folgte, als er ein Drittel des unglücklichen Triumvirates mit Heinz Werner und Manfred Zapf Trainertrio der DDR-Nationalelf war. Die erste Vereinsstation war Chemie Böhlen, dann war er Vereinstrainer in Südkorea, 1990 übernahm er den FC Sachsen. Es folgte ein munteres Auf und Ab durch die ostdeutschen Vereine. Engel erlebte unvorstellbare Dinge. Bei seiner Station Markkleeberg half er Manager Karl Bühler im US-Trainingslager mit Geld aus, das er nie wiedersah.

Im Pokalfinale mit Aachen und Bergner

In Erfurt erlebte er die peinlichste Situation seiner Karriere, als er dem Team vorgestellt wurde und sein Vorgänger Jürgen Raab noch gar nicht entlassen war. In Jena hielt er die 2. Liga, wurde aber permanent angefeindet, weil er vorher bei Erzfeind Erfurt war. Dann rief Schalke an. Engel sagte ab, weil er schon bei Union Berlin im Wort stand. Die Köpenicker trauerten ihrem Ex Frank Pagelsdorf nach und feuerten Engel trotz seiner Erfolge. Zwischendurch eine Station in Ägypten, wo er im Knast landete, als er auf sein ihm zustehendes Gehalt bestand.


Schließlich endlich die Bundesliga – als Co-Trainer des 2010 verstorbenen Jörg Berger in Frankfurt und Rostock. Mit Alemannia Aachen zogen beide ins DFB-Pokalfinale ein, hatten drei schöne Jahre dort.

Später folgte der Wechsel zum DFB, wo der Meusdorfer bei diversen U-Mannschaften als Coach arbeitete. Kruse, Özil, Petersen, Jerome Boateng, Höwedes, Kimmich, Werner, Süle und Brandt hörten auf sein Wort. Später überredete Matthias Sammer ihn, als Sportlicher Leiter der Nachwuchsförderung die Verantwortung für die Eliteschulen des Sports und der Leistungszentren zu übernehmen.

Weitere „historische“ Personen mit Leutzscher Vergangenheit

Seit 2016 ist Frank Engel Rentner, widmet sich Haus, Garten und Familie, fährt Rennrad, liebt Rotwein, geht so oft es geht ins Stadion zu seinem Heimatverein Chemie. Zuletzt schrieb er ein Buch über sein Leben und gibt dort jede Menge Anekdoten und Erlebnisse preis.

Gefahren für den deutschen Fußball

Und er hat natürlich eine Meinung zu den aktuellen Diskussionen rund um den deutschen Fußball, der gegenwärtig für seine Nachwuchsarbeit in der Kritik steht: „Unterhalb der U15, wo die Basics ausgebildet werden, haben wir Nachteile im Wettbewerb, weil zu sehr auf den mannschaftlichen Erfolg statt auf die individuelle Ausbildung geachtet wird.“

Zudem mahnt Engel die höchst unterschiedliche Entlohnung der Nachwuchstrainer an: „Da gibt es eine Flucht zu den älteren Jahrgängen, weil dort wesentlich mehr verdient wird. Das muss man dringend ändern, denn es braucht aus meiner Sicht echte Altersklassen-Spezialisten“. Der Fakt, dass Spitze und Basis sich immer weiter entfernen, bedrohe langfristig den Erfolg des deutschen Fußballs.