01. Dezember 2020 / 15:22 Uhr

Schluss mit Zuckerbrot? Kocak schützt die 96-Spieler, muss aber beim HSV durchgreifen

Schluss mit Zuckerbrot? Kocak schützt die 96-Spieler, muss aber beim HSV durchgreifen

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Würde eine Pause gut tun: Hannover 96-Stürmer Marvin Ducksch.
Würde eine Pause gut tun: Hannover 96-Stürmer Marvin Ducksch. © Swen Pförtner/dpa
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Ein Punkt aus den vergangenen vier Spielen: Kocak tut sich schwer mit dem Wort „Krise“, weil er trotz des 0:3 gegen Kiel intern den Aufwärtstrend erkennen möchte. Um am Samstag in Hamburg zu bestehen, muss sich bei Hannover vieles ändern – eine Analyse von SPORTBUZZER-Redakteur Dirk Tietenberg.

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Krise. „Oder Sonstiges, wie immer man das nennen will“, erklärte Kenan Kocak gestern. Ein Punkt aus den vergangenen vier Spielen. Wie soll man das nennen? Der Kollege vom nächsten Gegner Hamburger SV tut sich leichter, ein bisschen. „Man kann vielleicht von einer Minikrise reden“, sagte Daniel Thioune nach dem 2:3 in Heidenheim. Der HSV steht gerade dort, wo 96 gern landen würde, auf Aufstiegskurs, mit zwei Punkten aus den vergangenen vier Spielen.

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Etwas muss sich bei Hannover tun

Kocak tut sich deshalb so schwer, weil er trotz eines 0:3 gegen Kiel intern den Aufwärtstrend erkennen möchte. „Abgesehen vom Ergebnis: Ich bin stolz, Trainer dieser Mannschaft zu sein“, sagte er. Nach der Blamage in Würzburg (1:2) gab Kocak die Peitsche („96-unwürdig“), diesmal versucht er es mit Zuckerbrot. Kocak schützt seine Spieler, weil er sie braucht, weil er sonst keine hat. Um am Samstag in Hamburg zu bestehen, muss dennoch vieles anders werden. Eine Analyse.

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Mehr Tore

Marvin Ducksch steckt in einer Trefferkrise. Die Entscheidung, ihn nach der Halbzeit gegen Kiel auf dem Feld zu lassen, erwies sich als menschlich korrekt, aber sportlich falsch. Eine Pause könnte ihm guttun. Neben Ducksch hätte außerdem Genki Haraguchi eine Pause nötig. Der Japaner wirkt überspielt und gerade nicht in der Lage, 96 nach Rückschlägen spielerisch aufzurichten.

Mehr Chancen

Die Mannschaft verlässt sich zu sehr auf die Torchancenmaschine Ducksch, die aber zu wenig Treffer produziert. Patrick Twumasi verdient einen neuen Anlauf. Er hätte die beiden Chancen gegen Kiel wohl genutzt. In Würzburg konnte er den Trainer „nicht zufriedenstellen mit seiner Performance, im Matchplan gegen Kiel war für ihn kein Platz“, erklärte Kocak. In Hamburg gilt ein neuer Plan. Mit Twumasi als zweiter Spitze ne­ben Hendrik Weydandt? Apropos Weydandt: Er gehört als Sturmspitze in den Strafraum, die Drecksarbeit im Mittelfeld sollten andere erledigen. Je näher auch Twumasi ans Tor des wankenden HSV-Torwarts Sven Ulreich kommt, desto besser für 96.

Mehr Anführer

Kapitän Dominik Kaiser ist kein Lautsprecher. Marcel Franke müsste das Wort führen. In der Kabine ist er sowieso einer der Chefs. Vor Kurzem galt er noch als Abwehrsorgenkind, Kocak baute ihn auf. Mit einer Leistung wie gegen Kiel kann 96 auf ihn setzen.

Mehr Standardtore

Philipp Ochs und Kaiser zu zweit bei einer Ecke – endlich Anzeichen einer Variante gegen Kiel. Gegen Hamburg werden Ecken und Freistöße wichtig. Womit Twumasi ins Spiel kommt. Nach seinem Freistoß in Würzburg erzielte 96 das bisher einzige Standardtor der Saison.

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15. November 2019: Einen Tag nach der offiziellen Bestätigung, dass Kenan Kocak der Nachfolger von Mirko Slomka ist, stellte der damalige 96-Manager Jan Schlaudraff den neuen Mann an der Seitenlinie vor. ©

Mehr Frische

Kocak sah beim Stand von 0:3 die Zeit gekommen für frische Offensivkräfte. Simon Stehle (19) „hat super trainiert, er kratzt auch“, sagte der Trainer, „Valmir Sulejmani sowieso“. Ebenfalls als Trainingsweltmeister gilt Florent Muslija, den Linton Maina kürzlich als den besten Fußballer im 96-Kader anpries. Das gehe in der Bewertung unter, sagte Maina. Es wäre die fünfte oder sechste Chance, die Kocak dem Techniker geben würde. Auch dies ist Trainer-Aufgabe: Muslija zum nützlichen 96-Mitarbeiter zu machen, und zwar nicht nur im Training.