07. Februar 2021 / 11:45 Uhr

Kommentar zum FC Bayern: Rummenigge, Hoeneß und Co. agieren weltfremd und abgehoben

Kommentar zum FC Bayern: Rummenigge, Hoeneß und Co. agieren weltfremd und abgehoben

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Bayern nehmen sich zu wichtig, meint SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring.
Die Bayern nehmen sich zu wichtig, meint SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring. © dpa, Getty Images, Montage
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Die Aussagen der Verantwortlichen des FC Bayern sprechen eine deutliche Sprache. Abgehoben und weltfremd agieren Karl-Heinz Rummenigge und Co., meint SPORTBUZZER-Redakteur Stefan Döring.

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Es ist wahrlich keine Neuigkeit, dass der Fußball gern in seiner eigenen Blase lebt - nicht nur, während die Coronavirus-Pandemie die Welt in Atem hält. Doch gerade in diesen Zeiten zeigt sich eindrücklich, wie weit viele in diesem Geschäft von der Wirklichkeit entrückt sind. Da lässt sich Corentin Tolisso vom FC Bayern mitten in der Virus-Pandemie tätowieren und postet dies auch noch in den sozialen Medien. Da geht Gladbach-Stürmer Breel Embolo verbotenerweise mit mehreren Freunden Basketball gucken (oder doch eine illegale Party feiern, wie die Polizei behauptet?). Doch die Krone der Überheblichkeit haben sich nun die Bosse des FC Bayern aufgesetzt. Weil geltende Gesetze angewandt wurden! Aufgrund des Nachtflugverbots am Berliner Flughafen musste der Rekordmeister sieben Stunden warten, bis die Maschine nach Doha zur Klub-WM abheben durfte. Die Startfreigabe wurde schlicht zu spät erbeten.

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Das ist natürlich ärgerlich. In welcher Art und Weise Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und der ehemalige Präsident Uli Hoeneß sich im Nachgang äußerten, entbehrt allerdings jeglicher Bodenhaftung. Ein Bayern-Triumph bei der Klub-WM "würde der Bundesliga und auch unserem Land nicht schlecht zu Gesicht stehen. Deshalb bedauern wir das sehr. Was da passiert ist, ist Slapstick und eine lächerliche Nummer, an der sich irgendeiner abgearbeitet hat, der jetzt hoffentlich zu Hause sitzt und mal drüber nachdenken sollte", sagte Rummenigge der Bild. Wohlgemerkt: Der Bayern-Boss fordert hier eine Sonderregelung für seinen Klub, um zu einem umstrittenen Turnier mitten in der Saison nach Katar zu fliegen, wo auf Menschenrechten gelinde gesagt nicht das größte Augenmerk liegt. Nach Ansicht der Münchner ist die Reise offenbar von nationalem Interesse. Es sei gesagt: Nein, das ist sie nicht! Der FC Bayern spielt dieses Turnier fürs eigene Prestige und nebenbei für eine Menge Geld.

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Ex-Bayern-Präsident Hoeneß sprach im Bayerischen Rundfunk sogar von einem "Skandal ohne Ende". Dabei wurde in Berlin von der Flugsicherung einfach nur angewandt, was seit Jahren in den Gesetzen steht. Ein Nachtflugverbot gibt es übrigens an vielen Flughäfen - auch in München. Andere Mannschaften mussten deshalb schon Umwege in Kauf nehmen, weil sie nach Reisen von Champions- oder Europa-League-Spielen nicht mehr rechtzeitig zurückkehren konnten. Ohne großes Murren wird dies seit Jahren angenommen. Der FC Bayern selbst hat in der Vergangenheit zwar schon das eine oder andere Mal von Sondergenehmigungen profitiert und durfte doch noch landen. Nun gab es eben mal keine Sonderrolle für den Fußball. Warum auch?

Denn eine Sonderrolle nimmt der Profisport in der Pandemie ohnehin schon ein. Während die Bevölkerung seit gut einem Jahr Familienmitglieder, Freunde und Bekannte nur sporadisch sehen darf, sie in vielen Fällen nicht einmal umarmen darf, wird Fußball nahezu ohne Einschränkungen gespielt, seitdem die DFL ein Hygienekonzept erarbeitet hatte. Auch die Champions- und Europa League finden statt, selbst Länderspiele, nun also die Klub-WM in Katar. Täglich laufen im Fernsehen Fußballspiele, während Kinder ihrem Hobby aufgrund der Corona-Schutzverordnung seit Monaten nicht nachgehen dürfen. Damals, im Frühjahr des Vorjahres, wollte der Fußball mehr Demut zeigen. Ein bisschen mehr davon täte Rummenigge, Hoeneß und Co. nun ganz gut, um sich nicht komplett von der Gesellschaft zu entfernen. Zumal von den betroffenen Spielern bisher keine Unmutsbekundungen überliefert sind. Warum auch, sie haben die Nacht in ihren Luxus-Betten im Flieger verbracht.