30. Januar 2020 / 21:32 Uhr

Kommentar zur Transfer-Offensive: Hertha geht ins Risiko – und setzt Klinsmann unter Druck

Kommentar zur Transfer-Offensive: Hertha geht ins Risiko – und setzt Klinsmann unter Druck

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hertha geht ins volle Risiko und setzt Klinsmann unter Druck. Ein Kommentar von Stefan Döring
Hertha geht ins volle Risiko und setzt Klinsmann unter Druck. Ein Kommentar von Stefan Döring © Verwendung weltweit
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Hertha BSC hat in diesem Winter bisher circa 60 Millionen Euro in neue Spieler investiert, zwei Mal seinen eigenen Transfer-Rekord gebrochen. Dazu hat Jürgen Klinsmann die Mannschaft wohl in zwei Lager geteilt. Der Trainer geht ins Risiko - und wird von seinem Klub zusätzlich unter Druck gesetzt.

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Nicht etwa Borussia Dortmund, RB Leipzig oder der FC Bayern haben in der Winter-Transferphase richtig rangeklotzt – nein, Hertha BSC hat bisher sage und schreibe 60 Millionen für Neuzugänge auf den Tisch gelegt. Und am letzten Transfer-Tag soll noch einmal investiert werden. Der "Big City Club" macht seine Drohung also wahr – und setzt seinen Trainer Jürgen Klinsmann damit mächtig unter Druck.

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27 Millionen Euro für den Klasse-Stürmer Krzysztof Piatek vom AC Milan, 25 Millionen Euro für Lucas Tousart (der allerdings noch ein halbes Jahr bei Olympique Lyon spielen wird), 11 Millionen Euro für Santiago Ascacibar vom VfB Stuttgart – und Matheus Cunha soll auch noch für 15 Millionen Euro von RB Leipzig kommen. Transfersummen und Namen wie bei den ganz Großen. Champions League soll schließlich die goldene Zukunft sein, der triste Alltag ist allerdings bisher Platz 13 in der Bundesliga, schon elf Punkte Rückstand auf einen Europapokalplatz.

Hertha will endlich glänzen

Trist, grau, uninteressant - das war bisher das Image der Hertha. Mit viel Geld des Investors Lars Windhorst haben die Berliner nun Spieler an die Spree gelotst, die die alte Dame in neuem Glanz erstrahlen lassen soll. Schon die Verpflichtung von Jürgen Klinsmann als Trainer war ein deutliches Zeichen dafür, wo es hingehen soll. Allerdings sind die Mittel durchaus rigoros.

Nicht nur, dass das Investoren-Modell durchaus umstritten ist, opfert der neue Trainer auch verdiente Spieler. Salomon Kalou („der Respekt fehlt massiv“), Arne Maier (will weg) und Nationalspieler Niklas Stark reagieren kritisch auf Klinsmann. Im Training soll die Stimmung unter den Spielern angespannt sein, die Mannschaft zunehmend in zwei Teile zerbrechen. Die einen, die von Klinsmann profitieren, die anderen, die keine Chancen mehr sehen.

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Hertha geht massiv ins Risiko

Hertha geht bewusst ins Risiko, um die Fantasien eines „Big City Clubs“ zu bedienen. Die Transfers sprechen eine deutliche Sprache, die Umstrukturierung der Startelf genauso. Nur die Spielweise passt längst nicht dazu. Der Sieg gegen den VfL Wolfsburg am vergangenen Wochenende fiel in die Kategorie Dusel, nachdem die Mannschaft einen phasenweise unterirdischen Kick abgeliefert hatte.

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Spielerischer Fortschritt ist unter Klinsmann bisher nicht wirklich zu erkennen. Die Taten des ehemaligen deutschen Nationaltrainers gehen noch lange nicht mit seinen äußerst euphemistischen Worten überein. Der Tagesspiegel bezeichnete die Spielweise sogar als „Steinzeitfußball“. Ob daran der neue Topstürmer Piatek etwas ändern wird? Schließlich braucht er auch Zuspiele. Doch ein kreatives Zentrum ist seit Längerem nicht erkennbar.

So setzt sich Hertha nicht nur mit den Millionen-Transfers selbst gehörig unter Druck, sondern geht auch ins volle Risiko. Klinsmann muss jetzt mit dem teuren Kader schnellstens nicht nur Ergebnisse liefern – sondern auch wie ein großer Verein Fußball spielen lassen. Ansonsten könnten die Allmachtfantasien der Verantwortlichen gehörig nach hinten losgehen. Denn im schlimmsten Fall steht Hertha dann ohne Europapokalteilnahme, mit einer zerstrittenen Mannschaft und einem hohen Schuldenberg da.

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