23. Februar 2020 / 20:42 Uhr

Kommentar: Fadenkreuz-Plakat gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist menschenverachtend

Kommentar: Fadenkreuz-Plakat gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist menschenverachtend

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das Fadenkreuz-Plakat gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp, das Gladbach-Fans präsentieren, ist menschenverachtend, findet SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst.
Das Fadenkreuz-Plakat gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp, das Gladbach-Fans präsentieren, ist menschenverachtend, findet SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst. © Imago Images/Horstmüller/Montage
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Bei aller begründeten Skepsis vor den Auswüchsen des modernen Fußballs: Ein Plakat, das Mehrheitseigner Dietmar Hopp von der TSG Hoffenheim im Fadenkreuz zeigt, ist menschenverachtend und trägt seinen Teil zur Radikalisierung unserer Gesellschaft bei, findet SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst.

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Dietmar Hopp steht für eine neue Zeit im Profifußball, die nicht jedem gefällt. Es ist die Zeit, in der Investoren den beliebtesten Sport der Welt für sich entdeckt haben, um sich selbst Träume zu erfüllen, ihr Geld anzulegen, sich in den Strahlen, die das glamouröse Geschäft rund um die hochbezahlten Kicker aussendet, zu wärmen und zu präsentieren.

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Von vielen der traditionsbewussten Fußballfans wird diese Entwicklung feindselig betrachtet. Das ist verständlich: Dem guten alten Sportverein, den von den Mitgliedern gewählte Präsidien honorig leiten, hat die neue Welt schließlich längst den Rang abgelaufen. Die gute alte Muckeligkeit des deutschen Vereinswesens hat es schwer gegen die Hochfinanz. In der Bundesliga sind nur noch die Profiabteilungen des FC Schalke 04, des FSV Mainz 05 und des SC Freiburg unter dem Dach des klassischen e. V. organisiert. Dagegen stehen Unternehmer wie eben Hopp, der Mäzen seines Heimatvereins TSG Hoffenheim ist, in GmbHs ausgelagerte Lizenzspielerabteilungen oder gleich ganze Unternehmen wie bei RB Leipzig.

Einfache Fans fühlen sich nur noch als Teil der Inszenierung

Die Angst vieler aktiver Fans, die ihr Herz ihrem Lieblingsklub geschenkt haben und beispielsweise mit riesigem Engagement Choreografien vorbereiten, ist klar: Der Fußball droht, ihnen genommen zu werden. Die Ansprüche der Schnittchen- und Schampusfraktion drohen die Ansprüche der Zuschauer auf den Stehplätzen zu überlagern. Die einfachen Fans fühlen sich mehr und mehr als einkalkulierter Teil der Stadioninszenierung. Der fatale Eindruck: Hauptsache, sie singen schön laut und choreografieren schön bunt, damit die Zuschauer auf den teureren Plätzen ein bisschen wohlige Gänsehaut aus dem Stadion mit nach Hause nehmen.

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Doch bei allem Verständnis für die schwierige Situation der aktiven Fanszenen im modernen Fußball: Plakate wie das am Samstag beim Spiel von Borussia Mönchengladbach gegen die TSG Hoffenheim sind absolut inakzeptabel. Einen Menschen im Fadenkreuz zu zeigen, ist ein Akt der Unmenschlichkeit – und so etwas gehört nicht ins Stadion. Hier manifestiert sich blanker Hass an einer einzigen Person, weshalb auch Gladbach-Sportdirektor Max Eberl deutliche Worte fand. Und ja: Ein entsprechendes Plakat ist weder witzig, noch ist es normal, weil sowas im Stadion eben dazugehört.

Fadenkreuz-Plakat kann als Morddrohung verstanden werden

Nein, ein solches Plakat ist menschenverachtend, und es kann durchaus als Morddrohung verstanden werden. Es trägt zudem dazu bei, dass moralische Grenzen, die in unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten festgezogen schienen, nach und nach aufgeweicht werden. In unserer hochkomplizierten Zeit, in der an so vielen Stellen eine neue Radikalisierung zu beobachten ist, muss dies mit großer Skepsis betrachtet werden. Die ständigen Beleidigungen verbaler Art nicht nur gegen den Hoffenheimer Mäzen, die Woche für Woche durch die Stadien dröhnen, tun ihr Übriges. Im konkreten Fall von Gladbach hat der DFB bereits Ermittlungen aufgenommen.

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Protest gegen die Auswüchse im modernen Fußball bleibt deswegen legitim. Er ist nötig als Gegengewicht zur Turbokapitalisierung eines Geschäftes, das von Milliarden Menschen auf der Welt mit jeder Menge Emotion verfolgt wird. Besser – und vor allem wirkungsvoller – wäre es jedoch, wenn dieser Protest nicht auf menschenverachtende Art und Weise, sondern kreativ und humorvoll geäußert würde.