26. November 2021 / 19:15 Uhr

Kommentar zum Corona-Fall Kimmich: Buhmann Profifußball? Am Ende entscheiden die Konsumenten

Kommentar zum Corona-Fall Kimmich: Buhmann Profifußball? Am Ende entscheiden die Konsumenten

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Wer den Profifußball in der Pandemie zum Buhmann erklärt, macht es sich zu einfach, meint der stellvertretende RND-Sportchef Sebastian Harfst.
Wer den Profifußball in der Pandemie zum Buhmann erklärt, macht es sich zu einfach, meint der stellvertretende RND-Sportchef Sebastian Harfst. © Getty Images (Montage)
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Auch im deutschen Profifußball häufen sich dieser Tage die Corona-Fälle. Prominentestes Beispiel: der bislang ungeimpfte Nationalspieler Joshua Kimmich. Doch wer den Profifußball in der Pandemie zum Buhmann erklärt, macht es sich für den stellvertretenden RND-Sportchef Sebastian Harfst zu einfach: Am Ende entscheidet der Konsument.

Es ist schon einigermaßen absurd, dass in einem derart hochprofessionalisierten Wirtschaftszweig wie dem Profifußball Fälle wie der von Joshua Kimmich überhaupt möglich sind. Eine Branche, die mitunter sogar das Freizeitverhalten seiner in der Spitze mit irrwitzigen Gehältern belohnten Arbeitnehmer vertraglich bis ins Detail regelt, schafft es nicht, alle ihre Protagonisten von einer Impfung zu überzeugen. Und so ist Deutschlands bekanntester Impfverweigerer nun wie mittlerweile Millionen andere positiv auf das Coronavirus getestet worden. Gleichzeitig ist der Spott groß, wenn sich ein aktuell sowieso nicht auf Erfolg abonnierter Zweitligist wie Werder Bremen durch das womöglich gefälschte Impfzertifikat seines (mittlerweile Ex-)Trainers der Lächerlichkeit preisgibt.

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Ein einfaches Fazit ist da schnell gezogen: Geschieht Kimmich ganz recht, die verwöhnten Fußballmillionäre sind der Realität normaler Arbeitnehmer doch längst entflohen. Die machen eh, was sie wollen und vernachlässigen ihre riesige gesellschaftliche Verantwortung. Mit anderen Worten: Wieder einmal sind die verzogenen Fußballer ein schlechtes Vorbild. Mancher fordert schon die Einstellung des Spielbetriebs und vergisst dabei, dass zunächst auch Geisterspiele eine Option zur Systemerhaltung wären.

DFL nennt Impfquote von mehr als 90 Prozent

Böser, böser Profifußball? Das Thema Corona-Impfung im Profifußball lässt sich auch ganz anders deuten. Nach offiziellen Angaben der Deutschen Fußball-Liga (DFL) liegt die Impfquote unter Spielern, Trainern und Betreuern in den ersten beiden deutschen Profiligen bei mehr als 90 Prozent – und damit weit über dem Bundesdurchschnitt. Erst in dieser Woche verkündete Sebastian Hoeneß, Trainer der TSG Hoffenheim, dass in seinem Team sogar alle Spieler geimpft seien. Selbst beim wegen der Causa Kimmich und zwischenzeitlich noch vier weiterer ungeimpfter Spieler so gescholtenen FC Bayern München betrug die Impfquote bei einer Kadergröße von 26 Spielern noch mehr als 80 Prozent, während der Bundesdurchschnittam am Freitag bei gut 68 Prozent stand.


Nun mag entgegengehalten werden, dass ein Superstar wie Kimmich mit seinem und dem Kapital seiner Kollegen – nämlich der Leistungsfähigkeit des Körpers – spielt, wenn er sich nicht impfen lässt. Er selbst wird – wie so viele andere Impfverweigerer – diese These ebenso umdrehen, schließlich habe er nur versucht, seinen Körper vor vermeintlich unkalkulierbaren Langzeitfolgen zu schützen. Dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler da verständnislos aufschreien und der Frust bei all denen weiter wächst, die sich haben impfen lassen, um diese unselige Pandemie endlich zu besiegen, ist klar. Nur müssen wir – solange keine Impfpflicht besteht – Meinungen wie die von Kimmich zähneknirschend aushalten. Auch wenn sie der Mehrheit im gesamtgesellschaftlichen Kontext grob unsolidarisch erscheinen.

Appell an alle Impfverweigerer

Außerdem: Wie nachahmenswert ist bitte das Vorbild eines Fußballers, der nun mehrere Wochen nicht seiner Arbeit nachgehen, der seine Kollegen beispielsweise im mit Spannung erwarteten Spitzenspiel der Bundesliga bei Borussia Dortmund in einer Woche nicht unterstützen kann?

Am Ende – und das ist das Schöne am Profifußball – haben die Konsumenten die Macht. Wer glaubt, der abgehobenen Branche einen Denkzettel verpassen zu müssen, schaltet am Wochenende einfach den Fernseher nicht ein oder verzichtet auf den Gang ins Stadion. Das Letztere mag aktuell auch aufgrund der dramatischen Infektionslage eine vernünftige Option sein. Kimmich und allen anderen Infizierten auf der Welt sollten derweil unsere besten Genesungswünsche gelten. *An alle Impfverweigerer geht gleichzeitig der Appell, es nicht darauf ankommen zu lassen *– sondern sich endlich einen Piks verpassen zu lassen. Diskussionen über den Umgang des Profifußballs mit der Impfung sind dann hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft nicht mehr notwendig.