20. Oktober 2022 / 08:36 Uhr

Kommentar zur Kramer-Entlassung bei Schalke 04: Wieder einmal ist der Leidtragende der Trainer

Kommentar zur Kramer-Entlassung bei Schalke 04: Wieder einmal ist der Leidtragende der Trainer

Timon Zöfelt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nach der Entlassung von Frank Kramer müssen sich auch die S04-Verantwortlichen hinterfragen, meint SPORTBUZZER-Redakteur Timon Zöfelt.
Nach der Entlassung von Frank Kramer müssen sich auch die S04-Verantwortlichen hinterfragen, meint SPORTBUZZER-Redakteur Timon Zöfelt. © IMAGO/Kirchner-Media (Montage)
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Trainer Frank Kramer hat es nicht geschafft, der Mannschaft von Schalke 04 seinen Stempel aufzudrücken. Aber auch der Verein, der immer noch in anderen Sphären denkt, hat Mitschuld an der Entwicklung, kommentiert SPORTBUZZER-Redakteur Timon Zöfelt. 

Nur vier Monate hat es gedauert. Das Engagement von Frank Kramer bei Schalke 04 bleibt nach dessen Entlassung am Mittwochvormittag nicht mehr als ein kurzes Intermezzo. Die deftige 1:5-Pleite im DFB-Pokal gegen die TSG Hoffenheim kostete dem 50-Jährigen, der angesichts des sportlichen Misserfolgs schon zuvor massiv in die Kritik geraten war, den Job beim Bundesliga-Vorletzten.

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Überraschend? Eher weniger. Unter komplizierten Umständen hatte Kramer sein Amt beim Revierklub angetreten. Bei einem Aufsteiger, der obendrein im Transfer-Sommer etwa in Malick Thiaw und Ko Itakura wichtige Stützen verlor. Adäquater Ersatz? Auch aus finanziellen Gründen Fehlanzeige.

Stattdessen fuhr der Klub den notgedrungenen Sparkurs und versuchte, endlich wieder Ruhe in den Verein zu bringen. Mit Kramer als Puzzleteil und Gesicht inmitten einer herausfordernden Zeit. Von der Hand zu weisen sind die Versäumnisse des Trainers dabei nicht. Bei nur zwei Siegen aus zwölf Pflichtspielen und bisweilen erschreckend schwachen und leidenschaftslosen Auftritten seiner Mannschaft, kann Kramer nicht aus der Schusslinie genommen werden. Doch statt die angestrebte Ruhe im Verein mit Vertrauen und Konstanz auf der Cheftrainer-Position zu forcieren, steht die erneut schnelle Entlassung eines Coaches als Sinnbild für den kaum strapazierfähigen Geduldsfaden der Schalker Verantwortlichen.

Denn: Mit Kramer muss bereits der sechste Trainer binnen zwei Jahren gehen. Von einem Klub in ruhigerem Fahrwasser kann längst nicht die Rede sein. Dazu kommt, dass im Umfeld des Traditionsvereins immer noch in anderen Dimensionen gedacht wird. Und zwar in denen, dass die Königsblauen eigentlich zu Führungsriege des deutschen Fußballs zählen müssten. Dabei sind sie nur noch ein unterdurchschnittlicher Bundesligaklub.

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Der Leidtragende des Dilemmas ist wie so oft der Mann an der Seitenlinie. Immerhin: Die Schalker Bosse sind nach der Kramer-Entlassung nun selbst gefordert, an den richtigen Stellschrauben zu drehen und zu einer weniger wechselhaften Zukunft des einstigen Bundesliga-Topklubs beizutragen. Sonst wird es auch beim nächsten Kandidaten nicht lange dauern, bis es auf Schalke wieder heißt: Der Nächste, bitte!

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