24. September 2019 / 22:15 Uhr

Kommentar zum DFB-Klassenerhalt: So nimmt die UEFA der Nations League die Glaubwürdigkeit

Kommentar zum DFB-Klassenerhalt: So nimmt die UEFA der Nations League die Glaubwürdigkeit

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Deutschland stieg 2018 sang- und klanglos aus der A-Liga der Nations League ab. Dank UEFA-Präsident Aleksander Ceferin erhält die DFB-Elf eine neue Chance.
Deutschland stieg 2018 sang- und klanglos aus der A-Liga der Nations League ab. Dank UEFA-Präsident Aleksander Ceferin erhält die DFB-Elf eine neue Chance. © imago images / Matthias Koch / dpa
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Deutschland bleibt trotz sportlichen Abstiegs Teil der A-Liga in der Nations League. Eine UEFA-Reform, knapp ein Jahr nach dem DFB-Scheitern, macht es möglich. Für SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst leidet wegen der UEFA-Entscheidung die Glaubwürdigkeit des Wettbewerbs.

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Die UEFA hatte sich das mit der Nations League eigentlich ganz clever ausgedacht. Eingeteilt nach Leistungsstärke werden die verschiedenen Nationalmannschaften erst mal in Ligen eingeteilt, wo sie dann auf ihresgleichen treffen. Wir durften so miterleben, wie das DFB-Team einigermaßen sang- und klanglos an Weltmeister Frankreich und Erzrivale Niederlande scheiterte.

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Vor der Reform: System der Nations League versprach anschließende Durchlässigkeit

Und dennoch liegt genau darin der Reiz der ursprünglichen Nations League: Das einmal eingeteilte System versprach anschließende Durchlässigkeit. Wer nicht gut spielt, steigt ab. Siehe Beispiel Deutschland. Wer gut spielt kann um den Titel mitspielen – siehe Portugal. Oder wer gut spielt, kann aus einer niedrigeren Leistungsklasse in eine höhere aufsteigen – siehe die Ukraine, Schweden, Bosnien-Herzegowina und Dänemark, die unter anderem die eigentlich abgestiegenen Deutschen in Liga A ersetzen sollten.

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Ein weiterer Vorteil: Die meist eher langweiligen, von zahlreichen den Spielfluss unterbrechenden Auswechslungen geprägten Freundschaftsspiele weichen tendenziell rassigeren Pflichtspielen gegen Teams auf ähnlichem Niveau. Nicht umsonst wurde der Wettbewerb gerade in kleineren Nationen, die niemals die Chance haben werden, an einer WM- oder EM-Endrunde teilnehmen zu können, begeistert aufgenommen und voller Motivation absolviert.

Dass die UEFA Deutschland und die anderen Absteiger aus der A-Liga nun vor dem Abstieg rettet, nimmt der Nations League leider jede Menge Glaubwürdigkeit. Was für ein Zeichen ist es, wenn der gescheiterte Riese, der zudem nie mit der nötigen Begeisterung und Motivation im neuen Wettbewerb angetreten ist, jetzt nicht einmal die Quittung für seine sportlichen Fehlleistungen bekommt? So bleibt der Eindruck, dass hier mal wieder die Großen vor den Folgen ihrer eigenen Unzulänglichkeit geschützt werden.

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Nations-League-Spiele gegen Österreich oder Wales hätten deutsche Demut gefördert

Und nur mal nebenbei: Ein Nations-League-Zyklus gegen Teams aus der Kategorie Österreich, Wales und Russland hätte der zuletzt etwas abhanden gekommenen Demut des deutschen Fußballs sicherlich auch nicht geschadet.