17. Februar 2021 / 13:35 Uhr

Kommentar zum Wirbel um Gladbach: Warum Max Eberl ein Vorbild für die ganze Liga ist 

Kommentar zum Wirbel um Gladbach: Warum Max Eberl ein Vorbild für die ganze Liga ist 

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Max Eberl ist ein Glücksfall für Borussia Mönchengladbach.
Max Eberl ist ein Glücksfall für Borussia Mönchengladbach. © IMAGO/Sven Simon
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Borussia Mönchengladbach muss sich einen neuen Trainer suchen - das ist seit Montag klar. Marco Rose wechselt nicht ohne Nebengeräusche zum BVB. Der Gladbacher Weg wird bei allem verständlichen Frust jedoch auch ohne Coach weitergehen, glaubt SPORTBUZZER-Redakteur Sönke Gorgos.

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Nach dem angekündigten Abschied von Marco Rose steckt Borussia Mönchengladbach in einer Sinnkrise – auch wenn sich das offenbar noch nicht bis zu Max Eberl herumgesprochen hat. Während viele von einem Auseinanderbrechen der Mannschaft warnen oder gar das Ende des Gladbacher Weges kommen sehen, hat der Sportdirektor der Borussia dem durch eine Ausstiegsklausel ermöglichten Abschied seines wichtigsten Angestellten mit einem ebenso leidenschaftlichen wie geschickten Auftritt die Dramatik genommen.

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Während Rose bei seinen Antworten wortkarg und vage blieb, stellte sich Eberl vor seinen teils heftig angefeindeten Trainer, kreidete sich dessen Wechsel zum BVB selbst an ("Im Grunde müssten die Fans sauer sein, dass ich diese Klausel akzeptiert habe") und sprach Rose, dessen sofortige Entlassung von einigen Fans gefordert worden war, demonstrativ das Vertrauen bis Saisonende aus.

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Dabei wäre es für ihn die deutlich leichtere Übung gewesen, die Schuld für die Misere dem Trainer in die Schuhe zu schieben, der sowieso bald weg ist und obendrein von den Fans verachtet wird. Womöglich hätte es ihm sogar Sympathiepunkte eingebracht, sich sofort von Rose zu trennen. Eberl aber denkt langfristig – und extrem rational. Er weiß, dass Rose ein exzellenter und im Saisonendspurt nicht zu ersetzender Trainer ist - genauso, wie er damals sicher war, dass es den Verein nach vorn bringen würde, mit Rose in die Zukunft zu gehen und nicht mit dem bei Fans beliebten Dieter Hecking. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Projekt Gladbach hänge "nicht an einzelnen Personen", die "handelnden Personen sind vergänglich, der Klub ist es nicht". Heißt: Ganz egal, wer kommt oder geht, Borussia wird es überdauern.

Eberl und Schippers führen Gladbach mit Sachverstand und menschlicher Größe

Dieses Narrativ ist zwar schlüssig (schließlich musste der Verein immer wieder wichtige Stützen wie Marco Reus, Granit Xhaka oder auch Lucien Favre ersetzen), greift aber zu kurz. Denn am Niederrhein arbeiten sehr wohl Angestellte, von deren Arbeit Wohl und Wehe der Verein abhängt: Nämlich Max Eberl selbst und Geschäftsführer Stephan Schippers, die den Laden seit über zehn Jahren mit großem Sachverstand, menschlicher Größe und starkem Krisen-Management zusammenhalten.

Vor allem dies ist die Lehre dieser hektischen Gladbacher Tage: Die Eloquenz, mit der Eberl den sicherlich auch für ihn selbst schmerzvollen Rose-Abgang moderiert und gleichzeitig Spielern wie Fans eine positive Zukunftsperspektive bei Borussia aufgezeigt hat, können sich andere Verantwortliche der Bundesliga zum Vorbild nehmen, für die souveräne Kommunikation leider allzu oft ein Fremdwort geblieben ist. Eberl hat einmal mehr bewiesen, warum er zu den besten Führungskräften der Bundesliga gehört.