13. Februar 2020 / 13:58 Uhr

Kommentar zum Hertha-Chaos: Ohrfeigen für Klinsmann machen Preetz zu einem (kleinen) Gewinner

Kommentar zum Hertha-Chaos: Ohrfeigen für Klinsmann machen Preetz zu einem (kleinen) Gewinner

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Klub-Boss Michael Preetz (von rechts), Investor Lars Windhorst und Präsident Werner Gegenbauer zeigten Geschlossenheit - und haben damit die Hoheit bei Hertha BSC zurück, meint Stephan Henke, Sportchef der Märkischen Allgemeinen Zeitung.
Klub-Boss Michael Preetz (von rechts), Investor Lars Windhorst und Präsident Werner Gegenbauer zeigten Geschlossenheit - und haben damit die Hoheit bei Hertha BSC zurück, meint Stephan Henke, Sportchef der Märkischen Allgemeinen Zeitung. © imago images/Nordphoto
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Investor Lars Windhorst, Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer demonstrieren Geschlossenheit und grenzen sich von Jürgen Klinsmann ab. Der wird bei der Pressekonferenz von den dreien demontiert. Hertha BSC gewinnt die Deutungshoheit zurück - ein Kommentar.

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Es könnte der erste Schritt aus der Hertha-Krise gewesen sein: Geschlossenheit demonstrierten Investor Lars Windhorst, Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz am Donnerstagmittag nach dem Blitz-Abschied von Trainer Jürgen Klinsmann - und distanzierten sich gemeinsam vom ehemaligen Top-Angestellten. Einen Kritikpunkt nach dem anderen, die Klinsmann bei seinem Facebook-Live-Auftritt präsentiert hatte, konterten die Hertha-Granden.

Dass Preetz ihm zu nah an der Mannschaft war, auf der Bank saß, beklagte Klinsmann. "Dinge, die ich gestern gehört habe, sind keine Dinge, die wir miteinander besprochen haben. Wenn es Probleme und Konflikte gibt, bin ich es gewohnt, dass man spricht und nicht davonläuft", erklärte Preetz.

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Die Art und Weise des Abgangs, die Klinsmann selbst inzwischen als "fragwürdig" bezeichnet, stieß Windhorst auf. "Das kann man als Jugendlicher vielleicht machen. Aber im Geschäftsleben, wo man ernsthafte Vereinbarungen hat, sollte man das nicht machen", erklärte Windhorst, der Klinsmann zur Hertha gebracht hatte.

Dass er seit Ende November auf einen Vertrag warte, moserte Klinsmann. Gegenbauer erklärte dagegen, dass seit 27. November, dem Amtsantritt Klinsmanns, eine mündliche Vereinbarung bestanden habe, "seit dem 2.12. lag ihm ein schriftlicher Vertrag als Cheftrainer vor".

Eine verbale Ohrfeige nach der anderen verteilten die drei auf ihrer rund 50-minütigen Pressekonferenz im übervollen Presseraum der Berliner. Nach den vergangenen Chaos-Tagen (Gegenbauer: "Ich muss auch mal sagen, dass hier ordentlich gearbeitet wird"), in denen das Ansehen des Vereins durch den überstürzten Abgang Klinsmanns deutschlandweit arg in Mitleidenschaft gezogen wurde, war das mediale Interesse mindestens genauso groß wie bei der Vorstellung Klinsmanns.

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Dass Gegenbauer und Preetz sich von Klinsmann distanzieren, war abzusehen. Dass auch Windhorst seinen Fußball-Buddy das Vertrauen entzieht, war dagegen der notwendige Schritt, um wieder ansatzweise Ruhe einkehren zu lassen bei Hertha BSC. "Eine Zusammenarbeit mit Jürgen Klinsmann ist derzeit nicht vorstellbar. Die Art und Weise seines Abgangs ist unakzeptabel. Eine zielführende Zusammenarbeit können wir so nicht mit ihm fortführen", sagte Windhorst zur möglichen Rückkehr von Klinsmann in den Aufsichtsrat.

Zwar ließ er ihm ein Hintertürchen für ein mögliches Engagement in ein paar Monaten offen, doch das dürfte eher eine Nettigkeit gewesen sein, um eines der deutschen Fußball-Denkmale nicht vollständig zu demontieren. Denn die Hertha-Führungsriege dürfte alle Hebel in Bewegung setzen, eine Rückkehr von Klinsmann - in welcher Rolle auch immer - zu verhindern.

So geht Preetz, wenn man einen wählen müsste, als (kleiner) Gewinner aus dieser Woche hervor. Er hat den Macht-Anspruch Klinsmanns erfolgreich abgewehrt, steht nach der peinlichen Art des Klinsmann-Abgang als besonnener Macher da und hat nach dem Schweigen der letzten beiden Tage und mit der Unterstützung von Windhorst und Gegenbauer die Deutungshoheit zurückgewonnen. Allerdings: Nach der Fehleinschätzung mit Ante Covic und dem Klinsmann-Fehlgriff muss die nächste Trainerentscheidung sitzen, sonst dürfte der bei Teilen der Fans eh schon nicht wohlgelittene Preetz noch stärker in die Schusslinie geraten.

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