04. Januar 2022 / 18:32 Uhr

Kommentar zum Corona-Alarm in der Bundesliga: Viele Profis handeln verantwortungslos

Kommentar zum Corona-Alarm in der Bundesliga: Viele Profis handeln verantwortungslos

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Dan-Axel Zadaou (BVB), Christopher Nkunku (Leipzig) und Lucas Hernández (Bayern/v.l.) werden wegen positiver Corona-Tests beim Rückrunden-Auftakt nicht spielen können.
Dan-Axel Zadaou (BVB), Christopher Nkunku (Leipzig) und Lucas Hernández (Bayern/v.l.) werden wegen positiver Corona-Tests beim Rückrunden-Auftakt nicht spielen können. © IMAGO/Christian Schroedter/RHR-Foto/Getty (Montage)
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Nach drei Wochen Winterpause startet die Bundesliga in die Rückrunde. Dabei werden allerdings zahlreiche Profis ihren Klubs fehlen. Nach den freien Tagen schießen die Corona-Fallzahlen bei Fußball-Profis in die Höhe. Für RND-Sportchef Heiko Ostendorp eine Situation, die vermeidbar gewesen wäre.

Gecancelte Trainingslager, Testspielabsagen, drohende Pflichtspielausfälle. Täglich – nein inzwischen fast stündlich – neue Corona-Fälle in der Bundesliga. Von München bis Leipzig, von Dortmund bis Berlin. Natürlich macht das Virus inklusive seiner neuen Omikron-Mutante auch nicht vor den Fußballstars Halt, doch eines ist dennoch auffällig: Kaum haben die Profis mal ein paar Tage frei und sind allein für sich verantwortlich, explodieren die Fälle. Rund 40 sind es Stand Dienstagvormittag, Tendenz stark steigend.

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In ihrer Blase müssen sich die Kicker an strengste Vorschriften halten, werden jeden Tag getestet, die Kontakte sind auf ein Minimum reduziert. Diese Maßnahmen schienen zu fruchten, das Konzept der DFL funktioniert seit fast zwei Jahren sehr ordentlich. Doch nach dem letzten Bundesliga-Spieltag am 19. Dezember wurden die Spieler von der Leine gelassen, verstreuten sich sofort in die ganze Welt. Wie üblich gab es in den sozialen Netzwerken Urlaubsbilder aus Dubai, den Malediven oder den USA. Am Strand, in Nobelrestaurants und Casinos, bei NBA-Spielen und auf Silvesterpartys. Es dürfte also niemanden ernsthaft gewundert haben, dass viele nach der Rückkehr eine Infektion mit im Urlaubsgepäck hatten. Aber musste das wirklich sein?

Klar, die Klubs haben keinerlei rechtliche Handhabe, ihren Angestellten vorzuschreiben, ob und wohin sie während ihrer kurzen Winterpause reisen. Allerdings darf ein Arbeitgeber, der seine Mitarbeiter fürstlich bezahlt, durchaus erwarten, dass diese sich in den aktuellen Zeiten vernünftig und den gefährlichen Umständen entsprechend verhalten. Und vielleicht auf die eine oder andere unnütze Reise samt entsprechendem Unterhaltungsprogramm verzichten.

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Natürlich kann man sich auch zu Hause anstecken. Natürlich wollen die Profis auch ihre Familien in der Heimat besuchen. Und natürlich wird von ihnen ohnehin schon viel abverlangt. Allerdings genießen sie im Gegenzug auch Sonderrechte und Privilegien, die beispielsweise Amateurkickern vorenthalten bleiben. Dessen sollten sich die Fußballer endlich bewusst sein und verantwortungsvoll handeln – falls es dazu nicht längst zu spät ist.