28. November 2022 / 19:31 Uhr

Kommentar zum Brasilien-Auftritt ohne Neymar: Für den WM-Titel braucht die Offensive den Superstar

Kommentar zum Brasilien-Auftritt ohne Neymar: Für den WM-Titel braucht die Offensive den Superstar

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Neymar fehlte den Brasilianern beim zweiten Gruppenspiel gegen die Schweiz.
Neymar fehlte den Brasilianern beim zweiten Gruppenspiel gegen die Schweiz. © Getty (Montage)
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Brasilien löste am Montagabend gegen die Schweiz das Ticket für das WM-Achtelfinale. Das Fehlen von Superstar Neymar war der Offensive der Selecao jedoch deutlich anzumerken. Wenn es für den Titel reichen soll, müssen die Brasilianer auf eine schnelle Genesung des 30-Jährigen hoffen, meint SPORTBUZZER-WM-Reporter Hendrik Buchheister.

Gegen Ende der ersten Hälfte gab es Jubel für einen Ehrengast. Auf den Anzeigetafeln im Stadium 974 in Doha war Ronaldo zu sehen. Nicht Cristiano, sondern der echte, der brasilianische Ronaldo. Er beobachtete den 1:0-Sieg gegen die Schweiz aus der VIP-Loge, im dunklen Anzug und mit Krawatte.

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Die Brasilianer hätten den WM-Rekordtorschützen des Landes gut gebrauchen können, denn von der angeblich so furiosen Offensive war gegen die Schweiz wenig zu sehen. Der brasilianische Angriff enttäuschte. Es passte, dass es Casemiro war, der das einzige Tor schoss – ein defensiver Mittelfeldspieler.

Ronaldos Nachfahre als größter Star in der Seleção ist bekanntlich Neymar, doch der fehlt im Moment nach seiner Knöchelverletzung aus dem Spiel gegen Serbien zum WM-Start (2:0). Neymar polarisiert wegen seiner Verehrung für den abgewählten Präsidenten Jair Bolsonaro, es gibt sogar Stimmen, die meinen, die brasilianische Nationalmannschaft sei besser ohne ihn. Der zähe Vortrag gegen die Schweiz zeigte: nein, ist sie nicht.

Trainer Tite ließ seine Mannschaft ohne Neymar in einer Art 4-4-2 operieren, neben Richarlison, dem Doppeltorschützen aus dem Serbien-Spiel, spielte erst Lucas Paquetá und dann der eingewechselte Rodrygo. Die Angreifer bemühten sich, waren aber weitgehend vom Spiel ihres Teams abgeschnitten. Was Brasilien fehlte, war ein Spieler, der hinter den Spitzen wirbelte, der Mittelfeld und Sturm verband. Jemand wie Neymar.

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Roberto Firmino vom FC Liverpool wäre ein solcher Spieler gewesen, doch dieser fand keinen Platz in Tites WM-Aufgebot – eine umstrittene Entscheidung. Deshalb haben die Brasilianer zwar genug Flügelstürmer für zwei Mannschaften. Was nach Neymars Verletzung aber fehlt, ist ein Spieler, der eine Mischung aus Regisseur, falscher Neun und Torjäger ist. Diesen Mangel verschuldet Tite.

So unbeliebt Neymar auch sein mag bei Teilen des eigenen Publikums: Wenn Brasilien in Katar wirklich zum sechsten Mal Weltmeister werden will, muss die Mannschaft auf seine schnelle Genesung hoffen. Mit einer Offensivleistung wie gegen die Schweiz wird es nichts mit dem Traum vom ersten Titel seit 2002. Doppeltorschütze beim 2:0-Finalsieg damals gegen Deutschland war übrigens der Mann aus der VIP-Loge: Ronaldo.

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