11. Februar 2020 / 13:22 Uhr

Kommentar zum Klinsmann-Rücktritt als Hertha-Trainer: Das war nicht mehr als ein "Big City Witz"

Kommentar zum Klinsmann-Rücktritt als Hertha-Trainer: Das war nicht mehr als ein "Big City Witz"

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mit Jürgen Klinsmann schürte Hertha BSC von Beginn an zu hohe Erwartungen, meint SPORTBUZZER-Fußballchef Heiko Ostendorp.
Mit Jürgen Klinsmann schürte Hertha BSC von Beginn an zu hohe Erwartungen, meint SPORTBUZZER-Fußballchef Heiko Ostendorp. © imago images/Bernd König/Montage
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Jürgen Klinsmann ist überraschend als Trainer von Hertha BSC zurückgetreten. Das ist der peinliche Schlussstrich unter ein Kapitel überzogener Erwartungen, meint SPORTBUZZER-Fußballchef Heiko Ostendorp. Statt Klinsmanns Traum von Europa heißt die Realität in Berlin Abstiegskampf. 

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Rücktritte scheinen in der Hauptstadt aktuell in Mode zu sein… Am Dienstagmorgen legte Herthas Trainer Jürgen Klinsmann völlig überraschend – und offenbar ohne Kenntnis seines Arbeitgebers – sein Amt nieder. Nach zehn Wochen verkündete er seinen Rücktritt via Facebook – typisch Klinsi.

In seiner Stellungnahme sprach er von mangelndem Vertrauen der handelnden Personen und gab gleichzeitig bekannt, dass er sich wieder in den Aufsichtsrat zurückziehen werde. Dort fungiert Klinsmann künftig als Kontrollgremium der Personen, die er angezählt hat – das birgt neues Konfliktpotenzial.

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Insgesamt ist die Peinlich-Posse um Hertha BSC ein einziger Treppenwitz. Nach Klinsmanns Engagement faselte der ehemalige Bundestrainer vom "Big City Klub", vom "spannendsten Projekt in Europa", träumte von der Champions League und wollte mit den Millionen seines Investor-Kumpels Lars Windhorst ein Dream-Team zusammenstellen. Die Namen von Mario Götze, Julian Draxler und Granit Xhaka waberten durch die Hauptstadt – am Ende war der Transfer von Lucas Tousart der spektakulärste, doch der wurde sofort wieder an den abgebenden Klub Olympique Lyon zurück verliehen und kommt erst im Sommer. Unter Klinsmann wird er also nie spielen.

Für sein Trainerteam verpflichtete der Coach unter anderem Werner Leuthard, den langjährigen "Schleifer" von Felix Magath, holte seinen Ex-Spieler Arne Friedrich als "Performance Manager" und lieh sich Torwart-Trainer Andreas Köpke vom DFB aus. Wohlwissend, dass dieser wieder zum Verband zurückkehren wird.

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Das Engagement von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer hat nach nur zehn Wochen ein abruptes Ende gefunden - dann kam der chaotische Abschied samt Zwist mit der Vereinsführung. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Chronologie von Klinsmanns Zeit bei Hertha - und des Trubels danach! Zur Galerie
Das Engagement von Jürgen Klinsmann als Hertha-Trainer hat nach nur zehn Wochen ein abruptes Ende gefunden - dann kam der chaotische Abschied samt Zwist mit der Vereinsführung. Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie von Klinsmanns Zeit bei Hertha - und des Trubels danach! ©
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Statt europäischem Wettbewerb heißt die Realität bei Hertha Abstiegskampf

Sportlich holte Hertha unter Klinsmann aus neun Bundesliga-Spielen zwölf Punkte, gewann dreimal und steckt als Vierzehnter nach wie vor mitten im Abstiegskampf. Nicht mehr, nicht weniger. Umso mehr überrascht es, dass er von den Verantwortlichen bereits jetzt einen langfristigen Vertrag über das Saisonende hinaus gefordert haben soll. Irgendwie auch typisch Klinsi.

In Berlin täten sie nun gut daran, sich zunächst aufs Wesentliche zu konzentrieren, bevor man Luftschlösser baut und Erwartungen weckt, die im Fußballgeschäft nicht zu erfüllen sind, schon gar nicht in kurzer Zeit. Die knallharte Realität heißt Abstiegskampf, das Saisonziel Klassenerhalt. Erst wenn dieses erreicht ist, darf man von einer rosigeren Zukunft träumen. Ob mit oder ohne Klinsi.

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