14. Januar 2021 / 12:10 Uhr

Kommentar zum Pokal-Aus: Der FC Bayern ist verwundbar wie seit Jahren nicht – es braucht mutige Gegner

Kommentar zum Pokal-Aus: Der FC Bayern ist verwundbar wie seit Jahren nicht – es braucht mutige Gegner

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
SPORTBUZZER-Redakteur Christian Müller blickt auf die aktuelle Situation des FC Bayern.
SPORTBUZZER-Redakteur Christian Müller blickt auf die aktuelle Situation des FC Bayern. © Getty Images/Montage
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Das frühe Aus im DFB-Pokal bei Holstein Kiel hat einmal mehr gezeigt: Der eng getaktete Spielplan und die offensive Spielweise fordern ihren Tribut vom FC Bayern. Für SPORTBUZZER-Redakteur Christian Müller ist klar: Die Gegner können dem Rekordmeister aktuell richtig wehtun - wenn sie ihn fordern.

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Seit Jahren gibt es in der Bundesliga angesichts der Dauer-Dominanz des FC Bayern München eine Diskussion um vermeintliche Langeweile. Und auch in der aktuellen Saison ist der Rekordmeister souverän ins Achtelfinale der Champions League eingezogen und in der Liga Tabellenführer - weshalb es auch nach dem frühen Aus im DFB-Pokal mit dem 7:8 im Elfmeterschießen bei Holstein Kiel noch schwer fällt, dem Quintuple-Gewinner der Vorsaison eine ausgewachsene Krise zu attestieren. Doch die Anzeichen mehren sich, dass die Bayern so wackelig sind wie seit Jahren nicht. Der in Corona-Zeiten noch enger als sonst getaktete Terminplan und eine offensive Spielweise mit hoher Pressinglinie fordern ihren Tribut.

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Bayern 2021 schon mit mehr Niederlagen als 2020

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. In der laufenden Saison hat die Mannschaft von Trainer Hansi Flick nach 15 Bundesliga-Spieltagen bereits 24 Gegentore kassiert. In fünf der acht Meisterjahre seit 2013 waren es am Saisonende weniger als jetzt nach noch nicht einmal einer Halbserie. In der Liga blieb der FCB zuletzt am fünften Spieltag (5:0 gegen Eintracht Frankfurt) ohne Gegentreffer. Und mit dem 2:3 bei Borussia Mönchengladbach sowie der Pokal-Pleite in Kiel kassierte der Rekordmeister im Jahr 2021 nun schon zwei Pflichtspielniederlagen - doppelt so viele wie 2020. Da gab es lediglich das 1:4 bei der TSG 1899 Hoffenheim Ende September - wenige Tage nach dem kräftezehrenden Finale um den UEFA-Supercup gegen Europa-League-Sieger FC Sevilla (2:1 nach Verlängerung).

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Bei aller unbestrittenen individuellen Klasse - auch der Defensivspieler - war die Chance, den FCB nachhaltig in Bedrängnis zu bringen, vielleicht seit Jahren nicht so groß. Dass eine spielerisch und taktisch starke Mannschaft wie Gladbach die Bayern schlagen kann, überrascht dabei nicht allzu sehr. Dass ein Zweitligist wie Kiel - bei allem Glück, das an einem solchen Tag dazu gehört - gegen die Flick-Elf aber zweimal einen Rückstand egalisiert und über 120 Minuten Paroli bietet, erstaunt schon eher. Zumal die Kieler sich trauten, so zu spielen, wie Bayern es nicht gern hat: mit Lust auf den Ball, Druck Richtung Bayern-Tor und Gier auf Zweikämpfe. Sie verfielen anders als viele Bundesligisten nicht in jene permanente Passivität, in der es oft nur eine Frage der Zeit ist, bis Weltfußballer Robert Lewandowski und Co. den Kontrahenten die Bälle um die Ohren jagen.

Aufhorchen bei RB, Bayer und BVB?

Klar wird Dauerdruck der Bayern auf das gegnerische Tor auch in den kommenden Wochen, wenn auf den Spitzenreiter mit der Klub-WM in Katar eine weitere zusätzliche Belastung wartet, nichts Ungewöhnliches sein. Denn selbst wenn Flick, der die ungewohnten Defizite schon mehrfach angesprochen hat, angesichts der aktuellen Anfälligkeit einige taktische Korrekturen vornimmt, wird sich an dem Anspruch, jedes Spiel zu dominieren, nichts ändern - "mia san mia". Doch spätestens seit Kiel ist nicht zu leugnen: Wer den Bayern wehtun will, wer sich traut, sie vor Aufgaben zu stellen, der hat gute Erfolgsaussichten. Nicht nur bei der Konkurrenz im Meisterrennen aus Leipzig (zwei Punkte zurück), Leverkusen (vier) und Dortmund (fünf) wird man es mit Interesse vernommen haben. Sei es, um die Münchener im direkten Duell zu stellen. Sei es, um von möglichen weiteren Ausrutschern à la Kiel zu profitieren.