13. Februar 2021 / 22:48 Uhr

Kommentar: An diesem Ilkay Gündogan führt kein Weg vorbei – erst recht nicht beim DFB

Kommentar: An diesem Ilkay Gündogan führt kein Weg vorbei – erst recht nicht beim DFB

Sönke Gorgos
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ilkay Gündogan schoss in dieser Premier-League-Saison bereits elf Tore - so viele gelangen zuvor in einer einzigen Spielzeit nur Jürgen Klinsmann (20) und Uwe Rösler (15).
Ilkay Gündogan schoss in dieser Premier-League-Saison bereits elf Tore - so viele gelangen zuvor in einer einzigen Spielzeit nur Jürgen Klinsmann (20) und Uwe Rösler (15). © imago images/PA Images
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Schon wieder ist Ilkay Gündogan am Samstag ein Doppelpack für Manchester City geglückt. Der deutsche Nationalspieler besiegte Tottenham Hotspur quasi im Alleingang. Die ungeahnten offensiven Qualitäten des Ex-Dortmunders sollte sich auch Bundestrainer Joachim Löw zunutze machen, meint SPORTBUZZER-Redakteur Sönke Gorgos.

Im deutschen Fußball wird derzeit viel diskutiert. Über den FC Bayern, der Titel wie am Fließband gewinnt. Über BVB und Schalke, die beide kriseln. Über den Videobeweis, der auch nach vier Jahren mehr schlecht als recht funktioniert. Einer aber fliegt hierzulande derzeit unter dem Radar: Dabei befindet sich Ilkay Gündogan in der Form seines Lebens.

Der 30-Jährige ist im Januar zum Spieler des Monats in der englischen Premier League gewählt worden und knüpft im Februar nahtlos an: Ein Doppelpack am vergangenen Wochenende beim 4:1 gegen Liverpool, ein Doppelpack jetzt beim 3:0 gegen Tottenham – beides nun wahrlich keine Laufkundschaft. Mit Manchester City ist der Ex-Dortmunder nicht nur seit mittlerweile 16 Pflichtspielen unbesiegt, er wächst in Abwesenheit des verletzten Kevin de Bruyne in ungewohnter Spielmacher-Rolle regelrecht über sich hinaus, ist der „man of the moment“ (Daily Mail) in „red-hot form“ (Sun) und derzeit wichtigster Spieler einer überragenden Mannschaft.

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Sein Trainer Pep Guardiola, der schon mit Legenden wie Messi, Xavi und Iniesta zusammenarbeitete, kommt aus dem Schwärmen nicht heraus: "Ich habe oft gesagt, er kann als falsche Neun spielen und die Leute haben mich ausgelacht", sagte der frühere Bayern-Coach. "Er ist aber unglaublich gut in diesen Dingen.“ Wie wahr! Mittlerweile hat Gündogan elf Ligatore auf dem Konto, so erfolgreich war er vor dem gegnerischen Tor noch nie. Zehn Treffer sind es in seinen letzten zwölf Ligaspielen – so viele wie in den vorherigen 82 zusammen.

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Gündogan ist für Guardiola ein "Schweizer Taschenmesser" – auch für Löw?

Wer gesehen hat, wie quirlig er beim dritten Tor gegen die Tottenham Davinson Sanchez ausgetanzt hat, kommt zudem an einer weiteren Frage nicht vorbei: Warum kann Gündogan nicht auch dabei helfen, die offensiven Probleme des DFB zu lösen? Bisher setzte Joachim Löw ihn vor allem als mehr oder weniger zentralen Mittelfeldspieler ein – bei Guardiola dagegen ist er wegen seiner außergewöhnlichen Spielintelligenz eine Art "Schweizer Taschenmesser", ein verlässlicher Problemlöser. Wird er dies auch für den Bundestrainer?

Während darüber sinniert wird, ob nun eine Rückkehr von Thomas Müller oder doch mögliche Debüts der 17 Jahre alten Jamal Musiala oder Florian Wirtz die Lösung für das kriselnde DFB-Team seien, könnte Löw mit Gündogan in exponierterer Rolle als bisher auf einen bauen, den er längst im Kader hat und der sich gerade regelrecht neu erfindet. Damit der derzeit formstärkste deutschen Spieler auch die Aufmerksamkeit bekommt, die ihm zusteht.