06. Juli 2022 / 15:11 Uhr

Kommentar zum EM-Start: Warum sich für den deutschen Frauenfußball der Blick ins Ausland lohnt

Kommentar zum EM-Start: Warum sich für den deutschen Frauenfußball der Blick ins Ausland lohnt

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Frauenfußball in Deutschland hat laut RND-Sportchef Heiko Ostendorp noch nicht den Stellenwert, den er verdient.
Der Frauenfußball in Deutschland hat laut RND-Sportchef Heiko Ostendorp noch nicht den Stellenwert, den er verdient. © IMAGO/Harry Koerber (Montage)
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Mit dem EM-Beginn am Mittwoch wird es auch für die deutschen Frauenfußballerinnen langsam ernst. Das öffentliche Interesse hierzulande wächst, ist aber im internationalen Vergleich immer noch gering. Das Turnier bietet eine große Chance, notwendige Entwicklungen voranzutreiben, meint RND-Sportchef Heiko Ostendorp.

Im Wimbledon machen es die Frauen aktuell mal wieder vor, sorgten beim prestigeträchtigsten Tennisturnier der Welt für eine kleine Sensation, weil Debütantin Jule Niemeier und Zweifach-Mutter Tatjana Maria bis ins Viertelfinale vordrangen, für Maria geht die Reise sogar noch weiter.

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Ab Freitag wollen es die Fußballerinnen ein paar Kilometer weiter nachmachen und das deutsche Publikum auf den heimischen Sofas bei der am Mittwoch beginnenden EM begeistern. Die Endrunde auf der Insel wird neue Maßstäbe setzen, das Auftaktspiel im Old Trafford ist mit 73.200 Zuschauern ausverkauft – insgesamt wurden schon über 500.000 Tickets abgesetzt. In England kennt der Hype kaum Grenzen, auch für das Endspiel am 31. Juli im Wembleystadion gibt es längst keine Karten mehr. Die "Lionesses", wie die Nationalspielerinnen genannt werden, haben eigene Fanartikel, die PR-Maschinerie läuft auf Hochtouren.

Spanien begeistert mit 90.000 Fans im Camp Nou

In den USA ist Women Soccer längst beliebter als mancher Männersport. In Spanien lockte der FC Barcelona um Weltfußballerin Alexia Putellas, die sich am Dienstag jedoch verletzte, in der Champions League zuletzt zweimal über 90.000 Fans ins Camp Nou. In den Niederlanden und in Schweden bekommen die Frauen die gleichen EM-Prämien wie die Männer. Und in Deutschland?

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Im Land des achtmaligen Europameisters liegt immer noch vieles im Argen. Die Bundesliga-Partien verfolgen im Schnitt rund 1000 Menschen, auch bei den Länderspielen waren es zuletzt selten mehr als 7000. Man hat das Gefühl: es wird nach außen viel und oft erzählt, was alles besser werden und sich ändern muss – in der Umsetzung passiert (noch) viel zu wenig.

Popp und Co. nahbarer als die männlichen Kollegen

Es wäre den Damen von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg zu wünschen, dass sie das Turnier, welches so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht wie nie zuvor, ebenfalls nutzen könnten, um zu zeigen, wie attraktiv ihr Sport ist. In Sachen Technik, Taktik, Spielwitz hat sich in den letzten Jahren noch mal richtig was getan. Dazu ist das Auftreten von Alexandra Popp und Co. stets sympathisch, authentisch und deutlich nahbarer als man das von ihren männlichen Kollegen gewohnt ist.

Kurzum: Hoffentlich schalten die deutschen Sportfans nicht nur beim Halbfinale in Wimbledon, sondern auch bei den Gruppenspielen der DFB-Elf ein und schauen in Zukunft öfter mal im "Alltag" vorbei. Verdient wäre es allemal.

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