12. November 2021 / 09:32 Uhr

Kommentar zum Abschied des Ex-Bundestrainers: Der Abgang von Joachim Löw war ein Armutszeugnis

Kommentar zum Abschied des Ex-Bundestrainers: Der Abgang von Joachim Löw war ein Armutszeugnis

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DFB-Interimspräsident Peter Peters (links) überreicht Joachim Löw ein Geschenk. RND-Sportchef Heiko Ostendorp kritisiert den Verband scharf für die Abschiedszeremonie des Ex-Bundestrainers.
DFB-Interimspräsident Peter Peters (links) überreicht Joachim Löw ein Geschenk. RND-Sportchef Heiko Ostendorp kritisiert den Verband scharf für die Abschiedszeremonie des Ex-Bundestrainers. © Getty Images (Montage)
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Mit einem kurzen Fest ist Joachim Löw vom Deutschen Fußball-Bund als Bundestrainer verabschiedet worden. Für RND-Sportchef Heiko Ostendorp war der Abgang des Weltmeister-Coaches ein Armutszeugnis. 

Jerome Boateng hatte es nicht mehr rechtzeitig geschafft. Angeblich aufgrund eines Staus stand der Lyon-Verteidiger nicht auf dem Platz - oder besser am Rande des Spielfelds - als sein langjähriger Nationaltrainer Joachim Löw vor der 9:0-Gala der DFB-Elf gegen Liechtenstein offiziell verabschiedet wurde. Beim Essen und der Feier in der Stadionloge sowie im Mannschaftshotel war Boateng dann aber sehr wohl am Start.

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Es passte irgendwie ins Bild dieser komplett vergeigten Zeremonie für den Mann, der so lange wie kein anderer vor ihm auf der DFB-Bank saß (bei 198 Länderspielen), der Deutschland 2014 den vierten Stern bescherte und vergangene Woche mit einem Ehrenessen vom Bundespräsidenten in die Bundestrainer-Rente geschickt wurde.

Nicht mal sein Leibgericht Schnitzel mit Bratkartoffeln gab es an diesem Novemberabend in Wolfsburg, dafür nahmen sieben Ex-Spieler den beschwerlichen Weg in die Autostadt auf sich. Aus dem 23er-WM-Kader von 2014 waren insgesamt zehn Stars anwesend - inklusive derjenigen, die im Einsatz (wie Manuel Neuer oder Thomas Müller) oder ohnehin schon dort waren (wie "Projektleiter" Benedikt Höwedes oder der verletzte Julian Draxler).

Viele WM-Helden fehlen

Ein Armutszeugnis, dass es dem DFB offenbar nicht mal gelang, Löws langjährigen Capitano Philipp Lahm oder seinen Rio-Helden Bastian Schweinsteiger zum letzten Geleit zu locken, von der "zweiten Garde" um Christoph Kramer, Kevin Großkreutz oder Shkodran Mustafi ganz zu schweigen. Dass sie sich mit Löw überworfen hätten, ist übrigens nicht bekannt.

Wenige Minuten dauerte der unwürdige Auftritt, das groß angekündigte "Spalier" wirkte eher wie ein zusammengewürfelter Hühnerhaufen. Statt einem Mikrofon, um ein paar Dankesworte an die gut gelaunten Fans, die Löw feierten (immerhin!) zu richten, bekam Bundes-Jogi von DFB-Interimspräsi Peter Peters eine Art Urkunde überreicht, darauf war die Auszeichnung "Jahrhundert-Trainer" zu lesen.

Joachim Löw: Seine Bundestrainer-Ära in Bildern

Weltmeister-Macher und Rekord-Bundestrainer: Seit 2006 trainierte Joachim Löw die deutsche Nationalmannschaft. Nach der WM 2018 musste er den einen oder anderen sportlichen Rückschlag hinnehmen. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die emotionalsten Momente der Ära Löw. Zur Galerie
Weltmeister-Macher und Rekord-Bundestrainer: Seit 2006 trainierte Joachim Löw die deutsche Nationalmannschaft. Nach der WM 2018 musste er den einen oder anderen sportlichen Rückschlag hinnehmen. Der SPORTBUZZER zeigt die emotionalsten Momente der Ära Löw. ©

Auf der Tribüne saß dieser Jahrhundert-Trainer dann nicht etwa neben Peters, Lahm oder Schweini (die waren ja immer noch nicht da) und auch nicht neben Boateng. Seinen Sitznachbarn Wolfgang Niersbach, 2014 noch DFB-Präsident und danach aufgrund der Enthüllungen ums Sommermärchen vom Verband abgesägt, hatte sich Löw wohl auch mangels prominenter Alternativen ausgesucht - einen richtigen Boss gibt es aktuell ohnehin nicht.


Dass Novize Höwedes mit der Aufgabe betraut wurde, dem 15 Jahre langen Erfolgscoach einen würdigen Abgang zu bescheren, statt beispielsweise Direktor Oliver Bierhoff selbst tätig geworden wäre, lässt ebenfalls tief blicken. Nicht mal das anschließende Schützenfest konnte darüber hinwegtäuschen, dass der DFB es erneut verpasst hat, sein ramponiertes Image wenigstens ein wenig aufzupolieren.