15. Februar 2021 / 19:06 Uhr

Kommentar zum Abschied des Gladbach-Trainers: Marco Rose geht beim BVB ins volle Risiko

Kommentar zum Abschied des Gladbach-Trainers: Marco Rose geht beim BVB ins volle Risiko

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Marco Rose geht mit seinem Wechsel zu Borussia Dortmund ins volle Risiko, meint RND-Sportchef Heiko Ostendorp.
Marco Rose geht mit seinem Wechsel zu Borussia Dortmund ins volle Risiko, meint RND-Sportchef Heiko Ostendorp. © Matthias Hangst/Getty Images, Montage
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Mit seiner Entscheidung für einen Wechsel zu Borussia Dortmund im Sommer hat Borussia Mönchengladbachs Trainer Marco Rose das wochenlange Rätselraten um seine Zukunft beendet. Den bequemsten Weg hat Rose damit nicht gewählt, kommentiert RND-Sportchef Heiko Ostendorp.

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Nun ging doch alles recht schnell. Wie zu erwarten wechselt Marco Rose im Sommer von der einen Borussia zur anderen – vom Niederrhein in den Ruhrpott. In der Branche war dieser Trainer-Transfer längst kein Geheimnis mehr, und doch fragen sich viele: warum eigentlich? Ist der Schritt von BMG zum BVB tatsächlich der richtige? Oder wäre Rose nicht besser beraten gewesen, in Gladbach zu bleiben, wo er noch rund eineinhalb Jahre Vertrag hatte?

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Fakt ist, dass Borussia Dortmund in vielen Bereichen (noch) eine Stufe höher anzusiedeln ist. Weltmeister Christoph Kramer fasste es kürzlich in einem Interview sehr treffend zusammen: Im Normalfall verdient man dort nicht nur mehr Geld, sondern bucht auch die Teilnahme an der Champions League fast sicher mit. Zu Nicht-Coronazeiten sitzt Rose künftig im wohl stimmungsvollsten Stadion Europas auf der Bank und hat ein sportliches Ensemble unter sich, dass von der Qualität besser besetzt ist als bei seinem Noch-Klub. Doch es gibt auch nicht unwichtige Faktoren, die eine ganz andere Sprache sprechen.

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An der extremen Erwartungshaltung beim BVB – sportlich wie charakterlich – scheiterten vor ihm schließlich schon andere Trainer-Kaliber wie zuletzt Lucien Favre, aber beispielsweise auch Thomas Tuchel. Die Zusammenarbeit mit den schwierigen Verantwortlichen dort wird sicher nicht so harmonisch ablaufen wie mit Max Eberl, der Roses kongenialer Partner auf Augenhöhe in Gladbach war. Das BVB-Umfeld erwartet vom neuen Mann nicht weniger als eine Wiedergeburt von Jürgen Klopp.

Marco Rose beendet das Projekt Gladbach vorzeitig

Bleibt die Frage: Wo will der Coach eigentlich selbst hin, was sind seine Ziele? Der Sachse gilt als ultra-ehrgeizig, Grenzen setzt er sich erstmal keine. Rose will Titel gewinnen. Eine Mannschaft formen, die seinen aggressiven Spielstil, seine taktischen Ideen optimal umsetzt, etwas Langfristiges aufbauen. Die Möglichkeiten zu alldem hätte er bei seinem jetzigen Arbeitgeber unbestritten und ohne übermäßigen Druck in den nächsten Jahren durchaus gehabt.

Doch nun gibt er dieses Projekt auf, bevor es richtig angefangen hat und macht sich dadurch nicht nur Freunde. In Gladbach wurde er von Teilen der Fans schon nach dem verzockten Derby gegen den 1. FC Köln (1:2) verteufelt. Die ersten Reaktionen auf seinen Wechsel sprechen dafür, dass Rose froh sein sollte, dass aktuell keine Zuschauer im Stadion sein dürfen – sonst wäre es in den nächsten Wochen für ihn extrem ungemütlich geworden, spätestens am 2. März. Dann trifft er im Pokalviertelfinale mit grünschwarzweiß auf schwarzgelb. Alle Augen werden auf ihn gerichtet sein. Und dann wird sich zeigen, wie glaubwürdig sein bisheriges Wirken in Gladbach tatsächlich war: Haut sich seine Mannschaft noch mal für den scheidenden Chef rein und schenkt ihm zum Abschied womöglich sogar den ersten Titel seit 26 Jahren? Oder stürzt seine Borussia nun auch im Meisterschaftsendkampf ab und spielt nächstes Jahr nicht mal europäisch?

Es werden die spannendsten und intensivsten Wochen in Roses noch junger Trainerlaufbahn. Mit seiner Entscheidung geht er voll ins Risiko. Den bequemen Weg hat er für die Zukunft ganz sicher nicht gewählt.

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