18. November 2020 / 09:11 Uhr

Kommentar zum DFB-Fiasko in Spanien: Jetzt muss Löw umkippen – es ist wohl seine letzte Chance

Kommentar zum DFB-Fiasko in Spanien: Jetzt muss Löw umkippen – es ist wohl seine letzte Chance

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bundestrainer Joachim Löw steht nach dem Debakel in Spanien unter Druck.
Bundestrainer Joachim Löw steht nach dem Debakel in Spanien unter Druck. © dpa/Montage
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Die deutsche Nationalmannschaft beendet das außergewöhnliche Jahr der Corona-Krise mit einem Debakel in Spanien. RND-Sportchef Heiko Ostendorp kommentiert die Leistung der DFB-Elf und die Debatte um ein Comeback von Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller.

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Der beste Deutsche trug an diesem Abend ein rot-kariertes Sakko: Bastian Schweinsteiger nahm während und nach der historischen 0:6-Pleite der Nationalelf in Spanien kein Blatt vor den Mund und sprach als ARD-Experte Klartext. Einige Auszüge: "Entsetzlich. Es hat sich nicht wie ein Team angefühlt." "Es kann mal 0:2 oder 0:3 ausgehen, aber nicht 0:6." "Vielleicht war es gut, vielleicht muss man über andere Alternativen nachdenken." Und: "So darf man als deutsche Nationalmannschaft nicht auftreten." In seine Wunschelf für die EM stellte er zum Abschluss des Abends Jerome Boateng und Thomas Müller.

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Viele können die Debatte um die von Joachim Löw aussortierten Weltmeister inklusive Mats Hummels nicht mehr hören. Auch ich war der Meinung, dass eine Rolle rückwärts des Bundestrainers keinen Sinn machen würde – doch seit dem Debakel von Sevilla scheint diese Turnübung alternativlos.

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Der ehemalige DFB-Kapitän Schweinsteiger analysierte treffend: "Genau in solchen Spielen ist es wichtig, dass man Spieler auf dem Platz hat, die kommunizieren, die sich wehren, die die Qualität haben. Heute hat man gesehen, dass wir diese Qualität nicht haben." Gemeint ist die Qualität auf allerhöchstem Topniveau – und zwar konstant. "Reifeprüfung" haben wir die Aufgabe in Spanien genannt, die neuformierte Mannschaft fiel – bis auf den bemitleidenswerten Kapitän Manuel Neuer - geschlossen durch. Mit so einer Leistung braucht Deutschland bei der EM gegen Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal gar nicht erst anzutreten.

Dass die Mannschaft auch in der aktuellen Besetzung deutlich mehr kann, steht außer Frage, doch sie hat keine Anführer mehr auf dem Platz. Toni Kroos wird leider nie einer werden, auch Ilkay Gündogan nicht. Leon Goretzka könnte es vom Naturell her sein, aber er benötigt dabei (noch) Unterstützung. Von jemandem wie Joshua Kimmich, der in Spanien fehlte – nicht nur physisch.

Müller, Hummels und Boateng werden gebraucht

Immerhin redeten Löw und Neuer nichts schön, sprachen in der Analyse beide auffallend oft von "fehlender Kommunikation". Müller, Hummels und Boateng sind Kommunikatoren, auf und neben dem Platz. Die sportlichen Qualitäten hat der Bundestrainer ihnen ohnehin nie abgesprochen. Vielmehr wollte er den Platz freimachen für seine neue Generation. Die Platzhirsche, die in der Hierarchie eine Menge Raum beanspruchen, sollten dabei nicht im Weg stehen.

Doch die historische Klatsche hat gezeigt, dass sie gebraucht werden. Mehr als erhofft. Noch ist es für eine Rückkehr nicht zu spät, Löw muss jetzt doch umkippen. Es ist vielleicht seine letzte Chance.