10. Mai 2020 / 13:15 Uhr

Kommentar zu Dynamo Dresden und der Bundesliga: Fairer Wettbewerb ist kaum möglich

Kommentar zu Dynamo Dresden und der Bundesliga: Fairer Wettbewerb ist kaum möglich

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hält einen fairen Wettbewerb für schwierig: SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst.
Hält einen fairen Wettbewerb für schwierig: SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst. © Martin Hoffmann, Steffen Kuttner/Imago Images, Montage
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Die zwei positiven Coronavirusfälle in der Mannschaft von Dynamo Dresden mit der daraus resultierenden Quarantäne des gesamten Teams lassen kaum mehr einen sportlichen Wettkampf zu, meint SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst.

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Die DFL hat mit ihrem Konzept zum Neustart der 1. und 2. Fußball-Bundesliga sehr hoch gepokert. Sie hat Hygieneregeln für die Teams und für den Ablauf der Spieltage detailliert festgelegt. Sie hat einen Spielplan zusammengebastelt, mit dessen Hilfe das Restprogramm der beiden Ligen – Relegation ausgenommen – bis Ende Juni durchgepeitscht werden soll. Sie hat ein flächendeckendes Corona-Testverfahren für die Teams entwickelt. Und sie hat sich auch Gedanken über den Umgang mit Neuinfizierungen von Profis gemacht, wollte sie in Einzelquarantäne stecken.

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Doch dann kam das Dresdner Gesundheitsamt mit seinen ganz eigenen Vorstellungen. Und schon ist eines der 36 Teams raus aus dem Trainings- und Spielbetrieb, alle Spieler der Sachsen müssen in häusliche Quarantäne, dürfen damit ihrer eigentlichen beruflichen Tätigkeit nur noch sehr eingeschränkt nachkommen. Und während die Profis des Tabellenletzten zwei Wochen lang auf dem Heimtrainer versuchen, sich irgendwie fit zu halten, bauen die Konkurrenten im Abstiegskampf der 2. Liga im Mannschaftstraining und Spielbetrieb fußballerische Substanz auf.

Corona-Quarantäne in Dresden: Kein fairer Wettbewerb

Das weltweit hoch gelobte und geradezu mit Bewunderung aufgenommene DFL-Konzept wird damit nicht schlechter. Es zeigt jedoch, wie grau die Theorie sein kann, wenn an einer Stelle jemand anders verfährt als geplant. Und der Fall Dresden legt nun die größte Schwachstelle der DFL-Pläne offen: Ein fairer Wettbewerb – und damit der Kern des Sports – war wegen der unterschiedlichen Trainingseinstiege der Teams zuvor schon schwierig zu garantieren. Die Quarantäne einer ganzen Mannschaft in diesem extrem engen Zeitplan macht ihn nun nahezu unmöglich.

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Die DFL wird trotz der nun noch schwieriger gewordenen Voraussetzungen an ihren Plänen zur Beendigung der Saison festhalten, so lange es irgendwie geht. Zu viel steht für die Klubs und die Liga auf dem Spiel. Ein Stück dieser Absurdität hat auch DFL-Boss Christian Seifert offenbar erkannt, wie er am Samstagabend im Aktuellen Sportstudio des ZDF mit folgendem Satz illustrierte: „Was Sie da sehen werden, ist ein absoluter Notbetrieb an Bundesliga.“ Und unter diesem Notbetrieb leidet nun auch die sportliche Gerechtigkeit.