22. August 2022 / 21:31 Uhr

Kommentar: Die European Championships in München setzen ein Zeichen – auch ans IOC

Kommentar: Die European Championships in München setzen ein Zeichen – auch ans IOC

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die European Championships in München haben für viele emotionale Momente bei Athleten und Fans gesorgt.
Die European Championships in München haben für viele emotionale Momente bei Athleten und Fans gesorgt. © IMAGO/Beautiful Sports, Eibner (Montage)
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Die European Champions in München mit Europameisterschaften in neun Sportarten haben für Feierstimmung gesorgt und Millionen an den Bildschirmen begeistert. Für den stellvertretenden RND-Sportchef Sebastian Harfst steht fest: Damit wurde ein sichtbares Zeichen gesetzt, das einer neuerlichen deutschen Olympia-Bewerbung nützen könnte – und das auch das IOC gesehen haben dürfte.

Die jüngere Geschichte deutscher Olympia-Bewerbungen ist keine Heldenerzählung. Volkes Stimme strafte die Versuche Münchens und Hamburgs bei Befragungen gnadenlos ab. Der bislang letzte ernsthafte Versuch, die Sommerspiele 2032 in der Rhein-Ruhr-Region auszutragen, scheiterte am Internationalen Olympischen Komitee, das frühzeitig Brisbane in die Poleposition schob. Jegliche Überlegungen 2036 einen Anlauf zu starten, haben ein Geschmäckle, weil das Jubiläum der unsäglichen Nazi-Spiele von 1936 immer als Schatten über der Veranstaltung liegen dürfte. Dazu die vom Terror überschatteten Sommerspiele 1972 in München: Deutschland und die Olympischen Spiele – das schien ein Märchen ohne versöhnliches Ende zu werden.

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Bis die European Championships in München kamen und möglicherweise die Skepsis gegenüber einem sportartübergreifenden Mega-Event, das nicht primär mit Fußball zu tun hat, etwas reduziert haben. Hunderttausende Zuschauer feierten in den vergangenen anderthalb Wochen sowohl die Leistungen der Athletinnen und Athleten als auch die Atmosphäre in der sommerlichen Landeshauptstadt des Freistaates. Millionen versuchten an den heimischen TV-Bildschirmen auch etwas von der Münchner Stimmung aufzusaugen. Das bayrische Mini-Olympia in neun Sportarten hat somit nicht weniger als ein neues deutsches Sommermärchen geschrieben.

Heißt das nun, dass die Türen für einen neuen olympischen Versuch plötzlich wieder offen sind? Zumindest sind sie nicht mehr komplett geschlossen. Um aber wirklich Akzeptanz bei der Bevölkerung für eine neuerliche Olympia-Bewerbung zu gewinnen, müssen aus München 2022 konsequent Lehren gezogen werden. Die übergreifenden Europameisterschaften haben schließlich einmal mehr gezeigt, dass tolle Atmosphäre und hohe Einschaltquoten nicht durch den ausufernden olympischen Gigantismus und die Regulierungslust des IOC in den vergangenen Jahrzehnten generiert werden. Vielmehr hat München eindrucksvoll bewiesen, dass Weniger bei der Präsentation des Hochleistungssports schnell zum Mehr werden kann.

Es war zum Beispiel beeindruckend, wie es die Organisatoren geschafft haben, bestehende Sportstätten aufleben zu lassen, statt neue zu bauen. Das sparte Unmengen an Geld und sorgte trotzdem für tolle Bilder, beispielsweise aus dem bei Ortsunkundigen fast vergessenen Olympiastadion. Es war auch beeindruckend, wie konsequent sich die Stadt München als Star neben den sportlichen Protagonisten in Szene setzen konnte. Insgesamt präsentierten sich diese Europameisterschaften also voll dem Zeitgeist entsprechend: nachhaltig, nachvollziehbar, nahbar.

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Damit wurde ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt, das einer neuerlichen deutschen Olympia-Bewerbung sicherlich nicht schaden und das sicherlich auch beim IOC wahrgenommen worden sein dürfte. Denn auch dort versucht man sich bei der Olympia-Planung seit einigen Jahren an mehr Nachhaltigkeit – bisher jedoch mit noch eher überschaubarem Erfolg. Die Sommerspiele 2024 in Paris werden somit zum großen Test für die Olympische Bewegung. Geht das Konzept auch da auf, die Stadt als Star zu inszenieren und Spiele zu veranstalten, die nachvollziehbar sind, dürfte das der globalen und somit auch der deutschen Olympia-Lust einen weiteren Push verschaffen. Klar ist bereits jetzt: Olympischer Gigantismus beeindruckt kaum noch jemanden.

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