17. Mai 2021 / 20:08 Uhr

Kommentar zur Keller-Abrechnung mit dem DFB: Kein Stein darf mehr auf dem anderen bleiben

Kommentar zur Keller-Abrechnung mit dem DFB: Kein Stein darf mehr auf dem anderen bleiben

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Fritz Keller hat mit seinem Rücktritt zu umfassenden Reformen beim DFB aufgerufen.
Fritz Keller hat mit seinem Rücktritt zu umfassenden Reformen beim DFB aufgerufen. © IMAGO/Pressefoto Baumann (Montage)
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DFB-Präsident Fritz Keller ist zurückgetreten – mit einer schriftlichen Wutrede machte er seinem Ärger über die "desolate Führungssituation" beim größten Sportverband der Welt Luft. Für den stellvertretenden RND-Sportchef Sebastian Harfst ist es ein weiteres Indiz dafür, dass der DFB sich jetzt grundlegend verändern muss.

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Es ist eine beispiellose Abrechnung, mit der Fritz Keller den DFB verlassen hat. Wenn ansonsten Abschiede trotz noch so hässlicher Vorgeschichten meist doch zumindest außerhalb der Fassade recht versöhnlich ausfallen, hat der nun ehemalige Chef des größten Sportverbandes der Welt die Gelegenheit zur schriftlichen Wutrede genutzt. Da ist von "desolater Führungssituation" die Rede, vom "traurigen Tiefpunkt", den der eigene Abgang darstellen soll, von "Widerständen und Mauern". Es gehe "zu häufig um eigene Befindlichkeiten, interne Machtkämpfe, um die Sicherung von Vorteilen sowie um das Arbeiten am eigenen Bild in der Öffentlichkeit".

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An diesem arbeitet natürlich auch Keller mithilfe seines Abschiedspamphlets. Seine eigenen Fehler behandelt er nur marginal. Allgemeiner Tenor: Ich wollte, aber man ließ mich nicht. Wer sich angesprochen fühlen muss – auch wenn Keller keine Namen nennt –, ist klar: Der Zwist des Winzers vom Kaiserstuhl mit Generalsekretär Friedrich Curtius ist aktenkundig. Der Streit mit Vizepräsident Rainer Koch führte zum letztendlich für den Rücktritt ausschlaggebenden Vergleich mit Nazi-Richter Freisler.

Kellers Abschiedsworte erfüllen einen wichtigen Zweck

Und auch wenn mancher Keller nun schlechten Stil vorwerfen mag und er ein wenig als beleidigte Leberwurst daherkommt, erfüllen seine Abschiedsworte doch einen wichtigen Zweck: Niemand kann nun mehr die Augen davor verschließen, dass beim DFB kein Stein auf dem anderen bleiben darf. Und das bedeutet auch, dass der Übergang nicht erneut von Funktionären organisiert werden sollte, die für die kaputten Strukturen beim Verband aufgrund ihrer langjährigen Tätigkeit mitverantwortlich sind.