10. Dezember 2020 / 12:13 Uhr

Kommentar zum Achtelfinal-Einzug der Bundesligisten in der Champions League: Deutsche Erfolge zur Unzeit

Kommentar zum Achtelfinal-Einzug der Bundesligisten in der Champions League: Deutsche Erfolge zur Unzeit

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die vier Bundesligisten um Borussia Mönchengladbach und den FC Bayern hatten nach dem Achtelfinal-Einzug in der Champions League allen Grund zum Jubeln - ihr Erfolg kommt jedoch zur Unzeit, findet RND-Sportchef Heiko Ostendorp.
Die vier Bundesligisten um Borussia Mönchengladbach und den FC Bayern hatten nach dem Achtelfinal-Einzug in der Champions League allen Grund zum Jubeln - ihr Erfolg kommt jedoch zur Unzeit, findet RND-Sportchef Heiko Ostendorp. © dpa (2)
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Viermal Achtelfinale! In der Champions League sind alle Bundesliga-Klubs in die nächste Runde der besten 16 Teams Europas eingezogen. Es könnte so schön sein. Doch der Erfolg für Fußball-Deutschland trügt, kommentiert RND-Sportchef Heiko Ostendorp.

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Was waren das für geile Bilder, die am Mittwochabend, kurz vor Mitternacht, aus Madrid zu sehen waren? Dort fieberten die Profis von Borussia Mönchengladbachversammelt um ein iPad – Arm in Arm mit und jubelten nach einer schier unendlichen Nachspielzeit über das Remis zwischen Inter Mailand und Schachtjor Donezk, welches ihnen erstmals den Einzug ins Achtelfinale der Champions League bescherte. Ausgelassen tanzten und hüpften Lars Stindl, Christoph Kramer & Co. anschließend über den Rasen und sprachen von einem "kleinen Wunder“. Schade nur, dass die Party nicht nur vor leeren Rängen, sondern auch noch im Amateurstadion der Königlichen statt im Tempel Santiago Bernabeu stattfand.

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Es waren geile, aber auch bezeichnende Bilder für diese Dezembertage, in denen alles so schön sein könnte in Fußball-Deutschland. Alle vier Teilnehmer stehen in der Runde der besten 16 Teams in Europa. Bayern und Dortmund kamen als souveräne Gruppensieger weiter, RB Leipzig setzte sich genauso in einer unfassbar schweren Konstellation mit Paris St. Germain und Manchester United durch wie Gladbach mit Real Madrid und Inter Mailand. Die Fußball-Fans hierzulande müssten sich eigentlich in den Armen liegen – dürfen sie aber nicht, tun sie auch nicht.

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Die sportliche Hochphase nach dem Triple-Gewinn des FC Bayern im Sommer kommt leider zur Unzeit. Das liegt zum einen natürlich an der Corona-Pandemie, die die Menschen mehr beschäftigt denn je. Jeder hat aktuell seine eigenen Probleme, Fußball passt da mitunter nicht mehr rein.

Hinzu kommt, dass die Zuschauer nicht nur von leeren Stadien und fehlenden Emotionen genervt sind. Da ist das Unverständnis dafür, dass sie ihrem liebsten Hobby nicht nachgehen dürfen, während jeden Tag irgendwo auf der Welt gekickt wird. Da ist das Kopfschütteln über die Mogelpackung bei der Verteilung der Fernsehgelder und über eine Integration der Nationalmannschaft von Katar in die europäische WM-Quali, obwohl diese als Gastgeber für 2022 gesetzt ist. Und da ist nicht zuletzt eine Überdrüssigkeit, inzwischen sogar eine regelrechte Ablehnung der eigenen Nationalelf aus Gründen, für die es mindestens einen weiteren Kommentar bräuchte. Das 0:6-Debakel in Spanien ist im Gesamtchaos des DFB dabei fast eine Randnotiz.


All das soll die sportlichen Leistungen der Bundesligisten überhaupt nicht schmälern, im Gegenteil. Es ist einfach nur unglaublich schade, dass sie diese so wenig genießen können und dafür gefeiert werden. Verdient hätten sie es allemal.