03. Januar 2020 / 15:46 Uhr

Kommentar: Der 96-typische Schleudergang in Sachen Personalentscheidung

Kommentar: Der 96-typische Schleudergang in Sachen Personalentscheidung

Carsten Bergmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Profichef Martin Kind (rechts) machte Jan Schlaudraff zum Sportdirektor.
Profichef Martin Kind (rechts) machte Jan Schlaudraff zum Sportdirektor. © Florian Petrow / imago images/STPP
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Hannover 96 hat in letzter Zeit so manches Personal verschlissen. Nach nur kurzer Zeit stand Sportdirektor Jan Schlaudraff stark in der Kritik. Kinds Modelle haben bislang nicht funktioniert, 96 bewegt sich einzig im Kreis, meint Hannover-Sportchef Carsten Bergmann.

Vom Lehrling zum Meister zum Zuarbeiter – und das in wenigen Wochen. Jan Schlaudraff, Mitte des Jahres noch als Emporkömmling mit 96-Stallgeruch hofiert, erlebt eine Managerkarriere im Schleudergang. Profichef Martin Kind nimmt es dem schweigsamen Sportchef übel, ein Absteigerjahr nur auf Platz 13 im Unterhaus zu beenden – ohne wirklich erstklassige Aussichten.

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Der 75-Jährige befördert dafür Fünf-Spiele-Trainer Kenan Kocak zum führenden Kopf der neuen 96-Ära. Blöd nur, dass auch jener neue Fußballlehrer einzig einen Kontrakt bis zum Sommer besitzt. Planungssicherheit bringt das sicher nicht. Aber deshalb jetzt gleich das Arbeitspapier reaktionär mitsamt saftiger Gehaltserhöhung vorzeitig verlängern? Warten wir mal den Rückrundenstart ab.

Die Manager von Hannover 96 seit 1996:

<b>Franz Gerber:</b> Der gebürtige Münchener war gleich zweimal als 96-Manager im Amt. Das erste Mal von 1996 bis 1999 und nach seiner zwischenzeitlichen Tätigkeit als 96-Trainer ein weiters Mal von Juli bis Dezember 2001. Zur Galerie
Franz Gerber: Der gebürtige Münchener war gleich zweimal als 96-Manager im Amt. Das erste Mal von 1996 bis 1999 und nach seiner zwischenzeitlichen Tätigkeit als 96-Trainer ein weiters Mal von Juli bis Dezember 2001. ©
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Am 28. April 2021 hat Hannover 96 die Trennung von Kenan Kocak zum Saisonende verkündet. Rund zwei Wochen später (10. Mai) haben die Roten Jan Zimmermann als neuen Trainer vorgestellt. Der Coach kommt vom Regionalligisten TSV Havelse. Zur Galerie
Am 28. April 2021 hat Hannover 96 die Trennung von Kenan Kocak zum Saisonende verkündet. Rund zwei Wochen später (10. Mai) haben die Roten Jan Zimmermann als neuen Trainer vorgestellt. Der Coach kommt vom Regionalligisten TSV Havelse. © imago/

Hannover 96 stagniert

Das Machtgefälle in Entscheidungsprozessen – natürlich nur mit dem finalen kindschen Segen – in dieser heiklen Phase so deutlich zu betonen, angereichert mit einer schmalen Jobgarantie für Schlaudraff, das offenbart das fast schon traditionelle 96-Problem: Es fehlen die nachhaltigen und durchlässigen Strukturen. Alles wirkt wie aus dem Bauch heraus entschieden.

Das Dilemma ist nicht neu – und doch kommt es boomerangartig bei nahezu jeder neuen Personalentscheidung auf Schlüsselpositionen zurück. Unzählige Manager und Trainer wurden in den vergangenen Jahren verschlissen. Das Ergebnis: Den Glanzvoll-Zeiten in der Bundesliga folgt der bittere Absturz ins Unterhaus.

Hannover 96 stagniert. Martin Kind ruft zwar immer neue Modelle aus – mal das Hannover-Modell, mal das junge-dynamische, mal das erfahren-gestandene. Gehalten hat bislang keines. Jan Schlaudraff könnte der nächste sein, der an diesem System gescheitert ist. Natürlich hat er Fehler gemacht – teils frappierende Entscheidungen getroffen. Als Manager in Ausbildung, als Mann zweiter Reihe, so wie er einst 2019 begonnen hatte, sollten ihm solche Lernprozesse zugestanden werden. Ist aber nicht so. Kind selbst betont immer wieder die angestrebte Neuausrichtung. Bislang aber bewegt sich 96 einzig im Kreis.