19. Februar 2019 / 14:37 Uhr

Kommentar: Bei Hannover 96 fehlt noch die rettende Grundidee 

Kommentar: Bei Hannover 96 fehlt noch die rettende Grundidee 

Uwe von Holt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Thomas Doll treibt sein Team an.
Thomas Doll treibt sein Team an. © dpa
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Zwölf Spiele bleiben Hannover 96, um den direkten Bundesliga-Abstieg zu verhindern. Bisher drehte Thomas Doll an den falschen Stellschrauben. Doch jetzt sollte sein Lernprozess nicht mehr allzu lange dauern, meint SPORTBUZZER-Redakteur Uwe von Holt.

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Es ist nicht bekannt, was André Breitenreiter am Sonnabend unternommen hat – sollte er zufällig ein chaotisches 15.30-Uhr-Spiel mit halber Bundesligabeteiligung (Hoffenheim) im TV gesehen haben, ahnen wir, was der frühere 96-Trainer vor sich hin gemurmelt haben könnte: Dafür hätten die aber keinen neuen Trainer holen müssen!

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Doll hätte viel früher kommen müssen

Für den neuerlichen 96-Offenbarungseid bestimmt nicht, sie hätten den neuen Trainer allerdings viel früher holen müssen. Dann hätte Thomas Doll vielleicht eine echte Chance gehabt, aus dieser Mannschafts-Simulation eine Einheit zu machen, die ihre Mängel zumindest mit einem neuen Geist überspielen kann.

Das sind die Trainer von Hannover 96 seit dem Aufstieg 2001

Am 14. November bestätigte Hannover 96 Kenan Kocak als Nachfolger von Mirko Slomka. Zur Galerie
Am 14. November bestätigte Hannover 96 Kenan Kocak als Nachfolger von Mirko Slomka. © imago/

Die rettende Grundidee ist noch nicht zu erkennen

So doktert Doll bislang hilflos an den bekannten Schwachstellen herum, er ändert Aufstellung und Taktik, die rettende Grundidee ist noch nicht zu erkennen. Der Trainer wird immerhin beim Anmischen seines Erfolgsrezepts nun erkannt haben, dass er mehr Weydandt und weniger Jonathas reinrühren sollte, mehr Schwegler und weniger Walace.

Dolls Lernprozess in der Analyse der 96-Charaktere sollte allerdings nicht mehr allzu lange dauern. Zwölf Versuche hat der Trainer nur noch, um den direkten Abstieg zu verhindern, der nach jeder bekannten Statistik bei diesem katastrophalen Punktestand Ende Februar eigentlich nicht mehr zu verhindern ist.


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Die Stimmen zur Niederlage von Hannover 96 bei der TSG Hoffenheim:

Thomas Doll: Ich hatte wirklich gedacht, dass wir schon einen kleinen Schritt weiter sind nach dem Spiel gegen Nürnberg. Ein blutleerer Auftritt, wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen. Da erwarte ich ein bisschen mehr Mut. Wir sind wie das Kaninchen vor der Schlange durch die Gegend gelaufen. Wir sollten schleunigst ein anderes Gesicht zeigen, sollten jetzt schon ein bisschen die Kurve kriegen. Das einzig Positive an diesem blöden Spieltag ist, dass alle anderen auch verloren haben. Zur Galerie
Thomas Doll: "Ich hatte wirklich gedacht, dass wir schon einen kleinen Schritt weiter sind nach dem Spiel gegen Nürnberg. Ein blutleerer Auftritt, wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen. Da erwarte ich ein bisschen mehr Mut. Wir sind wie das Kaninchen vor der Schlange durch die Gegend gelaufen. Wir sollten schleunigst ein anderes Gesicht zeigen, sollten jetzt schon ein bisschen die Kurve kriegen. Das einzig Positive an diesem blöden Spieltag ist, dass alle anderen auch verloren haben." ©

Nur theoretisch tröstlich ist angesichts des eigenen Dauerversagens, dass die historisch einmalige Lage im Bundesligakeller rechnerisch alle Chancen lässt – lediglich ein Punkt fehlt zum Relegationsplatz. Doch leider müsste 96 zum Klettern ein paar andere Mannschaften als nur die Nürnberger besiegen.

Eine Lage wie beim Schneckenrennen 2013/14

Die Lage erinnert an das Schneckenrennen 2013/14, als Nürnberg (26) und Braunschweig (25) direkt abstiegen und sich der HSV mit 27 Punkten in die Überlebensrunde gegen Fürth mogelte. In der Relegation gelang mit zwei erbärmlichen Unentschieden der Klassenerhalt. Und so dauerte das Elend bis zum ersten Bundesliga-Abstieg des HSV noch vier Jahre länger.