03. Mai 2021 / 13:21 Uhr

Kommentar zum HSV: Das Thioune-Aus war wohl unabwendbar – der Zeitpunkt aber ist fragwürdig

Kommentar zum HSV: Das Thioune-Aus war wohl unabwendbar – der Zeitpunkt aber ist fragwürdig

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Horst Hrubesch (v.l.) folgt beim HSV auf Daniel Thioune. 
Horst Hrubesch (v.l.) folgt beim HSV auf Daniel Thioune.  © IMAGO/Philipp Szyza
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Der Hamburger SV tauscht den Trainer - mal wieder. Dem lange erfolgreichen Daniel Thioune wurde die schwache Bilanz der letzten Wochen zum Verhängnis. Der Wechsel zu HSV-Legende Horst Hrubesch könnte nun zu spät erfolgt sein, kommentiert SPORTBUZZER-Redakteur Sönke Gorgos.

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Daniel Thioune ist ein Freund von Box-Metaphern. "Wir sind auf die Bretter gegangen", sagte der nunmehr ehemalige Trainer des Hamburger SV etwa nach der Derby-Pleite gegen St. Pauli Anfang März. Ihm ist nun zum Verhängnis geworden, dass der HSV zuletzt nicht nur heftige Niederschläge kassierte, sondern es verpasste, danach wieder aufzustehen. Das Resultat: Drei Spieltage vor Schluss droht nach fünf sieglosen Spielen in Folge einmal mehr der Knockout im Kampf um den ersehnten Wiederaufstieg.

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Diesen hat der HSV auch in den vergangenen beiden Jahren kassiert, als man sich trotz ähnlicher Durststrecken erst von seinen Trainern trennte, als der Schaden schon irreparabel war. Jetzt werfen Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel bei Thioune vorzeitig das Handtuch und installieren mit Horst Hrubesch eine Vereinslegende, um die angeschlagene Truppe wieder auf Kurs zu bringen.

Dass dieser Impuls trotz der lange erfolgreichen Arbeit und sympathischen Art Thiounes wohl unausweichlich war, zeigen sowohl die letzten Ergebnisse als auch das Auftreten der Mannschaft. Es fehlte ein Hoffnungsschimmer: Den letzten Sieg landete der HSV Mitte März, anschließend präsentierte man sich erschreckend unkonstant. Der unaufgeregte, sachliche Thioune wirkte zuletzt durchaus mitgenommen vom Leistungseinbruch seiner Spieler, denen ein Kopfproblem immer wieder einen Strich durch die Rechnung machte. Intern war die Überzeugung gereift, dass Thioune die Mannschaft nicht mehr erreicht - ein Eindruck, der anhand des sportlichen Trends nicht widerlegbar war und für Trainer fast immer die Trennung zur Folge hat. Boldt und Mutzel sahen sich zum Handeln gezwungen, obwohl man langfristig mit Thioune arbeiten wollte und erstmals den Aufstieg nicht explizit als Ziel ausgegeben hatte.

Der Wechsel zu Hrubesch kommt ein paar Spieltage zu spät

Der Wechsel zu Hrubesch, der mit seiner pragmatischen Ader trotz mangelnder Trainer-Erfahrung auf Klubebene (zuletzt war er 1997 Chefcoach einer Vereinsmannschaft) eine kluge Besetzung für den Saisonendspurt sein kann, kommt indes zu einem fragwürdigen Zeitpunkt, nämlich im allerallerletzten noch sinnvollen Moment - und wahrscheinlich sogar ein paar Spieltage zu spät. Denn selbst wenn Hrubesch jetzt einen Lauf startet, hat der HSV sein Schicksal seit dem letzten Spieltag nicht mehr in der eigenen Hand. Bei noch drei Partien hat der HSV fünf Punkte Rückstand auf den direkten Aufstiegsplatz und liegt auch im Kampf um den Relegationsrang zumindest virtuell im Hintertreffen. Hamburg hat zwar auf Kiel zwei Zähler Vorsprung, die Störche absolvierten aber drei (!) Spiele weniger. Und Düsseldorf kann am Montagabend nach Punkten gleichziehen.

Hrubeschs Hoffnung muss nun sein, dass er seine Spieler mental wieder aufrichten und auf das Ziel einschwören kann (dass genau dies zu seinen ausgewiesenen Stärken zählt hat er zuletzt bei den DFB-Frauen bewiesen) - und die Konkurrenz plötzlich genauso nervös und fahrig agiert wie der HSV in den vergangenen Wochen. Nur dann wäre sein Comeback auch ein Wirkungstreffer im Aufstiegsrennen.