04. September 2019 / 17:24 Uhr

Kommentar: Hannover 96 hat sich offenbar mit dem Nicht-Aufstieg abgefunden

Kommentar: Hannover 96 hat sich offenbar mit dem Nicht-Aufstieg abgefunden

Uwe von Holt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hannover 96 hat an den ersten fünf Spieltagen der Saison noch nicht überzeugen können. 
Hannover 96 hat an den ersten fünf Spieltagen der Saison noch nicht überzeugen können.  © imago images/Sven Simon
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Nach fünf Spieltagen ist bei Hannover 96 Ernüchterung eingekehrt. Offenbar hat sich der Verein damit abgefunden, nicht aufsteigen zu können. Dafür ist man in der Transferphase zu wenig ins Risiko gegangen. Nun drohen leere Ränge im Stadion und eine gefährliche Gleichgültigkeit bei den Fans, meint SPORTBUZZER-Redakteur Uwe von Holt. 

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Schon ungewöhnlich nach dem fünften Spieltag, dass die 96-Hoffnung so ernüchternd verloren gegangen ist wie das klägliche Spiel beim HSV. Fünf Punkte auf dem Konto, kaum sportliche Weiterentwicklung, keine taktischen Zauberwerke des Trainers, der bereits mit seinem Personal hadert. Der Sturm ohne Durchsetzungsvermögen, das Mittelfeld ohne Ideen, die Abwehr ohne Konsequenz – dazu die namentlichen Enttäuschungen, allen voran der offiziell wertvollste 96-Spieler Waldemar Anton, der auf dem Platz oft so abwesend wirkt, als hätte er null Bock auf 2. Liga.

96 hat sich offenbar damit abgefunden, nicht aufzusteigen

Das alles haben Fans und Experten längst selbst gesehen, die bittere Schlussfolgerung kam aber erst jetzt, mit dem Schließen des Transferfensters. Denn 96 hat sich offenbar damit abgefunden, nicht aufsteigen zu können – schon gar nicht sofort. Profiboss Martin Kind ist zufrieden mit dem größten Transferüberschuss der 96-Geschichte, mit dem Plus von mehr als 20 Millionen stopft er aber vor allem existenzgefährdende Löcher in der Bilanz. Ins Risiko durfte Sportdirektor Jan Schlaudraff nicht gehen, dazu passen die letzten Verpflichtungen, beide ohne Ablöse – ein älterer Ex-Nationalspieler ohne Verein und ein jüngerer Profi mit doppelter Kreuzband-Geschichte.

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Es droht ein teurer Imageschaden

Man muss kein großer Pessimist sein, um Angst vor der 96-Zukunft zu bekommen: Es drohen leere Ränge im Stadion, eine gefährliche Gleichgültigkeit bei Fans und Sponsoren sowie ein teurer Imageschaden für die Marke 96. Kaum vorstellbar jetzt, dass sich vor der nächsten Saison ein Haufen günstiger Toptalente plötzlich für 96 entscheidet, dafür fehlen Sexappeal und Kohle.

Sollte Martin Kind wirklich vorhaben, neue Kapitalgeber ins rote Boot zu holen, er muss bald damit anfangen. Nach dem Abstieg 1989, verarmt und ohne Hoffnung, hat Hannover 13 Jahre gebraucht, um zurück in die Bundesliga zu kommen.