26. April 2020 / 13:11 Uhr

Kommentar zum möglichen Re-Start: Deshalb muss die Bundesliga im Free-TV zu sehen sein 

Kommentar zum möglichen Re-Start: Deshalb muss die Bundesliga im Free-TV zu sehen sein 

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Plädiert für Bundesliga-Übertragungen im Free-TV: SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring.
Plädiert für Bundesliga-Übertragungen im Free-TV: SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring. © Getty Images/Montage
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Die Bundesliga soll bald wieder spielen - dabei geht es vor allem um Geld für die Klubs. Bei einem Re-Start muss aber der Fußball auch im Free-TV zu sehen sein, meint SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring. Ansonsten würde es wohl zu Rudelgucken in Wohnzimmern kommen - und alle Corona-Maßnahmen wären auf einen Schlag umsonst gewesen.

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Die Verantwortlichen der Bundesliga geben sich inzwischen keine Mühe zu verhehlen, warum der Re-Start mitten in der Coronavirus-Pandemie wirklich nötig ist: aus rein monetären Gründen. "Wenn wir die nächsten Monate nicht mehr spielen, dann säuft die ganze Bundesliga ab", sagte etwa BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Sonntag bei Sky. Andere Bosse äußerten sich ähnlich, beispielsweise Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern. Ein wichtiger Faktor in der Diskussion sind die TV-Gelder, die Sky, DAZN und Co. an die Bundesligisten überweisen, wenn die letzten Spiele der Saison ausgetragen werden. Ohne diese gehen die Klubs salopp gesagt Pleite. Vor allem der FC Schalke 04 und Werder Bremen, die sogar erstmals seit 2003 Schulden machen müssen, sind auf diese Gelder angewiesen. Für die Fortführung der Liga und der damit verbundenen TV-Geld-Zahlung nehmen alle Klubs auch Geisterspiele in Kauf.

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Die Kritik an der Fortführung der Liga ist vor allem aus Fankreisen groß. Viele aktive Fanszenen appellieren an die Verantwortung des Fußballs für die Gesellschaft. Spiele in diesen Zeiten würden eine Sonderrolle herbeiführen, die man nur schwer verkaufen könnte, da Kinder weiter nicht mit ihren Freunden bolzen oder ihre Großeltern besuchen dürften. Dem widerspricht Ralf Rangnick, der ehemalige Trainer von RB Leipzig, mit markigen Worten. So sei die Wiederaufnahme des Spielbetriebs für die Vereine nicht nur aus finanzieller Sicht wichtig, sondern aus psychologischer Sicht "für die gesamte Menschheit" - also ein positives Zeichen während der Corona-Pandemie, die fast die gesamte Welt lahmlegt. Auch in diesem Fall gibt es einige Klub-Bosse, die sich bereits ähnlich äußerten, auch wenn der Verweis auf die Wichtigkeit der Bundesliga für die gesamte Menschheit natürlich maßlos übertrieben daherkommt.

Es geht ihnen also nicht nur ums Geld – sondern auch ein bisschen um die Menschen. Der Fußball soll Freude verbreiten, möglichst viele Fans von den Einschränkungen aufgrund der Coronakrise ablenken. Schön gedacht. Allerdings wäre die Freude bislang nur den zahlenden Kunden der Pay-TV-Anbieter Sky und DAZN zugänglich. Oder den Freunden und Familienmitgliedern dieser Kunden – jedenfalls nur einer Minderheit in Deutschland. Aus diesem Grund muss die Bundesliga zwingend die restliche Saison im Free-TV zu sehen sein, wenn die Verantwortlichen es wirklich ernst in diesem Punkt meinen.

Rudelgucken bei Bundesliga-Re-Start wahrscheinlich

Zumal die Klub-Bosse und die Deutsche Fußball-Liga unisono betonen, dass ihnen auch an der Gesundheit der Menschen gelegen ist (auch wenn es hier wohl vorrangig um die Spieler gehen dürfte, im weitesten Sinne noch um die Leute, die für den Ablauf der Geisterspiele nötig sind). Schließlich soll das Produkt Bundesliga weiter laufen.

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Das Coronavirus legt den Fußball in Europa lahm - mit Ausnahme der weißrussischen Liga müssen alle Wettbewerbe pausieren. Die Länge der Zwangspause ist dabei unterschiedlich bemessen. Der SPORTBUZZER fasst den Stand zusammen - wie lange pausieren die Ligen in Europa? ©

Gesundheit ist tatsächlich ein wichtiger Punkt. Sollte die Liga den Re-Start hinlegen und die Spiele würden nur im Pay-TV zu sehen sein, würde es wohl in vielen Wohnzimmern zum Bundesliga-Rudel-Gucken kommen. Denn auch in der Krise ist der Fußball das liebste Hobby der Deutschen. Und wer will – sofern wirklich wieder gespielt wird – nicht wissen, wie sein Lieblingsverein gegen den Erzrivalen spielt? Oder wie es sich im Kampf um Europapokal und gegen den Abstieg schlägt? Dadurch würde allerdings das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus wieder steigen. Alle Bemühungen und Entbehrungen der vergangenen Wochen wären umsonst gewesen.

Am Ende geht es vor allem ums Geld

Ist den Verantwortlichen wirklich so viel gelegen an der "gesamten Menschheit", wie Rangnick es ausdrückte, muss ein Weg gefunden werden, damit möglichst viele Menschen den Sport verfolgen können. Und das gelingt nur durch Übertragungen im Free-TV. Die ARD kündigte Gesprächsbereitschaft an. Aber auch hier wird in eventuellen Verhandlungen wohl recht schnell deutlich: Es geht vor allem ums Geld. Und damit wären wir wieder am Anfang.