12. November 2019 / 14:27 Uhr

Kommentar: Eine erbärmliche Entwicklung - Hannover 96 ist dabei, sich abzuschaffen

Kommentar: Eine erbärmliche Entwicklung - Hannover 96 ist dabei, sich abzuschaffen

Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
96-Profiboss Martin Kind wollte eine neue Philosophie in die Mannschaft bringen.
96-Profiboss Martin Kind wollte eine neue Philosophie in die Mannschaft bringen. © Julian Stratenschulte/dpa
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Vor einem Jahr stand Hannover 96 vor den Scherben der Bundesligasaison. Mindestens mit den Zehenspitzen kratzen die Roten fast ein Jahr später am Eingang zur 3. Liga. Eine erbärmliche Entwicklung, die der Klub nicht gestoppt bekommt, meint SPORTBUZZER-Redakteur Tobias Manzke.

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Die Verantwortlichen hatten im Sommer große Pläne ausgegeben. Profiboss Martin Kind sprach von einer neuen Philosophie. Eine Philosophie, die genau so schon bei vielen Vereinen im Umbruch gepredigt wurde. Darüber reden kann jeder. Eine eigene Identität muss man sich erschaffen. 96 ist dabei, sich abzuschaffen.

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Die Entscheidungen, die 96 trifft, sind haarsträubend. Ein als Assistent geplanter Jan Schlaudraff wird zum Sportdirektor, soll ohne Geld eine Mannschaft formen, die wieder aufsteigt. Der ehemalige Videoanalyst Lars Barlemann wird zum Co-Trainer, soll mit Ex-Trainer Mirko Slomka eine Mannschaft führen, die offenbar keine ist.

Die Stimmen zum Spiel: 1. FC Heidenheim - Hannover 96

96-Interimstrainer <b>Asif Saric</b>: Nach dem 0:1 haben wir uns gut gefangen, hatten ein sehr gutes Positionsspiel, wir hatten fast alles im Griff. Heidenheim hat unsere Flanken sehr gut verteidigt. In der Halbzeit haben wir der Mannschaft Mut zugesprochen, darauf aufzubauen, noch konsequenter im 16er zu sein. Nach den zwei weiteren Gegentoren war es schwer für uns, zurückzukommen. Zur Galerie
96-Interimstrainer Asif Saric: "Nach dem 0:1 haben wir uns gut gefangen, hatten ein sehr gutes Positionsspiel, wir hatten fast alles im Griff. Heidenheim hat unsere Flanken sehr gut verteidigt. In der Halbzeit haben wir der Mannschaft Mut zugesprochen, darauf aufzubauen, noch konsequenter im 16er zu sein. Nach den zwei weiteren Gegentoren war es schwer für uns, zurückzukommen." ©

Noch keine Lernkurve erkennbar

Dass das nicht funktioniert, ist nicht die Schuld von Schlaudraff oder Barlemann, sondern von einem nicht vorhandenen Plan. Es wirkt auch jetzt wieder so, als ob 96 keinen hat. Slomka stand schon im September vor dem Kiel-Spiel zur Debatte, er stand nach dem Nürnberg-Spiel zur Debatte, nach dem Sandhausen-Spiel wurde er entlassen.

Einen neuen Trainer gibt es nicht. Unglaublich, dass die Verantwortlichen nicht vorbereitet sind – oder zumindest unklar ist, wer sich in welchem Umfang in Entscheidungen einbringen darf. Und dass Trainerprofile hin und her schwanken.

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96 gibt keinem seiner Fans das Gefühl, Vertrauen in die Entscheidungen der Entscheider haben zu können. Weil diese sich selbst untereinander zu wenig vertrauen. Und in Person von Kind zu viele Fehlentscheidungen in der Vergangenheit getroffen haben. Das hat Kind vor kurzem sogar zugegeben. Eine Lernkurve ist leider (noch) nicht erkennbar.

Auf dem Platz setzt sich die 96-Orientierungslosigkeit gnadenlos fort. Wenn Kapitän Marvin Bakalorz sagt, „dass wir die 2. Liga noch nicht angenommen haben“, drängt sich die Frage auf, was die Mannschaft seit dem Sommer eigentlich gemacht hat. Welchem Spieler jetzt noch nicht klar geworden ist, wie brenzlig die Situation ist und dass es vielleicht mal nicht darum geht, die eigene Marke auf Instagram oder Facebook zu schärfen, dem kann nicht mehr geholfen werden. Das Bild, das 96 abgibt, ist einfach erbärmlich.