08. Juli 2021 / 19:02 Uhr

Kommentar zum EM-Halbfinale: Englands Spielweise ist eine Schande

Kommentar zum EM-Halbfinale: Englands Spielweise ist eine Schande

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die englischen Nationalspieler Josh Stones (links) und Harry Maguire jubeln über den Einzug ins EM-Finale. Die Spielweise ist jedoch eine Schande, kommentiert RND-Sportchef Heiko Ostendorp.
Die englischen Nationalspieler Josh Stones (links) und Harry Maguire jubeln über den Einzug ins EM-Finale. Die Spielweise ist jedoch eine Schande, kommentiert RND-Sportchef Heiko Ostendorp. © IMAGO/Sven Simon (Montage)
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Deutschland-Bezwinger England ist gegen Dänemark auf vergleichweise biedere Art und Weise ins EM-Finale eingezogen. Für RND-Sportchef Heiko Ostendorp steht fest: Die Spielweise der Engländer bei dem Turnier ist fast schon eine Schande.

Sympathien waren den Engländern schon immer egal – das wird auch diesmal so bleiben. Schließlich geht es nicht darum, die beliebteste Mannschaft zu sein oder diejenige, die den schönsten Fußball spielt, sondern die erfolgreichste. Dass die „Three lions“ dazu nun endlich, endlich wieder die Chance haben, nach so vielen „years of hurt“, den berühmten Jahren der Schmerzen, ist eine wunderbare Geschichte. Erstmals im EM-Finale. Gegen Italien. Im Wembley. Vor 60.000 Fans. Wow!

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Ob der Einzug ins Endspiel letztendlich verdient ist oder nicht, ob der Elfmeterpfiff für Raheem Sterling nun berechtigt war, interessierte auf der Insel schon am Donnerstag niemanden mehr. Für neutrale Beobachter bleibt trotz des größten Erfolgs seit Jahrzehnten aber ein fader Beigeschmack. Nicht nur wegen des Witz-Elfers für Sterling, der "Laserpointer-Attacke" gegen Kasper Schmeichel oder des respektlosen Auspfeifens des Gegners bei der Nationalhymne. Auch die Spielweise der Engländer ist in Anbetracht der individuellen Klasse, die auf dem Platz steht – oder auf der Bank sitzt (Sancho, Foden & Bellingham lassen grüßen) – fast schon eine Schande und erinnert fast ein wenig an Griechenland anno 2004 unter Otto Rehakles.

Die Null muss stehen, vorne machen wir irgendwie immer einen – so das traurige Motto. Und danach: fallen lassen, lamentieren, Zeit schinden. So wie es Endspielgegner Italien einst perfekt beherrschte. Diese Mittel sind keineswegs verboten und reichten, um bei diesem Turnier nicht mal unverdient ins „Finale dahome“ einzuziehen. Sie zeigten aber vor allem, wie wenig wirklich nötig war, um sich auf diesem Ast des Turnierbaums durchzuhangeln.

Nimmt das Team von Gareth Southgate am Sonntag tatsächlich auf Europas Fußballthron Platz sollten sich die Deutschen darüber keineswegs freuen, weil sie dann „nur“ am Titelträger gescheitert wären. Sie sollten sich vielmehr darüber ärgern, welch große Chance sie bei dieser EM tatsächlich verpasst haben.