21. November 2022 / 15:12 Uhr

Kommentar zur FIFA-Entscheidung: Einknicken der Verbände ist fast noch schlimmer als das One-Love-Verbot

Kommentar zur FIFA-Entscheidung: Einknicken der Verbände ist fast noch schlimmer als das One-Love-Verbot

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
RND-Sportchef Heiko Ostendorp kommentiert die Entscheidung der FIFA gegen die One-Love-Kapitänsbinde.
RND-Sportchef Heiko Ostendorp kommentiert die Entscheidung der FIFA gegen die One-Love-Kapitänsbinde. © PantherMedia / Valerio Rosati / dpa (Montage)
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Die One-Love-Binde der europäischen Kapitäne um Manuel Neuer hat am zweiten WM-Tag zum großen Zerwürfnis mit dem Weltverband FIFA geführt. RND-Sportchef Heiko Ostendorp beschreibt das Verbot als unfassbaren und beispiellosen Vorgang – und findet das Einknicken der Verbände vor dieser Erpressung fast noch schlimmer.

In diesen ersten WM-Tagen weiß man gar nicht, worüber man sich am meisten aufregen soll. Oder über wen. Bereits im Vorfeld war zu befürchten, dass die Endrunde zu einer absurden und peinlichen Show verkommen wird. In einem Unrechtsstaat, der Menschenrechte mit Füßen tritt, der Homosexualität unter Strafe stellt und den Tod Tausender Gastarbeiter in Kauf nimmt, wird ein Turnier veranstaltet, orchestriert von einem FIFA-General namens Gianni Infantino, der in Katar wohnt und längst in seiner eigenen Welt lebt. Am Montag, dem zweiten Tag, an dem der Ball rollte, hätte man die WM eigentlich wieder beenden müssen. Zumindest kann man sie nicht mehr ernst nehmen.

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"Die Mafia gewinnt immer", lautet eine Redewendung in Italien. Und genauso verhält es sich mit der FIFA, die sich tatsächlich erdreistete, mit sportlichen Sanktionen zu drohen, sollten die acht europäischen Kapitäne in Katar mit der One-Love-Binde für Diversität und gegen Rassismus auflaufen. Ein unfassbarer und beispielloser Vorgang. Doch fast noch schlimmer als diese Entscheidung ist das Einknicken der Verbände vor dieser Erpressung, auch des DFB. Die Nationen verpassten damit eine einmalige Chance, Infantino und seiner korrupten Bande auf größtmöglicher Bühne endlich geschlossen entgegenzutreten – koste es, was es wolle.

So hatte es Präsident Bernd Neuendorf noch Tage zuvor übrigens vollmundig angekündigt und war dafür gefeiert worden. Nun offenbarte auch der DFB-Boss, dass seine Worte nur leere Hülsen waren und machte sich nach gerade mal acht Monaten im Amt unglaubwürdig.

Man wolle die von der FIFA ausgelöste Konfrontation nicht auf dem Rücken der Nationalspieler austragen, so die feige Begründung des Binden-Rückzugs. Manuel Neuer & Co. sind längst Teil des sportpolitischen Machtkampfs und können einem dabei nur leidtun. Denn der große Verlierer ist am Ende der gesamte Fußball. Dass es anders geht, bewiesen am Montag die Spieler des Iran. Sie verzichteten vor dem Spiel gegen England auf das Mitsingen ihrer Hymne. Wohl aus Solidarität zu den Protesten in der Heimat. Die Iraner bewiesen Haltung und gingen damit ein weitaus größeres Risiko als das einer drohenden Gelben Karte ein.

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