05. Oktober 2020 / 22:00 Uhr

Kommentar zum Deadline Day: Der FC Bayern geht mit Plan B ins Risiko – bleibt aber vernünftig

Kommentar zum Deadline Day: Der FC Bayern geht mit Plan B ins Risiko – bleibt aber vernünftig

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sportvorstand Hasan Salihamidzic (links) hat Trainer Hansi Flick noch drei Zugänge in den Kader geholt.
Sportvorstand Hasan Salihamidzic (links) hat Trainer Hansi Flick noch drei Zugänge in den Kader geholt. © imago images (Montage)
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Mit Eric Maxim Choupo-Moting, Bouna Sarr und Douglas Costa kamen am Deadline Day noch drei Zugänge in München an. Die großen Lösungen klappten derweil nicht mehr. Der Plan B des FC Bayern ist riskant, aber vernünftig, meint SPORTBUZZER-Redakteur Roman Gerth.

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Überraschend war das, was der FC Bayern am Deadline Day verkündete, letztlich nicht mehr. Vieles war schon im Verlauf des Wochenendes durchgesickert. Doch die Profis, die am Montag nach München gewechselt sind, lassen durchaus Zweifel am Transfer-Endspurt des Triple-Siegers aufkommen. Die großen Lösungen auf der rechten Außenverteidiger-Position und dem offensiven Flügel waren allesamt geplatzt.

So kommt anstelle des Talents Sergino Dest, der stattdessen von Ajax zu Barcelona gewechselt ist, mit Bouna Sarr ein bereits 28 Jahre alter Abwehrspieler aus Marseille zum FCB. Und weil der ewige Flirt, Chelsea-Profi Callum Hudson-Odoi, erneut nicht zu bekommen war, setzten Sportdirektor Hasan Salihamidzic und Co. auf die Dienste des im Sommer 2017 noch zu Juventus Turin abgegebenen Ex-Spielers Douglas Costa. Zur Erinnerung: Den Brasilianer hatte Ehrenpräsident Uli Hoeneß später sogar als „Söldner“ tituliert.

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Der Dritte im Bunde ist Eric Maxim Choupo-Moting, der bei PSG keinen neuen Vertrag mehr bekam. Er soll nun den erfahrenen Backup für Top-Stürmer Robert Lewandowski geben. Den dünnen, aber qualitativ starken Bayern-Kader auf dem schwierigen Corona-Spielermarkt zu erweitern, war keine einfache Aufgabe – das ist klar. Möglichkeiten gab es dennoch einige, die aus verschiedenen Gründen nicht zustande kamen. Letztlich wirkt der späte Transfer-Dreierpack des deutschen Rekordmeisters wie ein Plan B. Trainer Hansi Flick hatte vehement Ergänzungen gefordert, also musste Salihamidzic liefern – immerhin: in der Quantität hat er das getan. Doch ob das reicht, um die erneut großen Ziele zu erreichen, ist zumindest fraglich.

Bayern setzt auf finanzielle Vernunft

Zugegeben: Der FC Bayern hat sich in der Krise nicht zum Wahnsinn verleiten lassen – und vielmehr auf Vernunft gesetzt. Die späten Zugänge, wozu auch der schon am Sonntag verpflichtete Marc Roca (Espanyol Barcelona) zählt, sind entweder zum Schnäppchen-Preis, gar ablösefrei oder im Falle Costa risikolos per Leihe gekommen. Trotz des wohl prallsten Festgeld-Kontos im europäischen Fußball hat der FCB in diesem Sommer insgesamt nur 64 Millionen Euro für sieben Spieler ausgegeben – dazu zählen allein 45 Millionen Euro für Wunschspieler Sané, der im Vorjahr noch über das Doppelte kosten sollte.

Zum Vergleich: Chelsea ließ sich seinen Großangriff mit Timo Werner, Kai Havertz und Co. rund 250 Millionen Euro kosten. Und der FC Barcelona, im Champions-League-Viertelfinale der Vorsaison bekanntermaßen mit 2:8 gegen die Münchner untergegangen, gab immerhin mehr als 120 Millionen Euro aus. Bayern geht aufgrund der hohen Belastungen der kommenden Monate mit seinem Kader zwar ins Risiko, am Ende sieht vieles nach einer Not-Lösung aus – aber immerhin blieb man dabei an der Säbener Straße in der Corona-Krise vernünftig.