07. April 2022 / 17:35 Uhr

"Knick in der Konzentrationskurve": Will wird trotz Hufeisen-Verlust zum Auftakt Vierter

"Knick in der Konzentrationskurve": Will wird trotz Hufeisen-Verlust zum Auftakt Vierter

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
David Will auf C Vier (4. Platz).
David Will wurde mit C Vier Vierter. © Christian Modla
Anzeige

Obwohl sein Pferd vor dem Start ein Hufeisen verliert, wird Springreiter David Will beim Weltcup-Auftakt in Leipzig Vierter. Auch andere deutsche plazierten sich gut.

Leipzig. Der Weg zum Weltcup-Triumph ist kein Sprint. Er gleicht eher einem Marathon. Drei Prüfungen beziehungsweise vier Umläufe müssen die 35 Springreiterinnen und Springreiter aus 18 Nationen mit ihren Pferden in höchster Qualität absolvieren, ehe am Sonntag gegen 17 Uhr in Leipzig der Gesamtsieger feststeht. Zum Auftakt am Donnerstag waren aber auch Sprintfähigkeiten gefragt, denn der erste Spitzenreiter wurde in einem Zeitspringen ermittelt.

Anzeige

Stolz aufs Tier

Drei junge deutsche Reiter machten ihre Sache hervorragend. Mit den Plätzen vier (David Will/34), sechs (Weltcup-Nachrücker Gerrit Nieberg/28) und zehn (Philipp Schulze Tophoff/23) sicherten sich die Weltcupfinal-Neulinge eine gute Ausgangsposition. Das Trio platzierte sich vor Marcus Ehning (47), der bereits sein 19. Weltcup-Finale bestreitet. Bester Deutscher war indes ein Österreicher. Der gebürtige Münchner Max Kühner startet seit sieben Jahren für die Alpenrepublik. Der 48-Jährige blieb auf seinem Wallach Electric Blue fehlerfrei und lag bis kurz vor Schluss in Führung, ehe er vom Schweizer Martin Fuchs (29) mit Chaplin noch auf Rang zwei verdrängt wurde.

DURCHSCROLLEN: Eindrücke vom ersten Tag des Weltcups

Sieger Martin Fuchs auf Chaplin. Zur Galerie
Sieger Martin Fuchs auf Chaplin. ©

Besonders happy war David Will über seinen vierten Platz. Denn der Mann vom Chiemsee, der mittlerweile in Marburg lebt, musste gemeinsam mit seinem 14 Jahre alten Wallach C Vier eine Schrecksekunde überstehen. Auf dem Abreiteplatz verlor sein Pferd wenige Minuten vor dem Start ein Hufeisen. „Das war natürlich eine Ablenkung und ein Knick in der Konzentrationskurve. Mein Pferd musste eine Weile rumstehen, weil an ihm rumgedoktert wurde. Umso stolzer bin ich auf C Vier, dass er den Fokus nicht verloren hat.“ Das Duo rutschte nach dem Missgeschick in der Startfolge vier Plätze nach hinten und konnte in einer ohnehin geplanten kurzen Pause wieder Konzentration sammeln. Die Starterfolge hatten beim Empfang der Stadt Leipzig in der Alten Börse Ruder-Olympiasiegerin Annekatrin Thiele und RB-Fußballprofi Yussuf Poulsen ausgelost.

David Will hat zwar EM-Erfahrung, ist aber einem großen Publikum ebenso wie Philipp Schulze Tophoff noch nicht bekannt. Der 23-Jährige aus dem Münsterland gewann gestern eine Stunde vor seinem ersten Weltcupfinal-Ritt ein Drei-Sterne-Springen und tankte Selbstvertrauen. Bis auf einen Abwurf überzeugte im Weltcup-Zeitspringen auch Gerrit Nieberg, dessen Vater Lars zwischen 1995 und 2005 bei Weltcup-Finals dreimal auf dem Treppchen gelandet war.

Anzeige

„Boyd will gewinnen und hat mehr Druck als ich“

„Das ist eine junge Reiter-Generation, von der wir in Zukunft noch viel hören werden“, sagt Stephan Ellenbruch. Der Essener ist Vorsitzender des Springausschusses des Weltverbandes. Der 59-Jährige betont: „Der Weltcup ist ein hervorragendes Sprungbrett für Talente. Aber keiner ist zufällig hier dabei, alle verkörpern bereits Weltklasse-Niveau.“ Die junge Generation trifft zum Beispiel auf den 66 Jahre alten Briten John Whitaker, der schon 1979 sein erstes Weltcup-Finale bestritt und diesmal mit Platz 19 startete.

Am Freitag freuen sich die vielen Fans des Vierspänner-Fahrens auf ein Weltklasse-Feld, das erstmals bei einem Finale von einer Frau herausgefordert wird. Mareike Harm startet mit einer kompletten Damen-Crew. In Stockholm konnte sie den Top-Favoriten Boyd Excell (Australien) schon einmal bezwingen. „Boyd will gewinnen und hat mehr Druck als ich“, sagt die 37-Jährige.

[Anzeige] Alle Spiele der Fußball WM live und exklusiv in der Konferenz bei MagentaTV. Mit dem Tarif MagentaTV Flex für nur 10€ pro Monat, monatlich kündbar.