16. Mai 2020 / 20:54 Uhr

Kommentar zum Bundesliga-Neustart: Bei aller Absurdität – das hatte Unterhaltungswert

Kommentar zum Bundesliga-Neustart: Bei aller Absurdität – das hatte Unterhaltungswert

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Neustart der Bundesliga hielt teilweise absurde Szenen bereit - etwa den sehr kontaktreichen Jubel bei Hertha BSC und die Ersatzbänke mit Abständen und Maskenpflicht.
Der Neustart der Bundesliga hielt teilweise absurde Szenen bereit - etwa den sehr kontaktreichen Jubel bei Hertha BSC und die Ersatzbänke mit Abständen und Maskenpflicht. © Pool/Montage
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Die Bundesliga ist in die Zeit nach der Corona-Zwangspause gestartet. Der stellvertretende RND-Sportchef Sebastian Harfst sah viele absurde Szenen, aber auch viel Unterhaltsames. Er meint: der Profifußball wäre gut beraten, die eigene Bedeutung nicht zu überhöhen.

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Es wird weiter gestritten werden über Sinn und Unsinn des Turbofinales in der Fußball-Bundesliga. Schließlich waren es absurde Szenen, die sich da in den Arenen abspielten, während die Profis ihrem Beruf nachgingen. Wie absurd ist es bitte, dass die Ersatzspieler auf den Ersatzbänken eine Maske tragen müssen, obwohl dort der Sicherheitsabstand eingehalten wird, nur um diese Maske beim Sturz ins Getümmel, sprich nach ihrer Einwechslung, wieder abnehmen zu dürfen? Wie absurd ist es bitte, wenn Fernsehmoderatoren die zuvor in Quarantäne befindlichen Profis geradezu flehentlich nach reflexhaften Berührungen im Überschwang eines Torerfolgs aus der Ferne auf die Hygieneregeln hinweisen müssen? Wie absurd ist es bitte, um abschließend die grundsätzliche Frage zu stellen, wenn Profifußball zur Bestandswahrung der Branche in fast leeren Stadien ohne Fans ausgetragen wird?

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Von einem normalen Bundesliga-Spieltag, wie wir ihn aus der Vergangenheit kennen, war dieser erste Geisterspieltag also weit entfernt. Nur haben sich unsere Vorstellungen von Normalität in den vergangenen Monaten im Angesicht der globalen Pandemie auf so vielen Ebenen ziemlich grundsätzlich verändert.

Und entsprechend ist es schwierig, ein System wie den Profifußball unter den Voraussetzungen der Vor-Corona-Zeit zu betrachten und zu bewerten. In unserer neuen Normalität werden wir mittlerweile tagtäglich mit so vielen anderen, weitaus existenzielleren Veränderungen als denjenigen beim Fußball konfrontiert. Da erscheint es plötzlich gar nicht mehr so wichtig, dass die Bundesliga wieder spielt. Der Fußball ist bestimmt nicht so relevant, wie er zuletzt gemacht wurde.

Am Ende werden die Konsumenten über den Profifußball abstimmen

Am Ende rannten da heute nämlich nur professionelle Athleten in leeren Arenen auf gut gepflegten Grüns herum, um dabei von freiwillig am TV-Schirm ausharrenden Zuschauern beobachtet zu werden. Nicht mehr, nicht weniger. Das ist im Vergleich zu früher weiterhin seltsam und man darf das – mit Verlaub – bescheuert finden.

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Die Zweifel, ob der Profifußball seine so oft kritisierten Auswüchse, wie zuletzt häufig gefordert, zukünftig in den Griff bekommt, werden zudem bleiben. Gedankenlosigkeiten wie die von Salomon Kalou mit seinem Kabinenvideo und die von Heiko Herrlich mit seinem Handcreme-Ausflug zeigen, dass am Reißbrett entworfene Hygienekonzepte von fehlbaren Menschen umgesetzt werden.

Am Ende werden aber sowieso die Konsumenten über den Profifußball und seine Zukunft abstimmen. Und mal ehrlich: Die ersten Geisterspiele des 26. Spieltags hatten – bei aller Absurdität des Rahmens – Unterhaltungswert für diejenigen, die sich davon unterhalten lassen wollten. Und darauf kommt es beim Fußball schließlich zuvorderst an.