04. Dezember 2020 / 08:35 Uhr

Kommentar zum DFB-Gipfel: Auch die Gegenspieler von Fritz Keller sollten hinterfragt werden

Kommentar zum DFB-Gipfel: Auch die Gegenspieler von Fritz Keller sollten hinterfragt werden

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Steht in der Kritik: DFB-Präsident Fritz Keller. RND-Sportchef Heiko Ostendorp meint, dass auch seine Gegenspieler hinterfragt werden sollten.
Steht in der Kritik: DFB-Präsident Fritz Keller. RND-Sportchef Heiko Ostendorp meint, dass auch seine Gegenspieler hinterfragt werden sollten. © imago images (Montage)
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Beim Deutschen Fußball-Bund droht am Freitag eine Revolte gegen Präsident Fritz Keller. Seine bisherige Amtszeit war nicht fehlerfrei, dennoch müssen auch seine Gegenspieler hinterfragt werden, meint RND-Sportchef Heiko Ostendorp. Diese wollten ihn nämlich haben. Das Hauptproblem beim DFB sind ohnehin die Strukturen.

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Wenn sich am Freitag das hochrangige Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) trifft, sollte nach dem Bekenntnis zu Bundestrainer Joachim Löw die wichtigste Personalie eigentlich von der Agenda verschwunden sein – doch nun könnte es bei der virtuellen Veranstaltung sogar um einen noch höheren Posten gehen: nämlich um den des Präsidenten. Fritz Keller hat in seinen bislang gut 14 Monaten Amtszeit sicher nicht alles richtig gemacht. Das weiß er selbst. Er hat sogar unlängst zugegeben, dass er mit seiner Jahresbilanz nicht zufrieden sei und Fehler begangen habe. Damit unterscheidet sich der hochdekorierte Winzer schon mal wohltuend von seinen Vorgängern und auch einigen Kollegen innerhalb des Verbandes, die ihn inzwischen mehr als kritisch beäugen und ihm das Leben nicht nur schwer machen – sondern möglicherweise sogar schon bald für sein vorzeitiges Ende sorgen könnten.

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Ironischerweise sind dies aber unter anderem genau die Protagonisten, die einen nicht unwesentlichen Anteil daran hatten, dass Keller im September 2019 überhaupt ins Amt gehoben wurde. So waren beispielweise Vizepräsident Dr. Rainer Koch sowie Schatzmeister Dr. Stephan Osnabrügge Teil der “Findungskommission”, die mit der Nachfolge von Reinhard Grindel betraut wurde. Beide gelten mittlerweile als gut vernetzte Gegenspieler des DFB-Bosses.

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Zudem hatte der Verband die hoch angesehene – und nicht ganz günstige – Schweizer Beratungsagentur Egon Zehnder beauftragt, den richtigen Mann zu finden, um den mit sieben Millionen Mitgliedern größten Sportverband der Welt zu leiten, wieder in ruhigere Gewässer zu steuern sowie Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückzugewinnen. Über 200 Interviews wurden geführt, Meinungen von Top-Fußballfunktionären eingeholt, Kandidaten aus sämtlichen Branchen begutachtet. Am Ende stand die überraschende Entscheidung für den Außenseiter mit der auffälligen Brille und der Narbe im Gesicht: Fritz Keller, Taufpate des großen Fritz Walter.

Im Dezember 2020 gibt der DFB nun ein jämmerliches Bild ab: Der Bundestrainer ist nach der 0:6-Klatsche in Spanien angeknockt, darf aber trotzdem weitermachen. Einige hochrangige Funktionäre sind im Rahmen der Steueraffäre verdächtigt, hinter den Kulissen toben Macht- und Grabenkämpfe, in die mittlerweile auch Keller selbst verstrickt ist. Ein Schlingerkurs wird ihm von seinen Kritikern vorgeworfen. Naivität, Aktionismus. Häufig reagiere er aufbrausend, wenn es nicht so läuft, wie er es sich wünsche. Keller sei alles in allem völlig überfordert mit der Aufgabe, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Strukturen beim DFB sind ein Problem

Ausgerechnet diejenigen, die ihn damals auswählten, rufen nun am lautesten nach seiner Ablösung. Dabei müssen sie sich zumindest die Frage gefallen lassen, warum sie sich überhaupt für Keller entschieden haben. All jene Verhaltensweisen und Charakterzüge, die nun nach und nach an die Öffentlichkeit gelangen (auf welchen Wegen auch immer…), sagte man dem langjährigen Boss des SC Freiburg nämlich schon bei seinem Ex-Arbeitgeber nach – genauso in seinem Betrieb, positiv wie negativ.

Sollte Keller tatsächlich in naher Zukunft abtreten müssen, sollte man beim DFB auch mal die Rolle derjenigen hinterfragen, die ihn zum Sturz gebracht haben. Die internen Strukturen bedürfen ohnehin schon lange einer Generalüberholung.