28. Oktober 2021 / 15:36 Uhr

Kohfeldt: Darum kam das Wolfsburg-Angebot zum genau richtigen Zeitpunkt

Kohfeldt: Darum kam das Wolfsburg-Angebot zum genau richtigen Zeitpunkt

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Erste Pressekonferenz als neuer VfL-Trainer: Florian Kohfeldt.
Erste Pressekonferenz als neuer VfL-Trainer: Florian Kohfeldt. © (c) Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Erst das erste Training, dann die erste Pressekonferenz: Florian Kohfeldt hat am Donnerstag seinen Job als neuer Trainer des VfL Wolfsburg angetreten. Vor dem Auswärtsspiel am Samstag bei Bayer Leverkusen sagt er: "Diese VfL-Mannschaft hat ihren Kern in der Dynamik des Spiels."

Florian Kohfeldt ist davon überzeugt, bei Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg ein intaktes Team vorzufinden. Auf der ersten Pressekonferenz als neuer Trainer der Niedersachsen sagte er: "Wir haben eine Mannschaft, die zusammenhält." Zuvor hatte der Ex-Bremen-Coach das erste Mal beim VfL auf dem Trainingsplatz gestanden - nachdem er am Tag zuvor viele Einzelgespräche geführt hatte. So viele, dass er "Wolfsburg bei Tageslicht noch nicht so richtig gesehen hat..."

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Zumal es auch bei Dunkelheit für ihn los gegangen war: Am späten Sonntagabend war er aus seinem Urlaubsort auf Fuerteventura angereist, um dann "zu sehr später Stunde" (VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer) zu der Gewissheit zu kommen, dass es passen wird mit ihm und dem VfL. Alle Gespräche, auch die folgenden mit den Spielern seien "von bemerkenswerter Offenheit gekennzeichnet gewesen" und dauerten größtenteils länger als geplant. Kohfeldts wesentliche Erkenntnis daraus deckte sich mit dem Eindruck, den er schon zuvor hatte: "Diese Mannschaft hat ihren Kern in der Dynamik des Spiels". Aber: "Man kann das sagen, das ist das eine. Aber man muss es auch tun."

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Diese Dynamik, gerade gegen den Ball, sei "in den letzten Wochen etwas weniger geworden". Eine feine Umschreibung, für die sichtbaren Mängel des Wolfsburger Spiels, die schließlich zur Trennung von Trainer Mark van Bommel geführt hatten. Kohfeldt soll nun vor allem die Balance wieder hinbekommen, die unter seinem Vorgänger verloren gegangen war, weil - vereinfacht gesagt - das Spiel nach vorn noch nicht und das Spiel nach hinten nicht mehr funktionierte.

Ende der vergangenen Saison war für Kohfeldt nach 20 Jahren als Torwart und Trainer verschiedener Teams bei Werder Bremen Schluss gewesen. Und es brauchte seine Zeit, bis er bereit war für neue Aufgaben. "Bis Ende Juli habe ich Urlaub gemacht und dann bewusst versucht zu reflektieren." Dazu hätten auch Gespräche mit seinen Ex-Spielern gehört - "mit welchen, die mich gut fanden und auch mit welchen, die mich nicht so gut fanden". Zu den Erkenntnissen habe gehört, dass er vielleicht "etwas ruhiger" an der Seitenlinie werden müsse, ohne damit seine Emotionalität aufzugeben. "Anfang Oktober hatte ich dann das Gefühl: Ich bin wieder bereit."

Die offene Stelle beim VfL kam also zum richtigen Zeitpunkt. "Aber der Gedanke", so gab er zu, "dass man darauf angewiesen ist, dass ein Kollege seinen Job verliert", sei "sehr unangenehm gewesen". Umso schöner, dass ihm dann aber das Wolfsburger Angebot extrem passend erschien - weil die Idee, aus einer stabilen Defensivordnung heraus auch attraktives Offensivspiel anzubieten, auch "ein Kernelement meiner Philosophie ist". Dass sich zudem auch die aus Bremen gewohnten Farben Grün und Weiß ebenso in Wolfsburg wiederfinden wie das große "W", störe auch nicht. Kohfeldt schmunzelnd: "Da muss ich mich im Spiel nicht umgewöhnen."

Wichtig: Kohfeldt kam bei seiner Premieren-Pressekonferenz authentisch und offen rüber - auch wenn er Fragen wie die nach seiner noch urlaubenden Familie oder der Bayern-Pleite im Pokal charmant abblockte.


Kohfeldt, dessen Vertrag bis 2023 läuft, soll nun dabei mithelfen, die Negativserie (acht Spiele ohne Sieg, vier Liga-Niederlagen in Folge) zu beenden. „Wir glauben, dass er die Dinge, die wir in unserem Kader sehen, wieder wecken kann“, nannte Manager Jörg Schmadtke einen Grund, warum die Wahl am Ende auf Kohfeldt fiel. Der Manager geht ins Detail. „Es wird teilweise geschrieben, dass wir eine neue Spielidee entwickeln wollen. Das war nie die Idee, die wir hatten, das haben wir auch nie so gesagt“, sagt Schmadtke und fügt hinzu: „Wir haben immer gesagt, dass wir weiterhin gut stehen wollen, schnell Bälle erobern und schnell nach vorn spielen wollen. So wie in der vergangenen Saison. Diese Idee wollten und wollen wir weiterhin verfolgen.“

Das erste Kohfeldt-Training beim VfL Wolfsburg - Die Bilder

Erstes Training beim VfL mit Florian Kohfeldt Zur Galerie
Erstes Training beim VfL mit Florian Kohfeldt ©

Erster Gegner für Kohfeldts VfL ist Bayer Leverkusen. Die Werkself kassierte am Mittwoch eine bittere 1:2-Pokalpleite daheim gegen Zweitligist Karlsruher SC. „Die Enttäuschung ist sehr groß. Das ist nur schwer zu verarbeiten“, sagte Verteidiger Jonathan Tah nach dem Aus, Trainer Gerardo Seoane kritisierte vor allem die mangelnde Entschlossenheit seines Teams, das in der Liga in dieser Saison durchaus für Spektakel stand: 37 Treffer fielen in den Bundesliga-Partie mit Bayer-Beteiligung (Torverhältnis 23:14), nur in den Spielen der Dortmunder Borussia (25:15) waren es mehr. Kohfeldt: "Leverkusens Mannschaft ist sehr stark und gefestigt, darum glaube ich nicht, dass das Pokal-Ausscheiden am Samstag eine große Rolle spielen wird." Seine eigene Marschroute sei klar: "Wir werden eine Menge Mut brauchen, den Schalter umzulegen. Aber wir sind bereit dazu, weil wir wissen, dass wir uns gegenseitig absichern können."

Fehlen werden in der BayArena die zuletzt angeschlagenen Jerome Roussillon, Luca Waldschmidt und Admir Mehmedi, auch Wout Weghorst (Corona-Quarantäne endet am Sonntag) ist noch nicht wieder dabei.