23. Oktober 2020 / 21:27 Uhr

Kommentar zum DFB-Zwist zwischen Keller und Curtius: Dieser Scheinfrieden hilft niemandem

Kommentar zum DFB-Zwist zwischen Keller und Curtius: Dieser Scheinfrieden hilft niemandem

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
DFB-Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius wollen ihre Differenzen schrittweise ausräumen. Für RND-Sportchef Heiko Ostendorp erscheint das wenig glaubwürdig.
DFB-Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius wollen ihre Differenzen schrittweise ausräumen. Für RND-Sportchef Heiko Ostendorp erscheint das wenig glaubwürdig. © imago images/Sven Simon
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Seit geraumer Zeit gibt es Differenzen zwischen DFB-Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius. Am Freitag beteuerten beide nun in einer offiziellen DFB-Mitteilung, sich zusammenraufen zu wollen. Für RND-Sportchef Heiko Ostendorp ist dies aber nur ein Scheinfrieden, der niemandem hilft.

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Dr. Friedrich Curtius hat garantiert schon bessere Tage erlebt. Seit 2016 sitzt er als Generalsekretär im Präsidium des DFB und wollte dafür sorgen, dass mit den Altlasten endlich aufgeräumt wird und man nach dem sportlichen Desaster 2018 wieder positiv in eine bessere Zukunft schauen kann. Gemeinsam mit neuen Präsidenten Fritz Keller wollte er den eingeschlagenen Weg weitergehen, so der Plan. Anfangs wirkte das Bild der unterschiedlichen Charaktere noch harmonisch, doch der Schein trog – vermutlich sogar von Anfang an.

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Inzwischen soll das Tischtuch komplett zerschnitten sein, so ist aus Verbandskreisen zu hören. Dabei geht es vor allem um die Aufarbeitung der Verfehlungen der Vergangenheit. Die aktuellen Ermittlungen in der Steueraffäre (auch gegen Curtius) boten weiteren Zündstoff, genau wie der Rücktritt von DFL-Boss Christian Seifert aus dem DFB-Präsidialausschuss. Angeblich soll Keller sogar bereits Ende letzten Jahres eine Agentur beauftragt haben, einen Nachfolger für seinen Generalsekretär zu suchen, berichtet der Kicker. Der Präsidiumssitzung am Freitag blieb Curtius fern – offenbar war ihm dies nahegelegt worden, um weitere Eskalationen zu vermeiden. Da er nach einem Leitersturz beide Arme in Gips trägt und aktuell krankgeschrieben ist, sorgte Curtius´ Abwesenheit zumindest für keine weiteren unangenehmen Nachfragen.

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Am Ende des Tages steht nun ein Scheinfrieden, der niemandem hilft. Sowohl Keller als auch Curtius beteuerten per Pressemitteilung, dass man die entstandenen Differenzen "Schritt für Schritt ausräumen" und den "Weg gemeinsam gehen" wolle. Glaubwürdig erscheint das allerdings nicht.

Es ist wie in einer Beziehung, in der man es immer und immer wieder versucht, obwohl beide Partner längst das Vertrauen ineinander verloren haben. Auch da ist es oft besser, sich zu trennen, statt ein inniges Verhältnis vorzugaukeln, welches es nicht mehr gibt – auch im Sinne der Familie.


Im Falle des DFB besteht diese aus über 500 Mitarbeitern und gut sieben Millionen Mitgliedern. Auch daran sollten die Funktionäre bei ihrem Machtkampf denken, den am Ende sowieso nur einer von beiden gewinnen kann.