27. Januar 2019 / 19:28 Uhr

Kommentar zur WM: Jetzt muss Handball-Deutschland den Hype nutzen!

Kommentar zur WM: Jetzt muss Handball-Deutschland den Hype nutzen!

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Für Jens Kürbis ist klar: Der Hype um die Handball-WM darf nicht der Anfang sein.
Für Jens Kürbis ist klar: Der Hype um die Handball-WM darf nicht der Anfang sein. © dpa
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Es war ein Wintermärchen - leider ohne Happy End. Dennoch hat der deutsche Handball bei der WM viele Herzen (zurück)gewonnen. Warum es wichtig ist, jetzt am Ball zu bleiben, erklärt Jens Kürbis in seinem Kommentar.

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Der Traum von der Medaille ist geplatzt. In letzter Sekunde. Deutschlands Handballer haben 18 Tage lang begeistert, eine Nation mit ihrem Sport, ihrem Handwerk berauscht. Sie haben sich nach dem EM-Desaster vor einem Jahr in die Weltspitze zurückgespielt, gekämpft, geschoben, auch gezerrt – mit Härte, guten Torhütern, einer noch besseren Abwehr. Mit einem Teamgeist, der sogar Fans und Politprominenz gleichermaßen begeisterte. Es war die größte Party, die der Handball in Deutschland seit den goldenen WM-Tagen von 2007 gefeiert hat. Doch die Party endet mit einem Kater. Ausgerechnet in den letzten beiden Spielen haben Gensheimer & Co. ihre Weltspitze vermissen lassen.

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Die Spiele in Berlin, Köln und Hamburg – sie bleiben aber in Erinnerung: Wie die Mannschaft auf einer Welle der Euphorie durch das Turnier gesurft ist, die riesigen-Arenen in Tollhäuser verwandelte und Millionen vor den TV-Geräten mitzitterten. Der Handball hat geliefert, es wie keine andere Sportart geschafft, in so kurzer Zeit einen Hype zu erzeugen. Auch durch Typen. Plötzlich weiß jeder, dass „Bam Bam“ Patrick Wiencek ist oder der „Big Bad Wolf“, der Andreas Wolff im deutschen Tor. Es ist die Begeisterung für Malocher, Künstler, Genies und Strategen.

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Handball ist authentisch, bodenständig, ungekünstelt

Handball ist authentisch, bodenständig, ungekünstelt. Ohne Bling-Bling, dafür mit viel Herzblut und Leidenschaft. Es war sogar davon zu lesen, dass sie die besseren Kicker seien. Vielleicht ist es aber auch nur das Sättigungsgefühl vom Fußball und seinen goldenen Steaks. Was noch bleibt ist, dass dieser Sport Brücken bauen kann - zwischen Nationen. Berlin war die Bühne für ein Stückchen Wiedervereinigung, dem ersten Auftritt eines gesamtkoreanisches Handball-Teams. Auch die zwischen Dänemark und Deutschland gehört dazu – es war die erste, von zwei Gastgebern ausgerichtete WM. In der Art mit zwei Ländern, die sich organisatorisch, logistisch und kulturell nahe sind, ein Modell für die Zukunft.



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Die WM war auch die Bestätigung, dass Deutschland Handball kann – nicht nur auf dem Platz. Auch durch einen neuen Zuschauerrekord bleibt ein Plus von mehr als einer Million Euro. Doch die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt. Da ist Olympia-Gold 2020, der unverhandelbare Auftrag des Verbandes an Prokop und das Team.

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Und mehr noch gilt es den Hype zu nutzen. Der Bundestrainer formulierte das so: „Wir alle, auch ich, müssen jetzt in die Schulen und Kindergärten gehen, um die Kids für den Handball zu begeistern!“ 2007 war das ausgeblieben. Der weltgrößte Handballverband verlor Mitglieder. Diesen Kater will diese Sportart nicht noch einmal erleben. Der von Herning ist genug.