02. Juni 2020 / 02:04 Uhr

Knoches Abschied ist ein Verlust der besonderen Art - und der VfL sucht (noch) keinen Ersatz

Knoches Abschied ist ein Verlust der besonderen Art - und der VfL sucht (noch) keinen Ersatz

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Keine Einigung: Robin Knoche und Jörg Schmadtke.
Keine Einigung: Robin Knoche und Jörg Schmadtke.
Anzeige

Robin Knoche wird in der kommenden Saison für einen anderen Verein spielen, seinen Vertrag beim VfL Wolfsburg verlängert er nicht. Ersatz für den Verteidiger braucht sein Noch-Klub nach aktuellem Stand nicht.

Anzeige
Anzeige

Es hatte sich in der vergangenen Woche bereits angedeutet, am Tag nach dem 1:2 gegen Frankfurt bestätigte es VfL-Manager Jörg Schmadtke: Robin Knoche wird den Wolfsburger Fußball-Bundesligisten nach 15 Jahren verlassen. Der Verteidiger, der seit der C-Jugend für den VfL spielt, konnte sich mit dem Verein nicht auf eine Verlängerung des Vertrages einigen.

Wo es Knoche hinzieht, ist offen. Dass es Interesse aus Frankfurt, Italien oder der Türkei geben soll, kam bisher über den Gerüchte-Status nicht hinaus. Aber wohin es auch geht, es wird kein Vereinswechsel von der Art, wie er im schnelllebigen Profi-Geschäft hundertfach vorkommt. Denn unabhängig von seinem sportlichen Wert ist der Abwehrspieler eine besondere VfL-Figur.

Die Karriere von Robin Knoche in Bildern

Der gebürtige Braunschweiger Robin Knoche kam bereits im jungen jahren zum VfL Wolfsburg. Mit gerade einmal 13 Jahren wechselte das Defensivtalent nach Wolfsburg, durchlief seitdem die Jugendmannschaften des Klubs und holte mit den A-Junioren den Meistertitel. Zur Galerie
Der gebürtige Braunschweiger Robin Knoche kam bereits im jungen jahren zum VfL Wolfsburg. Mit gerade einmal 13 Jahren wechselte das Defensivtalent nach Wolfsburg, durchlief seitdem die Jugendmannschaften des Klubs und holte mit den A-Junioren den Meistertitel. ©

Knoche kam als 13-Jähriger zum VfL, ließ Altersklasse für Altersklasse Mitspieler hinter sich, deren Talent größer eingeschätzt wurde. 2011 schließlich machte ihn Felix Magath zum Bundesliga-Kicker. Dass er beim 1:4 in Mönchengladbach für Meister-Kapitän Josué eingewechselt wurde, zeigt, wie lange das schon her sein muss.

In den Jahren danach galt er oft als erste Alternative, aber selten als erste Wahl. Als er 2015 mit Naldo, Dante und Timm Klose gleich drei Konkurrenten vor sich hatte, dachte er ernsthaft an Abschied, als Schalke vor zwei Jahren anklopfte, tat er es erneut. Aber er blieb und biss sich durch. Der schnellste war Knoche nie, der eleganteste war er auch nicht, dafür wusste er, was er konnte und setzte seine Qualitäten ein: Stellungsspiel, Kopfball, Torgefahr bei Standards (etwa beim Relegationsspiel in Kiel) und immer auch mal Pässe aus der Kategorie „Wo hat er den denn jetzt hergeholt?“.

Die meisten Bundesliga-Spiele für den VfL Wolfsburg

Die VfL-Dauerbrenner in der Bundesliga Zur Galerie
Die VfL-Dauerbrenner in der Bundesliga ©

So kam er immer wieder auf seine Einsätze, hatte immer wieder auch Stammspieler-Status. 181 Mal lief er in der Bundesliga auf, nur drei Spieler in der Wolfsburger Geschichte haben mehr Einsätze. Dass er als gebürtiger Braunschweiger (spielte bei Germania Lamme und Olympia) ein Junge der Region ist, war immer ein Faktor – auch bei den Verhandlungen. „Wir sind ihm total dankbar für das, was er für diesen Klub geleistet hat“, so Schmadtke. „Es war eine schwierige Entscheidung.“

Der aktuelle Knoche-Vertrag, vor dreieinhalb Jahren vom erfahrenen Berater Volker Struth (zählt unter anderem Toni Kroos und Marco Reus zu seinen Kunden) mit dem damaligen VfL-Sportdirektor Olaf Rebbe ausgehandelt, war aus Sicht der aktuell Verantwortlichen im VW-Klubs zu gut dotiert. Also gab es vor einem halben Jahr ein mündlich übermitteltes Verlängerungs-Angebot zu deutlich verringerten Bezügen. Lange passierte nichts, erst in den letzten Wochen traten Struth und Schmadtke dann in einen Dialog – um schließlich festzustellen, dass eine Einigung unmöglich ist.

Gerade weil Knoche als Spieler aus der eigenen Jugend auch eine Identifikationsfigur ist, hätte sich der Manager einen anderen Ausgang der Verhandlungen gewünscht. Doch durch die finanziellen Rahmenbedingungen „sind uns da auch ein stückweit die Hände gebunden“. Und so verliert der VfL den neben Maximilian Arnold einzigen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, der sich dauerhaft im Wolfsburger Bundesliga-Kader des VfL etablierte. Ein Verlust, der nicht nur nach sportlichen Maßstäben beurteilt werden kann.

Als der SPORTBUZZER am Sonntag meldete, dass Robin Knoche den VfL verlassen wird, war das Echo in den sozialen Medien ungewöhnlich groß. Die meisten User, in der Mehrheit VfL-Fans, bedauerten den Abschied, viele warfen dem Verein vor, sich nicht ausreichend um den Verbleib des Eigengewächses bemüht zu haben. Knoche schweigt noch dazu, sein Berater Volker Struth deutete an, dass er sich möglicherweise in den nächsten Tagen äußern wird.

Für Knoche könnte der Abschied vom VfL eine sportlich positive Entwicklung bedeuten, denn unter Trainer Oliver Glasner war er zuletzt nicht erste Wahl. Der Coach setzte auf die Innenverteidiger Marin Pongracic und John Anthony Brooks. Knoche hatte mehrmals betont, dass er auf dem Platz eine wichtige Rolle einnehmen möchte. In dieser Saison absolvierte Knoche 17 der 29 Bundesliga-Spiele, gehörte vor der Corona-Pause zur Stammelf. Seit dem Re-Start wurde er von Winterpausen-Neuzugang Pongracic verdrängt, saß auch beim 1:2 am Samstag gegen Frankfurt nur auf der Bank.

Nach aktuellem Stand plant der VfL nicht, Ersatz für Knoche zu holen – denn er hat fünf Innenverteidiger für die kommende Saison unter Vertrag.  Neben Pongracic und Brooks sind das Marcel Tisserand sowie die ausgeliehenen Felix Uduokhai (Augsburg) und Jeffrey Bruma (Mainz). Vor allem bei Brooks und Bruma wäre der VfL allerdings verhandlungsbereit, wenn Interessenten kämen.

Mehr zum VfL Wolfsburg

Generell gilt aber: Der Markt ist wegen der Corona-Krise schwer einzuschätzen. Dass Knoche der einzige Stammspieler mit auslaufendem Vertrag ist, sieht Manager Jörg Schmadtke als Vorteil: „Es gibt deutlich schlechtere Ausgangspositionen. Wenn wir fünf oder sechs Stammspieler ersetzen müssten, wäre es schwierig. Die Frage ist, wie lange die wirtschaftliche Unwucht anhält. Wenn wir die nächste Saison auch ohne Zuschauer spielen, hätte das Auswirkungen auf die übernächste Saison. Im Moment passiert wenig – vielleicht ist aber auch nur vieles auf August verschoben, wenn alle ihren Kassensturz gemacht haben.“